Alles andere als kalter Kaffee

Zum Kinderbuch "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" gibt es jetzt auch eine Oper. Die Uraufführung am Samstag in Chemnitz war ein voller Erfolg.

Chemnitz.

Wie funktioniert Oper? Wie bringt man sie einem Publikum im Kindesalter nahe, ohne es bei aller Zugänglichkeit der Musik gleich durch schwer verständliche Handlung abzuschrecken?

Die Chemnitzer Bühnen haben am Samstag gezeigt, wie man's macht: Die Uraufführung der Oper "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" der Österreicher Oliver Ostermann (Musik) und Alexander Kuchinka (Libretto) nach dem gleichnamigen DDR-Kinderbuchklassiker von Hannes Hüttner und Illustrator Gerhard Lahr hat das Publikum im ausverkauften Chemnitzer Opernhaus begeistert quittiert. Nicht nur zum Schluss: Immer wieder gab es in den zwei Stunden auch Szenenapplaus für das von dem Duo auch dirigierte und inszenierte Werk.

Von dem darf man feststellen: Besser kann man das nicht machen. An der temporeichen Geschichte um Oma Eierschecke (Dagmar Schellenberger), Emilia Zahnlücke (Marie Hänsel) und Tierparkdirektor Futtersack (Reto Rosin) die im Laufe eines Tages Hilfe der Feuerwehr brauchen und so Löschmeister Wasserhose (Matthias Winter), den verfressenen Wachtmeister Meier (Florian Sievers) und deren Mannen Mal um Mal von ihrer Kaffeepause abhalten, stimmt einfach alles. Alexia Redl hat die Oper bunt, liebe- und fantasievoll ins Bild gesetzt. Die Charaktere sind so überzeugend wie liebenswert, die Interaktion der zwei Feuerwehrleute steter Quell für Situationskomik. Anders als im Buch sind die Oma, das kleine Mädchen und der Zoodirektor miteinander bekannt. Das schafft Raum für Nebenthemen. So möchte Emilia gern Tierpflegerin werden, und die zwei Erwachsenen im vorgerückten Alter hegen zarte Gefühle füreinander. Genial die Idee, das Telefon ("Brrimm, brrimm, brrimm!"), über das die Notrufe einlaufen, mit einer Sängerin zu besetzen. Sylvia Schramm-Heilfort wertet den unerbittlich-emotionslosen Apparat mit Hörer auf dem behelmten Kopf und Wählscheibe vor der Brust zur Paraderolle auf.

Jeden Takt der Oper merkt man: Deren Schöpfer nehmen ihr Publikum ernst. Kuchinka würzt die turbulente Handlung mit passenden Details und Pointen. Ostermann hat eine zugängliche, aber nie unterfordernde Musik dazu komponiert, die, vom Grundton romantisch, mit Einsprengseln von Strauß, Offenbach, Musical und Filmmusik alter Schule aufwartet. Die Robert-Schumann-Philharmonie setzt sie mit Lust um. Mit ebenso viel sichtlicher Freude und Präsenz agieren die Solisten. Das klingt frisch, hat je nach Situation und handelnden Personen Wiedererkennungswert und entlässt den Hörer mit einer Handvoll Ohrwürmern. Und mit Erinnerungen an starke Bilder, wenn etwa Kinder- und Jugendchor nebst Mitgliedern der Opernballettschule aus sich, einer Gummileiter und vier sich an Stangen drehenden Rädern ein rollendes Feuerwehrauto simulieren.

Eine Kinderoper? Ja, das auch. Aber man bedenke: Dass die ersten die Vorlage gelesen haben, ist auch schon 50 Jahre her. Insofern besser: Eine Oper für die ganze Familie, in der jedes Alter etwas für sich findet, und sei es nur angedeutet. Insofern ist sie alles andere als kalter Kaffee.

Nächste Vorstellung mit nennenswertem Kartenangebot am 10. Januar 2020, 18 Uhr. www.theater-chemnitz.de

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