Hexer - Von Bach zum Battle

Der ehemaliger Thomaner Franz Martens aus Leipzig hat eine verblüffende Rap-Platte aufgenommen. Dabei hatte er einige prominente Unterstützung.

Leipzig.

Er nennt es "EP", obwohl immerhin elf starke Songs darauf versammelt sind - womit "Metropolis" gut als Debüt-Album durchgehen würde: Franz Martens macht als Rapper Hexer aber nicht auf die in der Szene übliche dicke Hose - die Platte ist ebenso nachdenklich wie in ihrer Tiefe ungewöhnlich.

Der Titel deutet es an: Ähnlich wie der 1927 erschienene Titelfilm zeigt Hexer eine dystopische Gesellschaft nicht aus martialischer, sondern eher reflektierter, philosophisch angehauchter Perspektive. Für einen so jungen Rapper unglaublich klug klingt dieses Erstlingswerk eines Jungen, der zunächst über die Tradition des Thomanerchors mit Musik in Kontakt kam. "Es wird Zeit, dass die ältere Generation der Rapper aktiver wird und mehr Verantwortung übernimmt", sagt Hexer und ergänzt, dass Rap inzwischen immer früher von Jugendlichen konsumiert wird und es auch unausweichlich ist, dass diese sich an den Attitüden ihrer Idole orientieren.

Als Mitglied des Thomanerchors lebte Hexer ab der vierten Klasse im Alumnat, dem Internat des Chors. Dort und kam er ab 2011 in Kontakt mit der Hip-Hop-Kultur: Vor allem Battle-Rap-Turniere im Internet und der deutsche "King of Rap", Kool Savas, hatten es ihm angetan.

Drei Jahre später fing er selber an zu rappen und merkte recht früh, dass gerade die Hooks ihm zu liegen schienen. Das spiegelt sich auch auf "Metropolis" wieder, denn die Refrains klingen epochal und episch wie ein ganzer Chor, dabei wurden sie einfach nur mehrstimmig eingesungen. Kein Wunder, denn er kam ja täglich mit Werken von Bach bis Mendelsohn in Berührung. Jeden Freitag und Samstag führt er als Chormitglied nach wie vor die über die Woche eingeübten Stücke in der Thomaskirche in Leipzig auf.

Auf seiner Platte stellt Hexer dagegen sehr aktuelle Bezüge her, es geht in seinen Texten um Klimaschutz, eigene Identität und sowie Suche und Ausbau eines eigenen politischen Bewusstseins in der heutigen Zeit. "Bin ich Realist oder depressiv?" rappt der 19-Jährige, und dieser Satz ist fast schon die Essenz von "Metropolis": "Wenn man anfängt die Dinge realistisch zu betrachten oder zu untersuchen, sieht man meistens nur das Schlechte, und daher hat der Mensch auch so oft Angst vor Veränderungen", sagt er. Generell versucht der Leipziger sich aus seiner Gesellschaftskritik nicht rauszunehmen oder agiert mit erhobenen Zeigefinger, denn auch er schafft es nicht immer, die Angst vor der Veränderung gehen zu lassen.

Was die eigene Zukunft angeht, ist der Rapper allerdings optimistischer: er möchte gerne seinen Lernprozess in Sachen Musik vorantreiben und eventuell ein Studium an der Medienschule SAE beginnen.

Mit dem Veröffentlichung von "Metropolis" hat er nun eine gute Basis geschaffen und möchte auch weiterhin regelmäßig Musik rausbringen, als nächstes stehen einige Singles und dann auch ein "richtiges" Album an. Dj Eule und der Rapper Cr7z, unter anderem bekannt durch Kollaboration mit Kool Savas, sind die Labelinhaber von Arjuna Records, auf das Hexer mit seinen sozialkritischen Themen sehr gut passt. Auch seine Eltern unterstützen ihn: Hexer's Vater Olaf Martens ist ein prominenter Fotograf, der von 1985 bis 1992 als Kommilitone von Kunst-Stars wie Neo Rauch oder Tim Eitel Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte. "Meine Eltern und viele aus der älteren Generation finden meine Musik gut", erzählt Hexer. Somit bleibt nur zu hoffen, dass seine erste Platte "Metropolis" eine weite Hörerschaft findet - aber angesichts des Talents des jungen Rappers und der Dringlichkeit der angesprochenen Themen dürfte das wohl kein Problem sein.

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