Der König der Beatniks

Vor 50 Jahren starb Jack Kerouac. Mit seinem Kultroman "On The Road" ging er neue Pfade und bahnte den Hippies den Weg.

Die Papierrolle, auf die er 1951 in nur drei Wochen den Roman "On The Road" getippt hatte, wurde 2001 bei Christie's versteigert. Damit er nicht dauernd neue Seiten in seine Underwood-Schreibmaschine schieben musste, hatte Jack Kerouac einzelne Papierbögen zu einer 40 Meter langen Rolle zusammengeklebt. So konnte er ohne Unterbrechungen schreiben. Wie im Rausch. Und so erklärt sich ein Stück weit auch sein rast- und atemloser Stil. Bei der Versteigerung in New York kaufte Multimillionär Jim Irsay, Besitzer des Footballteams der Indianapolis Colts, die Manuskriptrolle. Er bezahlte dafür den stolzen Preis von 2.426.000 Dollar. Mehr Geld als Kerouac in seinem ganzen Leben mit seinen Büchern verdient hatte.

Das allein sagt einiges über das Leben dieses Schriftstellers. Mit seinen Freunden William S. Burroughs und Allen Ginsberg bildet er das Dreigestirn der Beat Generation, jener Schriftsteller, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika einen Neuanfang wollten. Beeinflusst von den Existenzialisten, die sie in ihrer Jugend bewundert hatten, wollten sie mit spontanen, umgangssprachlichen Texten die US- Literatur aufmischen, ein alternatives Leben führen. Ohne Arbeit. Immer unterwegs. Moralvorstellungen unterwandern. Das Bewusstsein durch Drogen erweitern und so Geschichte schreiben. Grenzen erkannten sie nicht an und ebneten so mit ihrem Lebensstil der Hippiebewegung in den 60er-Jahren den Weg.

Als sie selbst dann erfolgreich waren, fraßen Ruhm und Drogen sie auf. So wie Jack Kerouac, der vor 50 Jahren, am 21. Oktober 1969, in Saint Petersburg in Florida als körperliches Wrack starb. In seinen letzten Lebensjahren lebte er, zweimal geschieden, mit seiner dritten Ehefrau Stella wieder bei seiner Mutter. Mehrmals wechselten sie die Wohnorte, als seien sie auf der Flucht. Er war schwerer Alkoholiker. Soll man sagen, dass er mit der Bürde des "King of the Beats" nicht zurechtkam, die ihm die Medien aufdrängten? Oder soll man eher sagen, er kam mit dem Leben nicht zurecht? Wer Kerouacs "On The Road" liest, staunt, wie brav dieser Text geschrieben ist. Heute ließe sich damit niemand mehr schocken. Als Kind frankokanadischer Einwanderer 1922 in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts geboren, verliert Kerouac im Alter von vier Jahren seinen Bruder Gérard. In "Visions Of Gerard" wird er 1963 dieses Trauma verarbeiten. Weil er sportlich ist, erhält er 1940 ein Stipendium an der Columbia University in New York, wo er Ginsberg und Burroughs kennenlernt. Die Uni aber ist seine Sache nicht. Darum geht er 1943 zur Marine. Dort wird er ein Jahr später als "paranoid-schizophren" entlassen. Weil er über den Mord seines Kumpels Lucien Carr an dessen schwulem Verehrer David Kammerer lieber ein Buch mit Burroughs schreibt ("Und die Nilpferde kochten in ihren Becken"), als die Tat der Polizei zu melden, muss Kerouac wegen Mitwisserschaft ins Gefängnis. Noch in Haft heiratet er Edie Parker, weil deren Eltern die Kaution stellen. Die Ehe hält zwei Monate.

Zwischen 1947 und 1950 fährt Kerouac mit seinem Freund Neal Cassady kreuz und quer durch Amerika. 1950 erscheint sein erster Roman "The Town And The City". Ein Jahr später schreibt er "On The Road", das Buch, das erst 1957 einen Verleger findet, aber sein größter Erfolg wird. Ein paar Jahre kann er von seiner Schriftstellerei leben. Dann aber ignoriert ihn die Kritik zunehmend. Ginsberg und Burroughs sind unterwegs. Kerouac fühlt sich einsam, flieht in den Alkohol. Dass andauernd Fans ihn anhauen und mit ihm einen trinken wollen, macht die Sache nicht besser. Wie ein Verrückter schreibt er ein Buch nach dem anderen. "The Subterraneans" (1958), "Doctor Sax" (1959), "Tristessa" und "Lonesome Traveller" (beide 1960) und, und, und. Keines wiederholt den Erfolg von "On The Road", das mehrmals verfilmt wird.

Das mag mit ein Grund sein, warum Kerouac heute ein Kultautor ist. Mehr Mythos als Mensch verkörpert er das jugendliche Streben nach Freiheit, das an sich selbst und an der Gesellschaft scheitert.

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