Wirtschaftsvertreter befürwortet Ortsumfahrung Wolkenstein

Die geplante Route hat Kritiker auf den Plan gerufen. Doch es gibt auch Befürworter. Unternehmer bezeichnen das Vorhaben als wichtig, damit die Region nicht abgehängt wird.

Wolkenstein/Annaberg-Buchholz.

Wie sinnvoll ist eine Ortsumfahrung um Wolkenstein und Gehringswalde? Diese Frage hat in den vergangenen Monaten die Gemüter bewegt. Pläne zu einer solchen Umfahrung finden sich im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP). Zwar steht noch nicht fest, ob und - wenn ja - wann gebaut wird. Doch allein das Bekanntwerden hat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen, insbesondere Anwohner womöglich von einem Bau betroffener Gebiete.

Einer, der das Vorhaben unterdessen begrüßt und auf dessen Notwendigkeit aufmerksam machen will, ist Roland Richter, Vizepräsident der Regionalkammer Erzgebirge der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Richter erhofft sich so Vorteile für die Region. "Der Ausbau würde die Erreichbarkeit des Erzgebirges, insbesondere von Annaberg-Buchholz, optimieren", so der Regionalkammer-Vize. Er spricht von einem Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft - 18.000 Unternehmen seien in der Kammer vertreten.

Wären die Vorteile einer Umfahrung für lokale Unternehmer tatsächlich so groß? Ein wesentlicher Kritikpunkt an dem Projekt ist immerhin, dass vor allem mehr überregionaler Transitverkehr in die Region komme und die Verkehrsbelastung dadurch größer werde. Für Richter, der auch Geschäftsführer der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH ist, kein Argument: "Der Verkehr wird ohnehin zunehmen", sagt er. Das könne kaum verhindert werden; die Ortsumfahrung biete also die Chance, diesen zumindest künftig aus den Ortslagen herauszuhalten. Und eine Umfahrung wäre nicht nur dem überregionalen Fernverkehr dienlich. Besonders regionaler Verteilerverkehr zwischen Marienberg, Annaberg und Aue würde gestärkt: "Ein wichtiger Baustein für die Infrastruktur", so Richter.

Das wohl schlagkräftigste Argument der Umgehungsgegner ist indes der Naturschutz. Im BVWP wird die Umfahrung Wolkensteins mit einer Querung der Zschopau im Bereich der Straße Scheibe skizziert. Diese Route wäre nur machbar mit einem Brückenbau über das Zschopautal - der von Anwohnern bereits heftig kritisiert wird. Der Verkehrspolitiker Stephan Kühn (Grüne) sprach davon, dass das Schutzgebiet Zschopautal zerschnitten würde und mit einer Flächenversiegelung von 14 Hektar Land zu rechnen sei.

IHK-Vertreter Roland Richter sagt, er habe Verständnis für die Situation der direkt Betroffenen. In diesem Fall gelte es abzuwägen. Aber: Es gebe Entschädigungsmöglichkeiten und "eine solche Baumaßnahme ist ein einmaliger Eingriff in die Natur", argumentiert Richter. Auf lange Sicht sei das besser als dauerhafter Verkehr entlang der jetzigen, längeren Strecke durch die Orte. Im Vergleich verbrauchten Fahrzeuge auf der Umgehung weniger Kraftstoff. "Zudem kann die Brücke umweltgerecht gestaltet werden", verweist Richter etwa auf Krötentunnel und Schallschutzwände, die angebracht werden können.

Für jene Details ist es jedoch noch zu früh, da derzeit Vorhaben von höherer Priorität im Fokus stehen. Die Diskussion um Für und Wider der Ortsumfahrung wird sich hinziehen und vieles kann das Projekt weiter verzögern. Das weiß auch Richter. Er gibt sich aber optimistisch: Würde es verwirklicht, sei das ein langfristiger Schritt, damit die Region nicht abgehängt werde. "Wettbewerbsfähigkeit braucht Infrastruktur", so der Wirtschaftsvertreter.

Ein Beispiel gibt André Lang, Geschäftsführer von Norafin in Mildenau. Sein Textilunternehmen steuern monatlich 15 Liefer-Lkw an. Bessere Erreichbarkeit sei wichtig; eine Wolkensteiner Umfahrung befürwortet er. Interessant ist dabei Langs Erklärung für ein künftig höheres Verkehrsaufkommen: eine "Amazon-Mentalität", in der Industrie wie privat. Menschen bestellten online und alles müsse stets schnellstmöglich kommen. Da sei es kaum verwunderlich, dass Lkw-Ladungen kleinteiliger werden - und eben häufiger gefahren werden muss.

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