Zschopauer Hobbychronist bringt Licht ins Dunkel

Eine Ansichtskarte aus Rübenau und ihr Geheimnis: Carsten Beier wurde auf einer Internetseite fündig.

Zschopau/Rübenau.

Vor 112 Jahren schrieb ein gewisser Rudie Schimmer aus Rübenau eine Ansichtskarte an seinen Vater in den USA. Besagte Karte kam über bislang unbekannte Wege wieder zurück ins Erzgebirge, und der Dresdner Andreas Beckert, selbst ein gebürtiger Rübenauer, erwarb sie bei einer Börse in Marienberg.

Wie kam die Karte zurück in die Region? Gibt es noch Verwandte des Jungen? Diese und andere Fragen bewegten den Sammler, und Licht ins Dunkel hat jetzt der Zschopauer Hobbychronist Carsten Beier gebracht. Er las den Bericht in der "Freien Presse" und begab sich in die Spur. Schließlich nutzt er des Öfteren die Internetseite "Ancestry", in der Unterlagen wie Passagierlisten für Auswanderer hinterlegt sind, die nicht mehr dem Datenschutz obliegen. Mit etwas Mühe seien etwa Reiseunterlagen, Sterbeurkunden und Bilder von Grabsteinen in Amerika zu finden. "Ich als Chronist freue mich jedes Mal, wenn ich selbst etwas suche und mir jemand anderes hilft bei meiner Suche", so Carsten Beier. Und er sei tatsächlich fündig geworden. Adressiert war die Karte an R. Schimmer in St. Louis/Missouri. "Ich habe ,Rudolph Schimmer 1908' eingegeben, und es tauchten Passagierlisten auf von einer Fahrt 1908 von Cuxhaven in die Staaten mit dem Dampfschiff." Dort fand Beier den Namen von Ida Schimmer, der Mutter von Rudie, und ihren beiden Kindern. Der Hobbychronist ist sich sicher, dass es sich um die gesuchte Familie handelt. Schimmer sei kein häufiger Name. Vielmehr sei der Name in den amerikanischen Unterlagen selten aufgetaucht, was ihm die Suche enorm erleichtert habe.

Sammler Andreas Beckert freut sich: "Das Rätsel um die Ansichtskarte wurde dank des Zeitungsartikels gelöst." Dabei stellt sich einiges anders dar, als angenommen. Denn Rudie ist nicht zehn oder zwölf Jahre alt, sondern bereits 20. Und er kam 1908 mit seiner Mutter aus den USA nach Rübenau, um deren Eltern zu besuchen. Ida Schimmer ist dort geboren und folgte 1887 ihrem Mann Rudolph in die Vereinigten Staaten nach St. Louis.

Die Karte war also ein Gruß an den Vater Rudolph Schimmer, und das Interesse an den beiden Hunden Jeffy und Dickee resultierte daraus, dass Rudie die beiden Tiere nicht mit auf die Reise nehmen konnte. "Die Geschichte über den Kartenschreiber Rudie Schimmer ist nun bekannt, wie aber die Karte von Amerika wieder nach Deutschland gekommen ist, bleibt ein Geheimnis", so Andreas Beckert. (mit bz)


Familie Schimmer

Rudolph Schimmer (Maschinist) geboren am 10. April 1866 in Wien, ausgewandert mit der "Nordland" von Antwerpen im Juni 1883, gestorben am 17. Juni 1934 in St. Louis.

Ida Emelie Schimmer, geboren am 8. Juli 1867 in Rübenau. Vater: Anton Seerig aus Kallich/Böhmen, wohnhaft in Rübenau. Bruder: Paul Seerig. Ida Schimmer wanderte im Juni 1887 mit der "Werra" von Bremen aus, gestorben am 8. Mai 1927 in St. Louis.

Kinder: Rudolph Georg Schimmer (Elektriker), geboren am 8. August 1888 in St. Louis, gestorben am 25. Juli 1957 in St. Louis, verheiratet mit Kathrine "Kathe" Webber.

Ida Schimmer und ihre Kinder Rudolph und Ida waren zweimal in Deutschland: 1897 und 1908. Die Mutter selbst 1914 wohl nochmals allein.

Im Reisepass steht der 10. April 1908 für die Fahrt, ein genaues Reisedatum ist nicht zu finden. Schimmers waren aber wohl mindestens von Ende Mai bis September in Rübenau. (ritz)www.findagrave.com

www.ancestry.de


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