Dr. Swing gibt musikalische Sprechstunde

Bei den 16. Internationalen Jazztagen in Bad Elster gibt es von Big Bands bis zu lyrischen Klängen vieles zu hören. Den Auftakt machten Tom Gaebel und Orchester vor einem begeisterten Publikum.

Bad Elster.

Ein Wochenende lang dominierten Jazzklänge die Musik im königlich-chursächsischen Kurort Bad Elster. Unter anderem mit dem fantastischen Jugend-Jazzorchester Sachsen, den Ungarn Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt sowie dem tschechischen Pianisten Radim Vojír. Den Auftakt aber machte am Freitagabend eine der renommiertesten Big Bands Deutschlands, Tom Gaebel & his Orchestra.

Gaebel, 1975 in Gelsenkirchen geboren, ist nicht nur ein begnadeter Orchesterleiter und Musiker, sondern auch ein hervorragender Entertainer. Von seinen Fans respektvoll Dr. Swing genannt, hielt er eine äußerst unterhaltsame musikalische Sprechstunde auf der schön gelegenen, aber etwas brachial in der Landschaft überdachten Naturbühne in Bad Elster. Und schätzungsweise 400 Gäste sangen, pfiffen und klatschten begeistert mit.

Tom Gaebel und sein Orchester spielen mit der klassischen Perfektion und Eleganz eines Oldtimers aus den 1950er Jahren, dem man einen modernen Hybrid-Motor verpasst hat. Ganz gleich, ob er Klassiker wie "Wonderful World" von Sam Cooke und, seine Glanzstücke, von Frank Sinatra, oder aber eigenen Kompositionen singt und spielt: Der Sound glitzert und funkelt wie die Sterne, die Gaebel besingt. Soli sind effektvoll gesetzt, der Meister singt ausdrucksstark und klar - manchmal ist das alles vielleicht ein bisschen zu schön und glatt, etwa bei dem Klassiker "Ol' Man River" aus dem Musical "Show Boat", von dem es neben der bekannten Frank-Sinatra-Version, auf die sich Tom Gaebel beruft, auch eine wunderbare Interpretation von Paul Robeson gibt, für den das Lied des schwarzen Schiffsheizers Joe ursprünglich geschrieben wurde.

Die Musik macht aber nur einen Teil der Unterhaltungskunst des Tom Gaebel aus. Seine Fans lieben genauso den Humor seiner Ansagen, die Selbstironie nicht aussparen. Sein Orchester beschreibt er humorvoll als "Mischung aus Chippendales und James Bond" - für die Rolle des Letzteren wiederum habe er sich 2006 selbst beworben, aber "es wurde ein großer Fehler gemacht, Daniel Craig wurde der nächste James Bond".

Gaebel hält sich dafür mit Songs schadlos, die sich als Titelmelodie für Bond-Filme eignen würden. Er zelebriert ein lustiges Wett-Trommeln mit dem Schlagzeuger seiner Band und spielt das seltene, aber berühmte Instrument Theremin, das erste elektronische Musikinstrument der Welt, das der Russe Lew Termen, der sich in den USA Leon Theremin nannte, 1920 erfand. Das Instrument wird berührungslos gespielt, für den Klang sorgen elektromagnetische Felder. Termen lebte einige Zeit in den USA, kam aber 1928 unter ungeklärten Umständen in die Sowjetunion zurück, wurde verhaftet, erfand aber später die ersten Abhörwanzen für den Geheimdienst KGB. Das Theremin begeisterte unter anderem den Amerikaner Robert Moog, regte ihn mit zur Erfindung des Synthesizers an.

Ganz so weit geht Tom Gaebel mit seinen Erklärungen nicht, begeistert stattdessen das Publikum in der kühlen Sommernacht mit Bossa Nova und manchmal sogar etwas rockigen Klängen, immer unter dem Motto "A Perfect Day", wie seine neue Platte heißt.

Ein perfekter Abend und Auftakt für die Jazztage in Bad Elster war es allemal. Es gab sehr viel Applaus, und am Ende hallte es lautstark durch den Wald "I Did It My Way", bevor Tiere und Menschen schlafen gingen.

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