Ein ganz und gar nicht gemütlicher Männerabend

Viel Beifall für das Stück "Unsere Frauen" in der Comödie Dresden

Dresden.

Es hätte so schön sein können. Wie immer, wie jede Woche. Im teuren Pariser Loft, aus dessen Fenster man direkt auf den Eiffelturm schaut, liegt das Kartenspiel bereit, der Pizzabote ist bestellt, und Max sowie Paul warten nur noch auf Simon. Männerabend. Doch als der Säumige endlich auftaucht, wird alles eben nicht so wie gewohnt: Simon platzt mit dem Geständnis heraus, dass er gerade seine Frau erwürgt hat.

Mit "Unsere Frauen" hat die Comödie in Dresden nun ein Stück von Eric Assous neu im Spielplan, das zweierlei in einem bietet: humorvolle Zerstreuung und eine nachdenklich stimmende Geschichte, die hinter die Fassaden blicken lässt. Frauen sieht man zwar nicht auf der Bühne, aber so ziemlich alles dreht sich an dem Abend eben doch um sie. Und die Frage: Wie belastbar ist eine Männerfreundschaft, hält sie auch einen Mord aus? Das Premierenpublikum am Freitagabend ließ sich nur allzu gern auf diesen Mix ein und dankte mit jubelndem Applaus - nicht zuletzt, weil man hier drei Schauspieler live erleben kann, die große Popularität aus dem Fernsehen mitbringen.

Seit Jahrzehnten ist Ingolf Lück im Showgeschäft, am meisten bekannt wohl aus der Sat1-"Wochenshow" der 1990er-Jahre. Das mag die Macher der Bühnenproduktion bewogen haben, ihn als Werbemagneten in den Vordergrund zu schieben. Darstellerisch allerdings kann der 58-Jährige mit seinen Kollegen nicht wirklich mithalten. Mit seinem Max, einem Radiologen und ausgemachten Sauberkeitsfanatiker, ist er allzu oft eine Spur drüber und zu nahe an der Karikatur eines bindungsunfähigen Mannes.

Am meisten prägt sich Jochen Horst ("Balko", "Die Stein") als Paul ein. Der Rheumatologe, Mann einer dauerschlafenden Ehefrau und Vater zweier erwachsener Kinder, versucht in den immer heftiger werdenden Debatten um Sex und Alibis, Wahrheit und Lügen, Liebe, Verantwortung und Lebenskonzepte zu vermitteln. Sein von Rückenschmerzen geplagter "Konsensheini" ficht zudem einen unglaublich komischen, sich nie abnutzenden Kampf mit unbequemen Sitzkissen aus. Das ist Slapstick von der feinen Art. Doch auch Paul gerät aus der Fassung, und seine Defizite als Vater kommen ans Licht. Simon, der Dritte im Bunde, hat da seine Aktie dran, aber nicht so, wie es zunächst scheint. Mathias Herrmanns ("Ein Fall für zwei", "Alarm für Cobra 11") Friseur erweist sich letztlich als nicht so kaltblütig, wie geglaubt. Er weiß auf verzweifelt-liebenswerte Weise dem Geschehen mehr als einmal eine Wendung zu geben.

Anfangs trudelt die Inszenierung von Ute Willig noch etwas unentschieden zwischen Unterhaltung und Tiefgang, kommt aber zunehmend in Fahrt und findet einen stimmigen Rhythmus, der die ganze Sache bei reichlich Wortwitz und einer echten Pointe zu einem trefflichen Theatererlebnis macht.

Nächste Aufführungen von "Unsere Frauen" in der Comödie Dresden, Freiberger Str. 39, 21. bis 26. März; die nächste Vorstellungsstaffel beginnt am 7. Juni. Kartentelefon: 0351/866410.

www.comoedie-dresden.de

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