Was geschah mit Samtpfötchen Sunny?

Eine Katze kommt unter mysteriösen Umständen ums Leben. Wurde sie angefahren? Oder hat jemand das Tier gequält? Die Besitzerin sucht nach Antworten - doch das gestaltet sich schwierig.

Zschopau.

Die Szene klingt wie aus einem Gruselfilm: Ein Mann ist nachts, kurz nach 3 Uhr, in Marienberg unterwegs. Auf der Dörfelstraße sieht er eine ältere Dame stehen, die sich über eine Katze beugt. Das Tier - womöglich angefahren, jedoch ohne offensichtliche Verletzungen - ist benommen, lebt aber noch. Der Mann hält an, will wissen was los ist und muss eilig weiter zur Arbeit. Die Frau sagt noch, sie werde das Tier an die Wiese neben der Straße bringen. Dann fährt er weiter.

Der Mann wird später seiner Bekannten MiriamHanefeldt* davon erzählen. Und zufällig ist am folgenden Morgen Hanefeldts Mann ebenfalls auf der Straße unterwegs - und entdeckt jene Katze. Doch das Tier ist inzwischen tot, der Kopf eingeknickt, Blutflecken im Gesicht. Das Tragische: Die Katze gehört Miriam Hanefeldt. Ihr Mann erkennt das Halsband, der Adressanhänger wurde abgerissen. Er legt das Tier ins Auto und bringt es nach Hause. Dort folgt ein weiterer Schreck. "Die Katze hatte einen sauberen Schnitt an der Kehle", sagt Hanefeldt. Wurde das Tier gequält? Gar absichtlich getötet? Vor allem: Was geschah in den Stunden zwischen der mysteriösen nächtlichen Begegnung und dem Auffinden am Morgen?

Das Ganze hat sich vor zwei Wochen in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag ereignet. Und Miriam Hanefeldt fragt sich seitdem, was ihrem einem Jahr alten Kätzchen Sunny widerfahren ist. Das Problem: Es ist schwer möglich, das nachzuvollziehen. Die Hanefeldts haben die Katze noch am selben Morgen beerdigt. Wie das Tier zu Tode kam, lässt sich kaum noch überprüfen. Bei Tierschutzbund und Tierärzten in Marienberg sowie dem Landratsamt des Erzgebirgskreises ist bislang nichts zu dem Vorfall bekannt.

Dr. Jens Barthmann von der Tierarztpraxis Barthmann in der Bergstadt rät in einem solchen Fall, sich direkt an Experten zu wenden, also Tierärzte oder das Veterinäramt des Kreises. "Sonst bleibt im Nachhinein nur Spekulation. Und oft nehmen Betroffene das Schlimmste an", so Barthmann. Um genau festzustellen, wie ein Tier gestorben ist, könne es obduziert werden - das macht beispielsweise die Landesuntersuchungsanstalt für Veterinärwesen.

Wie der Schnitt am Hals der Katze von Miriam Hanefeldt zustande kam, kann ohne Untersuchung also nur gemutmaßt werden. Die junge Frau will jedoch gar nicht spekulieren. Vielmehr hofft sie darauf, dass sich jemand meldet, der in der besagten Nacht oder am nächsten Morgen etwas beobachtet hat - vielleicht auch jene Frau, die nachts an der Straße bei der Katze stand.

Sollte sich tatsächlich jemand an der Katze vergriffen haben, wäre das aber offenbar keine Seltenheit. Nach Angaben des Landratsamtes gehen beim Veterinäramt regelmäßig Anzeigen von Bürgern wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein. Diese werden laut Sprecher André Beuthner direkt an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die Polizeidirektion Chemnitz spricht indes von 31 Fällen von Tierquälerei im Erzgebirge vergangenes Jahr - das sind ähnliche Größenordnungen wie in den Vorjahren. Doch Polizeisprecher Steffen Wolf zufolge spiegelt das vermutlich kaum die tatsächliche Fallzahl wider. Eine größere Zahl sei anzunehmen, zumal das Thema Tierquälerei breit gefächert sei und unterschiedlich in der Statistik erfasst werde. Neben tätlichen Angriffen zählten auch andere Fälle dazu, etwa Unfallflucht, nachdem jemand ein Tier angefahren hat, oder nicht artgerechte Haltung. Es sei überraschend, was Menschen Tieren antun können, so der Sprecher.

Ein Fall von Tierquälerei, bei dem ebenfalls Katzen im Mittelpunkt standen, hatte in der Region vor einem Jahr für Aufsehen gesorgt. In Gelenau waren zwei Tiere mit Diabolos aus einem Luftgewehr beschossen worden. Tierärztin Sandy Dathe-Schulz hatte die Projektile damals entfernt. Die Besitzer der Katzen erstatteten Anzeige. Das empfiehlt auch das Veterinäramt des Kreises: Bei Verdacht auf eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz sollte unverzüglich das zuständige Polizeirevier informiert werden.

*Name geändert, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

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