Chris de Burgh in Zwickau: Die "Lady in Red" tanzt noch

Chris de Burgh hat in Zwickau vor vielen leeren Rängen gespielt. Dabei bot der Weltstar zwei Stunden gute Unterhaltung mit seinen Hits und zahlreichen neuen Songs. Ob Solo-Tournee oder Musical - mit fast 70Jahren denkt der Ire nicht ans Aufhören.

Zwickau.

Welthits sind Segen und Fluch zugleich: Jeder Künstler will wenigstens einen Song haben, der länderübergreifend die Hörer begeistert. Doch ist so ein Lied erst einmal da, dann ist es wie eine Narbe, die man nie wieder los wird. Mit dem Lovesong "Lady in Red" schuf Chris de Burgh zweifellos einen Welthit. Das war 1986, in 47 Ländercharts kletterte der Song auf Platz 1.

Die Ballade erzählt von einem Paar auf einer Party. Ihre Beziehung ist angespannt. Sie wird in ihrem roten Kleid umringt von fremden Männern, die mit ihr tanzen wollen. In dieser Situation erkennt der Mann, was für eine begehrenswerte Frau er an seiner Seite hat - ein gesungenes Liebesbekenntnis.

Natürlich bringt Chris de Burgh "Lady in Red" - immer und immer wieder. Seit 30 Jahren ist dieses Lied seine "Narbe". Das Publikum liebt den Schmuse-Song, und wenn der Weltstar dafür dann auch noch von der Bühne ins Publikum geht und seinen Fans ganz nah ist, dann gibt es kaum ein Halten mehr. Und so war die Stimmung in der Zwickauer Freilichtbühne am Samstagabend bestens. Auch wenn nach Veranstalterangaben nur rund 1000 Besucher Chris de Burgh sehen wollten. Das Areal hätte problemlos das Vierfache an Zuschauern fassen können.

In den 80ern war Chris de Burgh musikalisch ganz oben. "Don't Pay the Ferryman", "High on Emotion", "Where Peaceful Waters Flow" und "Sailing Away" sind nur einige Hits, die heute noch fast jeder mitsummen kann. Über 45 Millionen Platten hat der Vater dreier erwachsener Kinder verkauft, zu Hause in seinem Schloss in Irland will er noch nicht herumsitzen. Aktuell ist er in Deutschland auf Solo-Tournee - 21Städte stehen auf dem Plan. Am Sonntag ist Chemnitz dran.

Allein betritt er bei diesen Konzerten die Bühne, wechselt zwischen Gitarre und Piano. "I Can Do What I Want", erklärt er dem Zwickauer Publikum seine Solo-Ambitionen. Er spielt auch viele Songs aus seinen jüngeren Alben - so die Ballade "The Hands of Man" über die Kreativität der Menschheit und deren zugleich zerstörerische Seite. Ein typischer Chris-de-Burgh-Sound: bewegend, kraftvoll, mit Botschaft und doch eines von vielen Liedern, die er ab dem Jahr 2000 veröffentlichte und die irgendwie bei seinen Fans nicht so richtig zünden wollten.

Mitte Oktober feiert Chris de Burgh seinen 70. Geburtstag. Der Ruhestand scheint nicht sein Ding zu sein. Als nächstes wird er die Musik für das Musical "Robin Hood" mitkomponieren, das 2020 in Fulda uraufgeführt werden soll.

"A Better World" heißt sein aktuelles Album, das 2016 auf den Markt kam und viele Songs mit politischer und gesellschaftlicher Botschaft beinhaltet - so auch das Lied "Homeland" - Heimat. Bewegende Zeilen über Krieg, Vertreibung, Flucht und das Finden eines neuen Zuhause. "Wenn ich einen Song schreibe, dann habe ich meist einen Film im Kopf, den ich erzähle", beschreibt Chris de Burgh seine Kreativität. Schade, diesen Titel sang er in Zwickau nicht. Überhaupt kam das aktuelle Album nur mit einem Lied dran - der "Shipboard Romance" über eine Liebe auf See.

Chris de Burgh ist einer von vielen Stars, die scheinbar nicht aufhören können. Er unterhält sein Publikum, gibt Komplimente zurück und die Fans verzeihen ihm, dass er vor allem die für ihn typischen hohen Töne nicht mehr erreicht. In tieferen Lagen beeindruckt seine kraftvolle Stimme noch immer.

Chemnitz ist am Sonntag die vorletzte Station seiner aktuellen Tournee. Wenn im romantischen Ambiente des Wasserschlosses der Ire seine gefühlvollen Balladen singt, dann steigt der Kuschelfaktor in jedem Fall. Die Liebe als einzige Festung im Leben, das hat er mehrfach besungen und gelebt: Seit 40 Jahren ist er glücklich verheiratet - und seine Ehefrau war nicht die Inspiration zu "Lady in Red".

Chris de Burgh ist am Sonntag, 19 Uhr solo im Chemnitzer Wasserschloss Klaffenbach, Wasserschlossweg 6, zu erleben. Tickets gibt es in allen Freie-Presse-Shops ab 56,75 Euro.

meinticket.freiepresse.de

 

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