Bei den Großeltern im Vogtland

Das Sinfonieorchester des Theaters Plauen-Zwickau will "Clara Schumann" heißen - dabei trägt bereits die Philharmonie Chemnitz den Namen "Robert Schumann". Wie kommt man auf die Idee?

Plauen/Zwickau.

Was hat die Pianistin und Komponistin Clara Schumann mit Plauen zu tun? Diese Frage stellten sich unlängst auch einige Vertreter des Kulturausschusses der Vogtlandmetropole, als sie von dem Plan erfuhren, das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau in Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau" umzubenennen.

"Eigentlich suchen wir nach einem zugkräftigen Namen für das Orchester seit ich hier Intendant bin", erklärt Theaterchef Roland May dazu. Das ist er seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist Marketing und Markenbildung auch für Kultureinrichtungen in kommunaler Hand immer wichtiger geworden. Und Generalmusikdirektor Leo Siberski will mit der Umbenennung, die aus der Mitte des Orchesters selbst vorgeschlagen worden sei, auch "die Musikerin ehren, die bereits vor mehr als 150 Jahren ein so selbstbestimmtes Künstlerinnenleben geführt" habe, dass es "noch heute in jeder Hinsicht modern" zu nennen sei. Ein passender Akt also im Jahr des 200. Geburtstages.

Überdies, argumentieren nun die Befürworter der Umtaufe, sei Clara Schumann durch ihre Verbindungen nach Plauen wie auch Zwickau praktisch ein Bindeglied zwischen diesen Städten - und damit den Teilen eines fusionierten Theaters, das in jeder Kommune immer noch als jeweils "ihr" Haus gesehen wird.

Als Gattin des Komponisten und gebürtigen Zwickauers Robert Schumann hat die Stadt die gebürtige Leipzigerin Clara seit mindestens 170 Jahren quasi adoptiert, zumal sie mehrfach Gast in der Muldestadt war und dort auch auftrat. Aber Plauen? Um das Wohlwollen für die Umbenennung wachsen zu lassen, haben Siberski und May dem Plauener Kulturausschuss das Thema diese Woche nahegebracht, denn Plauen hat an Clara Schumann eigentlich sogar ältere Rechte als Zwickau: Bereits als Vierjährige verbrachte sie mit ihrer Mutter Marianne Wieck, geborene Tromlitz, ab April 1824 ein halbes Jahr bei den Großeltern mütterlicherseits in der Vogtlandstadt: Claras Mutter hatte sich zuvor von ihrem Mann Friedrich Wieck, Claras Vater, getrennt. Im September desselben Jahres musste das Kind nach damaligem sächsischen Recht zurück zum Vater nach Leipzig, im Mai 1825 wurde die Ehe geschieden.

Zum 200. Geburtstag Clara Schumanns vor einer Woche wurde daher an der Plauener Johanniskirche eine Gedenkplakette angebracht: Der Großvater Claras, Georg Christian Gotthold Tromlitz, wirkte dort von 1765 bis 1825 als Kantor.

Wie die Umbenennung des Orchesters zu vollziehen ist, darüber will sich am heutigen Freitag der Aufsichtsrat des Theaters Plauen-Zwickau verständigen, der nach den Kommunalwahlen im Mai erstmals zusammentritt. Nach Ansicht von May wie auch Theater-Geschäftsführerin Sandra Kaiser handelt es sich dabei um keine so gravierende Entscheidung, als dass sie der Zustimmung der Stadträte bedürfte. Dennoch sei man am Wohlwollen der Abgeordneten interessiert.

Und wie reagiert Chemnitz? Die an der dortigen Oper ansässige Philharmonie heißt seit über 35 Jahren "Robert Schumann" - worauf man stolz ist, zumal es in der DDR unüblich war, Orchestern so klingende Namen zu geben. Christoph Dittrich, der Chemnitzer Generalintendant, gibt sich gelassen: "Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo und ich sind seit kurzem über die Bestrebungen informiert", sagt er: "Das Orchester in Chemnitz genießt als renommierter Klangkörper seit vielen Jahren sowohl regional als auch überregional ein hohes Ansehen. Aus diesem Grund haben wir keine Sorge, dass bei ähnlichen Namen eine Konkurrenzsituation entsteht. Die Neugestaltung eines Orchesternamens ist ein laufender Prozess, während dessen sich möglicherweise noch andere kluge Marketingideen herauskristallisieren."

Dass die Robert-Schumann-Philharmonie heute in Chemnitz ansässig ist, liegt zudem am Versäumnis der Zwickauer, ihr Orchester nicht rechtzeitig nach dem größten Sohn der Stadt benannt zu haben. Insofern war der Name frei, als ihn 1983 die SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt dem Orchester verpasste, um es zu dessen 150-jährigem Bestehen mit möglichst kulturvollem Namen durch den Westen touren zu lassen.

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