21.000 Besucher bei Wave-Gotik-Treffen in Leipzig

Jedes Jahr zu Pfingsten verdunkelt sich Leipzig. Dann kommen Fans der Wave-Gotik-Szene aus aller Welt in die Messestadt. Dieses Mal gab es eine «Schwarze Messe» sogar in einem Konzert mit Kammermusik.

Leipzig (dpa/sn) - Das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig entwickelt sich immer mehr zum Kunstfestival. Zumindest haben die meisten der Gäste aus aller Welt das opulente Kulturprogramm des Spektakels mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und Führungen reichlich genutzt, sagte Festivalsprecher Cornelius Brach am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Am Abend stand in der Alten Börse ein Konzert mit passenden kammermusikalischen Stücken wie Alexander Skrjabins Klaviersonate Nr. 9 auf dem Programm. Sie trägt den Beinamen «Schwarze Messe». Auch der Bach-Choral «Jesus Christus unser Heiland» soll zu hören sein. Er hat im Bachwerkeverzeichnis die für die Schwarze Szene wichtige Zahl 666.

Nach Angaben von Brach kamen diesmal rund 21 000 Fans zum Wave-Gotik- Treffen in die Messestadt. Etwa ein Viertel der Besucher reise aus dem Ausland an, selbst aus Japan und Mexiko. Aber vor allem aus Ländern, wo die Schwarze Szene sehr klein sei, gebe es ein riesiges Interesse an Leipzig. Und auch die Einwohner der Stadt hätten sich auf die Festivalbesucher eingestellt. Zum Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park seien etwa 10 000 Besucher gekommen und auch viele Leipziger hätten sich in historische Gewänder gehüllt. Das Picknick bringt jedes Jahr Festivalbesucher und Einwohner der Stadt zusammen.

«Schwarz dominiert, aber wir haben auch wunderschöne opulente barocke Kostüme», sagte Brach. Schwarz sei kein Dogma, selbst weiße Kleidung werde akzeptiert. Die Szene sehe das gelassen. «Alles ist friedlich, alles ist entspannt», zog der Festivalsprecher wenige Stunden vor dem Finale sein Fazit. Am Abend sollte es noch einige Konzerte geben. Zudem waren bis zum Morgengrauen Partys angesagt. Insgesamt traten bei dem Treffen 200 Bands und Solokünstler auf. Aber auch ein Nischenprogramm wie der «Stricknachmittag für Schwarz-Romantiker» fand sein Publikum. Hier zeigen ältere Damen Handarbeitstechniken, denn in der Schwarzen Szene wird gern selbst geschneidert.

Seit 1992 trifft sich die Szene beim Musik- und Kulturfestival in Leipzig. Damals war es mit gerade einmal 2000 Teilnehmern gestartet. Nach anfänglicher Skepsis hat es sich fest etabliert. Auf die gestylten «Schwarzen», die über Pfingsten Cafés und Straßen der Stadt bevölkern, haben sich die Leipziger Bürger, Händler und Tourismusmanager längst eingestellt. Nach Angaben der Veranstalter ist es europaweit die größte Veranstaltung der Art.

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