Für Wehmut ist noch keine Zeit

Die Puhdys sind auf Abschiedstournee. Und lernen dabei immer noch neue Spielstätten kennen. So wie am Samstag in Zwickau, wo sie erstmals auf der Freilichtbühne aufgetreten sind. Und auch letztmals.

Zwickau.

Alles wie immer. Von "Alt wie ein Baum" über "Geh zu ihr" bis zu "Lebenszeit" sind alle Hits dabei. Peter "Eingehängt" Meyer sitzt an seinem Keyboard und erhebt sich zwei Mal. Ein Mal, um Saxophon zu spielen und ein weiteres Mal, um mittels Kopfstimme zu untermauern, dass der alte Holzmeyer noch lebt. Klaus Scharfschwerdt trommelt sich in seinem Schlagzeugsolo die Seele derart aus dem Leib, dass die Lichtshow kaum hinterherkommt. Dieter "Quaster" Hertrampf scheint wie eh und je grimmig zu schauen, wenn er Gitarre spielt und singt, zeigt dann aber im Dialog mit einem Ur-Sachsen im Publikum und bei einigen Gitarrensoli, dass er wie eh und je eigentlich richtig Spaß hat. Peter "Bimbo" Rasym zupft den Bass, Dieter "Maschine" Birr singt und winkt den Massen mit ausgebreiteten Armen zu. Wie er es seit Jahrzehnten tut. Alles wie immer also.

Mehr als 4000 Fans sind am Samstagabend zur Freilichtbühne in Zwickau gekommen, um die Puhdys erstmals dort zu sehen. "Quaster" gefällt die Location. "Wie die Junge Garde in Dresden, nur etwas kleiner. Schön hier", sagt er vor dem Soundcheck. Den Leuten gefällt es auch. Zwei Stunden lang wird geklatscht, getanzt, aus voller Kehle mitgesungen und auch gekuschelt. Alles wie immer also, wenn die Puhdys in Sachsen spielen.

Nicht ganz. Denn es ist nicht nur das erste Konzert der Kultrocker auf der Zwickauer Freilichtbühne, es ist auch ihr letztes. Denn die Puhdys sind auf Abschiedstournee. Anfang kommenden Jahres gehen sie in Rockerrente. Nach zwei Konzerten in der O2-Arena Berlin Anfang Januar 2016 ist endgültig Schluss. Eine Musiklegende hört auf. Bis es so weit ist, absolvieren die fünf Herren (Durchschnittsalter 67,8 Jahre) ein Mammutprogramm. Über 100 Konzerte umfasst die Abschiedstournee in diesem Jahr, etwas mehr als die Hälfte haben sie hinter sich. "Da ist zu viel zu tun. Und es bleibt keine Zeit für Wehmut oder Traurigkeit", sagt Peter Meyer. "Aber das holen wir im kommenden Jahr ganz bestimmt nach."

Vorher stehen auch in Sachsen noch ein paar Abschiedskonzerte an. Am kommenden Wochenende sind die Puhdys zwei Mal in der Dresdner Jungen Garde zu erleben, Anfang September in Görlitz, im Dezember in Riesa und Leipzig. Gleich drei schon lange ausverkaufte Konzerte gibt es im November im Freiberger "Tivoli", wo die Band 1969 ihren allerersten Auftritt hatte.

Dort und an allen anderen Auftrittsorten wird alles sein wie immer. Die Fans werden jubeln, dass sie die Puhdys noch einmal live erleben durften. Sie werden in Erinnerungen an die eigene Jugend schwelgen oder sich freuen, dass sie noch rechtzeitig geboren wurden, um die Musiker erleben zu können. Sie werden um Zugaben bitten und mit den "Eisbären" erhört. Und doch wird in den kommenden Monaten etwas anders sein. Nicht nur, weil die Puhdys auf Abschiedstour sind. Sondern auch, weil mit "Das Buch", dem letzten Lied eines jeden Konzertes, eine Hymne gespielt wird, die das Dilemma der heutigen Zeit wie kaum ein zweites Lied beschreibt. "Wollen wir alle froh sein, dass es uns gut geht. Vielen, die unsere Hilfe brauchen, geht es nicht gut", sagt Dieter Birr zum Beginn des Konzertes in Zwickau. Und zum Abschluss singt er über Hass und Gier, mit denen intelligente Wesen ihren Planeten zerstören. Das Lied ist vor mehr als 20 Jahren entstanden. Alles wie immer also. Leider.

Im Chemnitzer Verlag soll demnächst ein Buch über die Puhdys und ihre Beziehung zur Stadt Freiberg erscheinen. Fans, die Erlebnisse mit der Band in Freiberg hatten oder beim ersten Konzert am 19. November 1969 im Freiberger "Tivoli" dabei waren, können an der Entstehung des Buches mitwirken. Kontakt: puhdys-buch-freiberg@web.de

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    pascha65
    24.08.2015

    Großer Fehler, die Puhdys spielten bereits bei ihrer 1. Abschiedstournee 1989, der "Good Bye Tour" im August mit den Lords auf der Freilichtbühne am Schwanenteich.



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