Zschopauer Großpyramide feiert ihren 40. Geburtstag

In der Geschichte des hölzernen Exponates kam es immer wieder zu Zerstörungen. Heute wird es angeschoben.

Zschopau.

Wenn mit dem feierlichen Pyramidenanschieben am heutigen Sonnabend die Zschopauer Großpyramide in ihre Saison startet, kann sie auf einen runden Geburtstag verweisen. Vor 40 Jahren, genauer gesagt am 25. November 1977, wurde sie erstmals aufgestellt.

Schon viele Jahre vorher dachten die Zschopauer Schnitzer und Bastler über eine Großpyramide nach, gehörte doch eine "Peremett" einfach zum Erzgebirge dazu. Konnte man sich Mitte der 1960er-Jahre noch nicht zum Bau einer Großpyramide durchringen, machten die im Kulturbund der DDR organisierten Mitglieder der AG Schnitzen 1975 Nägel mit Köpfen.


Nach rund 2000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit vollbrachten die 22 Vereinsmitglieder ihr Gemeinschaftswerk und präsentierten es mit Beginn der Adventszeit 1977 erstmals der Öffentlichkeit. Die Schnitzer sahen ihr Werk zugleich als eine Art Dankeschön an die Stadt für die jahrelange gute Zusammenarbeit und Unterstützung. Sie schufen damit einen Wert in Höhe von 20.000 Mark. Die Zschopauer Pyramide erreicht 7,50 Meter Höhe, besitzt vier Ebenen mit insgesamt 21 gedrechselten, geschnitzten und bemalten Figuren.

Nicht alle Zeitgenossen schienen sich des Wertes und der Arbeit allerdings bewusst zu sein. Schon mehrmals wurde die Pyramide Ziel von Vandalismus, es wurden Figuren abgerissen und entwendet. Zum Beispiel verschwanden im Dezember 1991 Weihnachtsmann, Bergmann, Engel und Waldarbeiter auf Nimmerwiedersehen, die Kräuterfrau wurde zudem stark beschädigt. Aus diesem Grund investierte man im Folgejahr 350 Stunden für die Neuanfertigung der Figuren, auch wurde die gesamte Elektrik einer Erneuerungskur unterzogen. Weitere "Angriffe" sollten bis in die Gegenwart folgen.

Jahrelang stand die Großpyramide am ehemaligen Karl-Marx-Platz, heute Platz An den Anlagen. Mitte der 1990er-Jahre gab es erste Überlegungen für einen neuen Standort. Dafür gab es verschiedene Gründe, unter anderem die damals geplante innerstädtische Verkehrslösung. Seit dem ersten Advent 2002 hat sie ihren Platz auf dem Neumarkt. Mehr als 30 Jahre bauten sie die Schnitzer und Bastler unter Zuhilfenahme von Autodrehkran, Drehleiter und Leiter auf, zur Seite standen ihnen Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. Da der Altersschnitt des heutigen Weihnachtsbauvereins immer größer wurde, übernahm der Bauhof den Auf- und Abbau später komplett.

Das Pyramidenanschieben, findet heute, 15.30 Uhr, auf dem Neumarkt statt. Musikalisch umrahmt wird es vom Posaunenchor Zschopau und dem Hort der Grundschule "Am Zschopenberg". Kinder können im Ratssaal basteln und backen.


Göpel als Vorbilder

Schon in früheren Zeiten zählten Pyramiden zum Stamminventar eines erzgebirgischen Haushalts, wurden ehrfurchtsvoll als "Glanzstücke der weihnachtlichen Leuchterformen" bezeichnet.

Als Vorlage für die Konstruktionen dienten die von Pferden angetriebenen Göpelwerke. Das sind große und kunstvoll aus Holz gefertigte Schachtförderanlagen im Bergbau, heute für Besucher zum Beispiel in Johanngeorgenstadt und Lauta zu bewundern.

Die kreisende Bewegung setzten geschickte Bergleute in Kunstwerke für die Weihnachtszeit um. An einer senkrechten Achse werden eine oder mehrere sich verjüngende Holzscheiben angebracht, den Abschluss der Achse bildet ein waagerechtes Flügelrad. Die sich drehenden Scheiben sind mit verschiedenen Figuren bestückt.

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