Ein kleines bisschen Weltflucht mit Anna Burch

Der schöne, leise Indie-Folkpop der US-Singer-Songwriterin Anna Burch trägt etwas Verschlafenes oder Einlullendes in sich. Aber kann das so verkehrt sein in diesen seltsamen Zeiten?

Berlin (dpa) - Momentan sind beruhigende oder gepflegt einlullende Alben nicht das schlechteste Mittel gegen immer weiter um sich greifende Corona-Panik. Die junge Singer-Songwriterin Anna Burch aus Detroit hat so eine Platte gemacht.

Und tatsächlich: «If You're Dreaming» (Heavenly/Pias) trägt das Träumerische nicht nur im Titel. Die meisten der zwölf Titel entführen den Hörer mit wunderhübschen Folkrock- und Indiepop-Melodien angenehm in schönere Sphären.

Ein Lied wie «Not So Bad» etwa scheint mit seinem tröstlichen Text, dem nostalgischen Bläser-Arrangement im Stil der Fifties/Sixties und Burchs zärtlichem Zeitlupen-Gesang wie gemacht für ein kleines bisschen Weltflucht - hier lässt die große Carole King grüßen. Auch das akustisch schlichte «Here With You» am Ende der 38-Minuten-Platte ist so eine Aufforderung, sich doch einfach mal wegzubeamen.

Der Opener «Can't Sleep» und das anschließende «Party's Over» (mit dem charmant wiederholten «I'm so tired...») gehen noch einigermaßen grungegitarrenrockig und druckvoll los, im Stil einer Juliana Hatfield in den 90er Jahren oder zuletzt Courtney Barnett. Diese beiden Vorbilder waren auch schon auf Burchs feinem Debüt «Quit The Curse» (2018) herauszuhören.

Mit ihrem neuen, im Heimstudio produzierten Album zeigt diese junge Frau - äußerlich ganz «girl next door» -, dass sie im Grunde eine Balladensängerin ist mit ihrer sanften Intonation und der klugen Begrenzung ihrer nicht allzu kräftigen Stimme. Und Slow-Songs wie «Jacket», «Ask Me To» oder das instrumentale «Keep It Warm» passen eben wie eine wärmende Jacke zu diesen seltsamen Zeiten.

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