Ein Buch, das niemand lesen kann

Ob nun gerade Buchmesse ist wie zurzeit oder nicht: Bücher prägen den Alltag vieler Menschen - und sind auch für jede Menge Kuriositäten und Superlative gut. Ein Überblick.

Das Außergewöhnliche: Das Voynich-Manuskript ist wohl eines der außergewöhnlichsten Bücher überhaupt. Geschrieben wurde es im Mittelalter. Vielleicht. Mit Bestimmtheit kann das niemand sagen, denn bis heute entzieht sich das geheimnisvolle handgeschriebene Werk, das keinen Titel und keinen Autorenvermerk trägt, einer exakten Datierung. Lesen kann man es ohnehin nicht, denn die seltsamen Zeichen, in denen es geschrieben ist, gleichen keiner bekannten Schrift. Nicht nur beim Datieren, sondern auch beim Entschlüsseln des Inhalts beißen sich die Experten in aller Welt bis heute die Zähne aus. Wilfrid Michael Voynich, nach dem das Buch heute benannt ist, hat es eigenen Angaben zufolge 1912 in der Villa Mondragone entdeckt, einem Jesuitenkolleg im italienischen Frascati. Manche Forscher gehen davon aus, dass der Büchersammler und Bibliothekar Voynich das mysteriöse Manuskript selbst verfasst hat. Doch beweisen lässt sich diese Theorie bisher nicht. Seit 1969 befindet sich das interessante Werk im Bestand der Beinecke Rare-Book-and-Manuscript-Library der Yale-Universität in New Haven, Connecticut, einer der weltweit größten Bibliotheken dieser Art.

Die Menge: Geht es nach der reinen Menge des Buchbestandes, ist die British Library in London mit 170 Millionen Medien (laut eigenen Angaben) die größte Bibliothek der Welt. Zum Vergleich: Die größte deutsche Bibliothek, die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt am Main, beherbergt eigenen Angaben zufolge über 36 Millionen Exemplare. Aber gerade bei Büchern kommt es ja nicht so sehr auf die reine Menge, sondern viel mehr auf den Inhalt an.

Die Leihfrist: Manchmal ist dieser Inhalt derart faszinierend, dass man glatt vergisst, ein ausgeliehenes Buch wieder zurückzugeben. Der Rekord in Sachen Buchausleihe geht wieder nach England. 1956 brachte dort Professor Sir John Plumb ein Buch über den Erzbischof von Bremen zurück, das das britische Sidney-Sussex-College ganze 288 Jahre lang ausgeliehen hatte, und schaffte es mit dieser Spitzenleistung ins Guiness-Buch. Überzugsgebühren musste er allerdings nicht bezahlen, was wohl auch ein bisschen teuer geworden wäre.

Der Preis: Apropos teuer: Das teuerste jemals versteigerte Buch ist der Codex Leicester, eine gebundene Sammlung von Blättern, die aus der Feder keines Geringeren als Leonardo da Vinci stammt und Zeichnungen, Notizen und wissenschaftliche Abhandlungen enthält. 1994 ersteigerte Microsoft-Gründer Bill Gates das Werk für 30,8 Millionen US-Dollar. Übertroffen wird das noch von dem Versicherungswert der Großen Heidelberger Liederhandschrift, des sogenannten Codex Manesse, der mit über 50 Millionen Euro für eine Ausstellung im Jahr 2006 versichert wurde.

Der Comic: Ebenso wie diese beiden jahrhundertealten Werke enthält auch eines neueren Datums viele Bilder: Der teuerste Comic der Welt - Action Comics Heft 1 von 1938, in dem Supermann seinen allerersten Auftritt hat - wechselte im Jahr 2014 für immerhin über 2,9 Millionen Euro den Besitzer. 1938 hatte es einmal 10 Cent gekostet. Wenn das keine Wertsteigerung ist.

Die Auflage: Von einigen Büchern gibt es nur ein einziges Exemplar, und nur wenige haben dieses je zu Gesicht bekommen. Andere Werke wiederum genießen gerade durch ihre massenhafte Verbreitung einen Bestsellerstatus. Bei älteren Büchern lässt sich allerdings nicht immer genau feststellen, wie oft sie denn nun wirklich verkauft oder sogar verschenkt, geschweige denn gelesen wurden. Unerlaubte Raubdrucke sorgen für weitere Unsicherheiten in den Statistiken. Zu den meistverbreiteten Büchern der Welt gehören zweifellos Bibel und Koran, aber auch die als Maobibel bekannten "Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung" sowie Marx' und Engels' "Manifest der Kommunistischen Partei". Experten gehen davon aus, dass Cervantes' "Don Quijote" sich wohl über 500 Millionen Mal verkauft hat, also mehr als doppelt so oft wie Charles Dickens' "Eine Geschichte aus zwei Städten" mit rund 200 Millionen Verkäufen.

Die Qualität: Aber welches ist denn eigentlich nun das beste Buch der Welt? Im Jahr 2002 befragte das Osloer Nobelinstitut darüber 100 Autoren aus 54 Ländern. Die Wahl war eindeutig und fiel auf Cervantes' 400 Jahre alten Klassiker "Don Quijote".

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