Die Sehnsucht nach dem Licht

Paul Hoorn und Freunde hatten mit ihrem neuen weihnachtlichen Liederprogramm "Und die Finsternis hat's nicht begriffen..." Premiere im Societaetstheater Dresden. Und das wirkt nach.

Dresden.

Wer nicht eher als Mitte des letzten Jahrhunderts geboren wurde, der ist hier in deutschen Landen mit dem Seufzer aufgewachsen, Weihnachten werde immer kommerzieller und verliere jeden guten Sinn. Und nach ein paar Jahren jugendlichen Augenrollens stellt man fest: Stimmt! Jedes Jahr wieder, Jahrzehnt um Jahrzehnt. Als gut reflektierender Erwachsener hat man sogleich mit eigenem Sinn oder zumindest doch mit fest umrissener Freude gegengesteuert.

Die Vorstellung im Societaetstheater Dresden beginnt, die Lichter bleiben aus. Die Irritation darüber währt kaum einen Moment, dann nimmt das Publikum die theatralische Geste an und folgt dem Gespräch zwischen Paul Hoorn, Karolina Petrova und Matthias Manz. Folgt ihren Stimmen im dunklen Raum, die schließlich zu singen beginnen, bevor es dann doch wieder hell wird.

Da hat der Liederabend kaum angefangen, da weiß man es schon: Auch diesmal wirkt Paul Hoorns legendäre Magie, die noch niemand recht erklären konnte. Die einfach da ist und wirkt und wirkt und uns, dem Publikum, tatsächlich das Weihnachtliche zurückbringt. Von Rio Reisers "Irrlicht" über Leonard Cohens "You Want it Darker" bis "O Heiland reiß die Himmel auf" von Friedrich Spee und Avrom Sutskevers "Unter dajne wajsse Schtern", das nach 1933 im Wilnaer Ghetto geschrieben wurde, verbindet die Lieder bei aller Unterschiedlichkeit die Sehnsucht nach Licht in düsterer Zeit. Kein Hoffnungskitsch, sondern Kunst als Notwendiges für das Leben, als vielleicht einziger Überlebensgarant.

Mezzosopranistin Karolina Petrova, die auch eine hervorragende Schauspielerin ist und in Dresden unvergessen bleibt mit Pascale Rozes "Tolstoi in der Nacht", und der hinreißend eigenwillige Matthias Manz verbinden sich mit Paul Hoorns seltsam eindringlichem Duktus zu einer künstlerischen Suche nach dem Menschlichen - ganz ohne Pathos, ganz einfach perfekt.

Nächste Termine: 15. Dezember, 15.30 Uhr, 16., 17. und 18. Dezember jeweils 20 Uhr im Societaetstheater Dresden An der Dreikönigskirche 1a. Kartentelefon: 0351 8036810. www.societaetstheater.de

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