Zschopauer Rentner streitet mit Stadt um Fichten

Die Nadeln der 30-Meter-Riesen landen im Garten des 85-Jährigen. Die Stadtverwaltung tut sich mit dem Fällen schwer.

Zschopau.

In ihren Kleingarten am Schützenhausberg in Zschopau haben Osmar Richter und seine Frau viel investiert. Obstbäume, Koniferen, Rosensträucher, Gemüsebeete und Rabatten - alles fein gepflegt - schaffen eine Wohlfühlatmosphäre. Eigentlich könnte das Rentnerehepaar mit dem Gärtchen, das es seit 1995 bewirtschaftet, zufrieden sein. Würde nicht wenige Meter weiter die Wildnis beginnen.

Osmar Richter stört noch nicht einmal am meisten, dass der beschwerliche, durch Gestrüpp führende Zugang immer wieder zuzuwuchern droht und in Eigeninitiative frei gehalten werden muss. Unweit der Gartenpforte stehen vier Fichten - die größten ragen an die 30 Meter in die Höhe. Die Bäume werfen Nadeln ab, die bei Westwind im Garten von Osmar Richter landen. Manchmal sind auch kleinere Äste dabei. "Wir haben schon eimerweise Nadeln entsorgt", ärgert er sich.


Noch mehr ärgert sich der 85-Jährige über den Briefwechsel, den er seit einem Jahr mit der Stadt führt. Denn das verwilderte Nachbargrundstück befindet sich in kommunalem Eigentum. Der Garten ist schon seit vielen Jahren nicht mehr verpachtet. Auf seinen ersten Brief zum schlechten Zustand des Grundstücks erhielt Osmar Richter vergangenen Sommer eine Antwort. "Es ist auch unsere Ansicht, dass die dort befindlichen Fichten auf Grund ihrer Größe zu beseitigen sind. Sollte sich in absehbarer Zeit kein neuer Pächter finden, werden wir die Fällung auf unsere Kosten vornehmen", steht in dem von Oberbürgermeister Arne Sigmund unterzeichneten Schreiben. Passiert ist seitdem nichts. Deshalb hatte der Rentner im Frühjahr nachgehakt. Vier Tage später folgte die Antwort aus dem Rathaus. Darin war keine Rede mehr davon, dass die Kommune die Fichten selbst fällen würde. Die Stadt sei weder finanziell noch personell in der Lage, die Zwischenbewirtschaftung von temporär nicht verpachteten Grundstücken zu übernehmen, hieß es zur Begründung. "Es besteht die Möglichkeit, dass Sie selbst diesen Garten pachten und dann die Fällung der Fichten auf Ihre Kosten übernehmen", empfiehlt die Stadt dem 85-Jährigen. "Das ist schon frech", sagt Osmar Richter. Auf Nachfrage von "Freie Presse" kündigt Stadtsprecher Uwe Gahut mit den Kleingärtnern einen Vor-Ort-Termin an. Macht aber auch deutlich, dass sich die Stadt schwer tue, die Bäume zu fällen. Zum einen seien die Fichten kerngesund, andererseits eine Fällung wegen des schwer zugänglichen Grundstücks mit hohem Aufwand verbunden. Man wolle aber versuchen, den Garten per Anzeige im Amtsblatt zu verpachten. In den Ohren von Osmar Richter klingt das wenig glaubwürdig. Wer würde schon ein so verwildertes Grundstück übernehmen wollen, fragt er sich. In seinen Augen sollte die Stadt aufräumen und erst danach versuchen, einen Interessenten zu finden. Das wäre der richtige Weg.

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