A-ha in Leipzig: Zwischen Barhocker und Pathos

A-ha spielte am Samstag in der ausverkauften Arena in Leipzig: Das Publikum war deutlich freudig entspannter als Sänger Morten Harket. Aber auch er fand sein Lächeln wieder.

Leipzig.

Leipzig. Manchmal möchte man diesen Mann bei den Schultern nehmen, ein bisschen schütteln und sagen: Mensch Morten, lass locker! Guck doch mal ins Publikum! Die Arena Leipzig an diesem Samstagabend: ausverkauft! Und die Leute haben schon getobt, als du mit deiner Band A-ha nur auf die Bühne getreten bist! Sie strahlen, während du singst, und applaudieren frenetisch nach jedem Song! Aber beim Singen hat Morten die Augen oft geschlossen, noch öfter schaut er links zu den Tontechnikern am Bühnenrand. Gibt ihnen Zeichen. Geht, wenn er nicht singt, zu ihnen. Redet mit ihnen, gestikuliert. Boah, ist der Mann angespannt. Aber von vorn.

A-ha, die norwegische Popband, Superstars in den 80ern, ist nach Pausen, Trennungen, Wiedervereinigungen gerade wieder zusammen und auf Tour. Und zwar unplugged, das heißt, sie präsentiert eine Auswahl ihrer Lieder im Großen und Ganzen ohne elektronische Instrumente und daher in neuen Arrangements. Sie haben dabei aus vielen ihrer Songs das Tempo herausgenommen und lassen sie insbesondere von Streichern begleiten.

Sänger Morten Harket setzt sich auf der Bühne auf einen Barhocker, gerahmt von Magne Furuholmen (Klavier bis Querflöte) und Pål Waaktaar-Savoy (Gitarre), im Hintergrund Begleitband und Streicher. Das ist kein Konzert, wo das Publikum gedrängt vor der Bühne steht, es nimmt auf Stühlen Platz. Alles eine Nummer zurückgenommen. Der Applaus ist es nicht - Leipzig liegt A-ha zu Füßen. Und ist diszipliniert: Vor dem Konzert verkündet eine Stimme, dass sich die Band freuen würde, wenn die Handys in den Taschen blieben - man wolle ein Konzert für Menschen, nicht für Telefone geben. Tatsächlich, die meisten Besucher halten sich dran. Es sind begeisterte Gesichter zu sehen statt Augen, die auf Displays hochgereckter, filmender Smartphones starren.
"I've Been Losing You", "Summer Moved On", "Hunting High And Low", "Forever Not Yours" - A-ha spielt viele bekannte Songs, zu Beginn auch den neuen "This Is Our Home", eine ohrwurmige Ballade, wie so oft bei A-ha mit Energie statt Gewinsel versetzt. Morten Harkets Stimme klingt oft immer noch perfekt, es gibt aber auch Momente, da erscheint sie leicht belegt, da trifft er nicht den richtigen Ton, da scheut er eine hohe Tonlage.

Es sind aber seltene Momente. Vielmehr darf man über die Kraft dieser Stimme immer noch staunen. Und über diesen offensichtlichen Perfektionismus. Während Magne Furuholmen zum Publikum plaudert, verschwindet Morten Harket zu den Tontechnikern oder wirkt auf seinem Barhocker äußerst konzentriert in sich gekehrt. Erst etwa in der Mitte des Konzerts, bei "Stay On These Roads", geht er vor bis an den Bühnenrand und knallt die Töne raus - sofort tobt das Publikum. Aber Morten Harket zieht sich auch gleich wieder auf seinen Barhocker zurück.

Manche meinen, dass die Streicher den Songs zu viel Pathos und Schwere geben. Das stimmt zum Teil. Auf die ein oder andere Streicherbegleitung zu verzichten, würde mehr Vielfalt bringen. Aber es lassen sich in den neuen Arrangements auch jetzt schon schöne Klangteppiche entdecken, wie der mitnehmend stampfende Refrain von "Manhattan Skyline". Zum Ende des Konzerts hin, nach etwa eineinhalb Stunden, legt A-ha beim Tempo zu, "The Sun Always Shines On T.V." reißt das Publikum von den Stühlen. Und endlich: Morten lächelt! Jetzt erzählt er auch noch ein bisschen von früher. Und nach mehreren Zugaben spielen sie ihren Megahit "Take On Me". Die neue Version wird oft als zu langsam kritisiert. Man kann es auch so sehen: Es ist ein fast neues Lied geworden, eine Ballade - das Publikum in Leipzig hat wunderbar leise mitgesungen. Beim Schlussapplaus ist Morten Harket schließlich so locker, dass er sich über die Sicherheitsabsperrung hinweg Papier und Stift eines Fans hoch reichen lässt und kniend ein Autogramm gibt. Geht doch!

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