Herman van Veen begeistert in Chemnitz

Vom Älterwerden und Jungbleiben: Der Liedermacher präsentiert sich bei seinem Auftritt mit selbstironischen Sentenzen.

Chemnitz.

Herman van Veen ist ein Spieler, ein Erzähler, ein Musiker, ein Clown - aber vor allem ist er ein Mensch. Ein Mensch, dem nichts Menschliches fremd ist und der andere Menschen mit seinen Liedern bedenkt und beschenkt. Seine Mutter zum Beispiel. Er habe sie mal gefragt, erzählt er: "Was denken Sie? Was kommt nach dem Tod?" "Nach dem Tod? Die Rechnungen." Und all seine Lieder an dem Abend, die von der neuen Platte "Andere Saiten" und die älteren sagen: Wir müssen keine Angst haben vor den Rechnungen, wenn wir unser Leben menschlich gestalten.

Das Drei-Stunden-Konzert am Freitagabend im fast ausverkauften großen Saal der Stadthalle beginnt leise, mit einem holländischen Lied. Das Programm ist internationaler als in anderen Jahren. Die Sprachen wechseln öfter, ein dezenter Hinweis auf die Vielgestaltigkeit der Welt. Herman van Veen gibt seinen Mitmusikern viel Raum für Soli: der Harfenistin und Sängerin Wieke Garcia, der Geigerin Jannemien Cnossen, der Sängerin und Gitarristin Edith Leerkes, dem Bassisten Kees Dijkstra. Nur einer fehlt: 2014 ist Pianist Erik van der Wurff gestorben. Aber er ist doch immer dabei, nun spielt das Instrument eben manchmal ohne ihn, und auf dem Flügel steht eine weiße Rose für den Freund. Bei jedem Konzert. Auch am Freitagabend in Chemnitz.

Es sind Gesten wie diese, die Konzerte mit Herman van Veen zu etwas Besonderem machen. 1945 geboren, ist er seit Jahrzehnten Stammgast auch auf deutschen Konzertbühnen. Sein Publikum ist mit ihm älter geworden. Die aber durchgehalten haben, werden es nicht bereuen, ihm auch weiterhin zuzuhören und zuzuschauen. Es geht oft ums Älterwerden, um Erinnerungen an Kindheits- und Jugenderlebnisse, das Entdecken der eigenen Sexualität, um die Musik selbst. Van Veen singt schöne Versionen von "Mein Flandernland" von Jacques Brel, eine originelle, wenn auch etwas unglücklich ins Deutsche übersetzte Version von Leonhard Cohens "Suzanne", "If I had a hammer". Zwerchfellerschütternd ist seine Opernparodie, dialektisch die Erkenntnis: "Die Musik von Wagner ist besser als sie klingt." Er tanzt mit der Band Walzer, steppt, zieht Grimassen und spart nicht mit Lebensweisheiten: "Glaub, was offenbar ist, Überprüf, was sonnenklar ist, tritt auf, wo Honorar ist."

Er reiht nicht Hit an Hit aneinander, obwohl auch Alfred Jodocus Kwak seinen Platz bekommt, sondern baut ganz bewusst auch Passagen in seine Konzerte ein, die nicht für tosenden Applaus sorgen, die ihm aber musikalisch wichtig sind. Er tritt manchmal scheinbar eher unperfekt auf und schreckt auch vor Kalauern nicht zurück - was ihn nur noch menschlicher, weil auch fehlbar macht.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Freigeist14
    18.11.2019

    Ein grandioser Abend mit 3 Zugaben und Standing Ovation. Eine Sternenstunde ! Herman van Veen ist ,zusammen mit seinem Ensemble , unübertroffen !



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...