Die Alben des Jahres - Platz 10

Foals: "Everything Not Saved Will Be Lost"

Vier Jahre, eine immense Welttournee und viele Headliner-Festival-Shows seit der Veröffentlichung von "What Went Down" waren vergangen, als die Foals 2019 mit dem bombastischen Konzeptwerk "Everything Not Saved Will Be Lost" überraschten: Noch vor 14 Jahren waren sie schüchterne Oxford-Studenten, die verfrickelte Klänge aus ihren Instrumenten kitzelten - mittlerweile erschaffen sie komplex arrangierte Klangwelten zwischen Indie, Funk und Rock. Die Proben für das neue Album erweisen sich als reicher Quell: Keinen der 20 Songs wollten die Engländer verwerfen. Stattdessen entschieden sie sich, die Platte zweizuteilen - "Pt. 1" erschien im März, "Pt. 2" im Oktober. Das riecht nach Überambition, hebt letztlich aber nur die Stärken der Indie-Math-Rocker weiter hervor. Bindeglied sind die apokalyptischen Texte von Frontmann Yannis Philippakis, die die Dringlichkeit und Verzweiflung der prekären Weltsituation und die Dynamiken ihres Transformationsprozesses verdeutlichen.

Auf dem ersten Teil leben die Foals dabei ihre elektronische Seite aus. Allein der Opener "Exists" zieht mit seinen griechischen Gitarren alle Aufmerksamkeit auf sich und ergießt sich in sechs Minuten zwischen sanftem Gesang, feinen Melodien und vielen Klangeffekten. "On The Luna" könnte dagegen mit seinen 80er-Klängen aus dem Soundtrack zu "Stranger Things" stammen. Während Philippakis' Gesang sich auf die feinen Melodien stützt, wechselt dies auf dem zweiten Teil, in dem die rockigeren Elemente dominieren. Sein markantes Stakkato-Gitarrenspiel und die kratzige Stimme harmonieren mit der spielerischen Eleganz von Gitarrist Jimmy Smith und dem trickreichen Drumming Jack Bevans. Die beiden aufeinanderfolgenden Songs, das wirbelnde "Wash Off" und das langsam pulsierende "Black Bull", treiben die Spannung ans Limit. Trotz der Unterschiedlichkeit stehen beide Teile harmonisch nebeneinander und zeigen, dass die Foals ihre geniale Kreativität gemeinsam so bündeln können, dass die sie sowohl in rockige Led-Zeppelin-artige Weiten trägt als auch in die Synthesizer-Welt, von der sich die Editors noch Inspiration holen können.

Die Alben des Jahres sind von den Musikkritikern der "Freien Presse" ausgewählt.

freiepresse.de/alben2019

 

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