Wendt & Kühn geht neue Wege

Das Unternehmen aus Grünhainichen baut eine zweite Betriebsstätte auf. Davon profitieren Holzkunstexperten aus dem Spielzeugwinkel.

Olbernhau.

Tupfen, nicht kleckern. So lässt sich - zum Teil jedenfalls - die Arbeit von Marlene Ullmann beschreiben: Sie taucht ihren Pinsel in weiße Farbe und stupst ihn gegen den grünen Flügel eines Holzengels. Punktlandungen. Elf Mal pro Seite. Richtig kompliziert wird es jedoch an anderer Stelle: "Haare sind am schwierigsten", sagt sie. Der Ansatz darf weder zu hoch noch zu niedrig ausfallen. Hals, Violine und Bogen gehen da schon leichter von der Hand. Am Ende bleibt nur eine wichtige Fläche frei: das Gesicht.

Sind die Engel getrocknet, werden sie nach Grünhainichen geliefert, zum ursprünglichen Standort von Wendt & Kühn. Dann erst erhalten sie ihre Augen, ihre Nase, ihr Lächeln. Nurvier erfahrene Malerinnen dürfen das - Marlene Ullmann (noch) nicht. Sie ist eine der Angestellten, die seit April in der neuen Olbernhauer Betriebsstätte arbeiten.

Dort werden sie von Christiane Schubert angelernt. Sie gehört seit 16 Jahren zum Unternehmen und zeigt den Neuen, wie sie den Pinsel pflegen, ihn führen, und wie dick sie die Farbe auftragen müssen. Früher war Marlene Ullmann bei einer anderen Spielzeug-Firma tätig: Dort sägte und schliff sie Kleinteile aus Holz. Das Malen, sagt die 33-Jährige, habe sie gereizt. Aber das ist nur einer der Vorteile, die ihr die Stelle bei Wendt & Kühn bringt.

Aus Sicht der Firma gibt es zwei Gründe für die Erweiterung. "Die Nachfrage übersteigt das, was wir in Grünhainichen schaffen können", sagt Firmensprecher Thomas Rost. Um die Produktion zu steigern, hat Wendt & Kühn leerstehende Räume angemietet. Bislang wurden acht Malerinnen eingestellt. Zwei Taucher sollen hinzukommen, sie werden in Grünhainichen angelernt.

Der andere Grund für die Erweiterung: Wendt & Kühn verkürzt Wege für Arbeiter aus dem Spielzeugwinkel, in dem traditionell viele Holzkunstexperten leben. Davon profitiert auch Marlene Ullmann: Sie wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Ansprung. Die Olbernhauer Angestellten erhalten Rost zufolge den gleichen Lohn wie die Grünhainichener: "Mindestlohn plus Zuschläge, je nach Qualität und Quantität." Teils haben sie befristete Verträge, teils sind sie noch in der Probezeit. Später, so das Ziel, sollen alle fest eingestellt werden.

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