Hanswurst grätscht in Theaterklassiker

Das Chemnitzer Figurentheater lässt mit "Kasper rettet Hamlet" Welten aufeinanderprallen und interpretiert Shakespeare ganz neu.

Chemnitz.

Eigentlich will der Kasper ja nur Hot Dogs schmausen. Dafür reist er mitsamt seiner Zipfelmütze und der Großmutter nach Dänemark. Dort findet er jedoch nicht die erhofften Fressorgien vor, sondern rutscht auf Schloss Helsingör in die Handlung von Shakespeares "Hamlet". Im Stück "Kasper rettet Hamlet", das am Samstag im Chemnitzer Figurentheater Premiere feierte, kollidieren Theaterwelten. Der Hanswurst erobert sich die Theaterbühne zurück und grätscht mitsamt Schlagholz und allerhand anarchischer Energie mitten in eine Geschichte, die zur Oberklasse des "Erwachsenentheaters" gehört und mit der Welt von Kindern nur wenig Berührungspunkte aufweist. Macht aber nichts, die Geschichte wird kurzerhand vereinfacht, die Figuren kinderfreundlich aufbereitet.

So trifft der Kasper auf den stupiden, aber hilfsbereiten Hund des toten Königs, lernt den düsteren Hamlet kennen, verliebt sich in die rot- lockige Ophelia und sieht den Geist von Hamlets Vater als durchscheinendes Monster, das mit verzerrter Stimme spricht.

Mit dem Puppentheaterstück stellt sich der junge Puppenspieler Felix Schiller, der seit Beginn der aktuellen Spielzeit zum festen Ensemble des Chemnitzer Figurentheaters gehört, beim hiesigen Publikum vor. "Kasper rettet Hamlet" brachte er dabei aus Berlin mit, es handelte sich um sein Diplomstück an der Hochschule "Ernst Busch", wo es unter der Regie von Astrid Griesbach entstand. Aufgeführt werden kann es überall, denn die Mini-Puppenbühne ist mobil. Mit einem Beamer werden kleine liebevolle Filmsequenzen und Kulissen an die Wand der Puppenbühne projiziert, davor werden ganz klassische Holzpuppen bewegt. Spannend gestaltet sich das Spiel mit den Spielarten des Theaters allemal, unklar bleibt aber die Zielgruppe der Inszenierung. Freigegeben ist die Adaption für Kinder ab acht Jahren, die wohl noch recht wenig mit der Kerngeschichte und der Figur Hamlet anfangen können, auch wenn die Handlung einfach erklärt und Shakespeares Sprache auf das Zitieren einiger berühmter Zeilen reduziert wird. Um "Sein oder Nichtsein" deklamieren zu können, muss Hamlet eine sprichwörtliche Kopfgeburt durchleben und windet sich mit seinen schweren Gedanken am Boden.

Erwachsenen mit Textkenntnis hingegen bietet das Stück zwar einige Einladungen zum Schmunzeln, auch aufgrund der Lösungsversuche, die der Kasper in die festgefahrene Figurenkonstellation bringt (Ophelia wird nach dem Tod ihres Vaters mit heißer Schokolade von Traurigkeit und Suizid abgehalten), dennoch überwiegt das Kasperle-theater, in dem die Figuren ihre Köpfe auf die Bühnenbegrenzung hauen, um ihre Rede zu bekräftigen.

Das Stück wird morgen um 10 Uhr und am 15. Oktober um 20 Uhr erneut gezeigt. www.theater-chemnitz.de

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