Hip-Hop, Drogen, Bankentürme - Netflix-Serie aus Frankfurt

Glitzernde Skyline, harte Beats, organisiertes Verbrechen - in der neuen Netflix-Serie «Skylines» geht es um die Träume eines jungen Musikproduzenten. Ehrgeiz, Liebe, Gewalt und viel Musik prägen den Sechsteiler aus Frankfurt.

Frankfurt/Main (dpa) - Der eher sensible Junge aus gutem Haus hat mit der Street Credibility von harten Rappern eher wenig gemeinsam. Doch Jinn (Edin Hasanovic), eine der Hauptfiguren der neuen Netflix-Serie «Skylines» (ab 27.9.), hat Rhythmus im Blut und denkt in Beats.

Als er das Angebot bekommt, als Produzent beim Label Skyline-Records einzusteigen, muss er nicht lange überlegen. Auch die Loyalität zu seinem rappenden und mäßig erfolgreichen Kumpel ist schnell zweitrangig. Da entwickelt Jinn einen ähnlichen Ehrgeiz wie sein Vater, den er als geldgierigen und statusbewussten Banker verachtet.

Musik in Form von Hip-Hop und Rap spielt nicht nur die Hauptrolle im Leben von Jinn, sondern auch in der Serie. Das zeigt sich schon bei der Besetzung: Die Künstler Azzi Memo, Booz, Nimo und Olexesh sind als Rapper zu sehen, außerdem spielen zum Beispiel Azad, MC Bogy und Nura sich selbst. Schauspieler Murathan Muslu in der Rolle des mittlerweile das gute Leben genießenden Gangsta-Rappers und Skyline-Mitinhabers Kalifa kann da durchaus mithalten.

Kalifa ist auch der Mann, der reich geworden ist und nun im Konflikt mit Familienloyalität und der Vergangenheit steht. Sein Bruder Ardan, von Erdal Yildiz bedrohlich gespielt, ist nach Frankfurt zurückgekehrt. Vor Jahren musste er wegen seiner Drogengeschäfte fliehen, das Geld aus den schmutzigen Geschäften ist in die Gründung von Skyline-Records geflossen. Hier will auch Ardan unterkommen - angeblich um online Klamotten zu verkaufen. Die finsteren Gestalten, die sich bald unter die Musiker mischen, lassen schon bald ahnen: Ardan macht dort weiter, wo er einst aufgehört hat. Seine kriminellen Geschäfte könnten Skyline-Records ruinieren.

Die Polizistin Sara (Peri Baumeister), die für ihren Beruf brennt und darüber Mann und pubertierende Tochter zu vernachlässigen droht, ist Ardan hartnäckig auf der Spur. Das bringt nicht nur sie und ihre Familie in Gefahr, sondern sorgt auch für Gefühlsverwirrungen, ist sie doch die Frau, der Kalifa in seiner Anfangsphase einen romantischen Song widmete.

Schnelle Kamerafahrten zwischen den Straßenschluchten der Frankfurter City, das Glitzern der nächtlich beleuchteten Bürotürme, schmuddelige Ecken im Bahnhofsviertel und das Elend der Junkies - «Skylines» bringt Frankfurt-Klischees und Frankfurter Realität zusammen. Geld und Insidergeschäfte, Drogen und organisiertes Verbrechen, Liebe, Ehrgeiz und Loyalität in einer schnelllebigen Stadt prägen die sechs Folgen, die am Ende mit gleich mehreren Cliffhangern und offenen Erzählsträngen neugierig auf mehr machen.

Die Frankfurter Skyline (Hochhaussilhouette) war auch für manchen der Darsteller Inspiration: «Ich habe es sehr genossen, entlang der Skyline am Main entlang zu gehen, um meine Texte zu lernen», so Yildiz. Baumeister wiederum war vor allem von der Ambivalenz der Mainmetropole beeindruckt. «Man spürt die auseinanderklaffende soziale Schere so deutlich wie in kaum einer anderen Stadt.» Das galt ganz besonders für die Drehs im Bahnhofsviertel: «Wir waren um 3 Uhr morgens auf der Crackmeile. Es war schon sehr absurd, neben der Methadonausgabestelle zu drehen und die Abhängigen kamen in dem Moment nicht an ihre Utensilien heran.»

Regie bei den sechs 50-minütigen Folgen führten Max Erlenwein («Schwerkraft») und Soleen Yusef («Haus ohne Dach»). Die Drehbücher schrieb Head-Autor Dennis Schanz zusammen mit Oliver Karan, Ole Lohmann und Kim Zimmermann. Lokale Befindlichkeiten wie das Bashing der Nachbarstadt Offenbach wurden dabei durchaus berücksichtigt, etwa wenn sich eine Mitarbeiterin Kalifas über den zunehmenden Einfluss von Ardan und seinen Leuten in der Firma empört: «Ich dachte, die Zeiten, in denen wir uns mit solchen Typen abgeben müssen, sind vorbei. Da hätten wir gleich in Offenbach bleiben können.»

Ob es eine Fortsetzung geben wird, wissen auch die Darsteller noch nicht. «Ich wäre total aufgeregt, wenn es irgendwann eine zweite Staffel geben würde», sagt Jinn-Darsteller Hasanovic, der nach eigenen Worten versuchte, bei den Dreharbeiten nicht über die weltweite Reichweite der Ausstrahlung via Netflix nachzudenken. «Das ist Ehre und Fluch zugleich, weil man sich dann viel zusätzlichen Druck macht.» Die Arbeit an «Skylines» habe auch eigene Hörgewohnheiten geändert: «Durch den Dreh höre ich jetzt tatsächlich sehr viel eher mainstreamigen Rap - ich habe Blut geleckt.»

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