"Ich liebe Amerika!"

Schauspieler Pierce Brosnan über die Fortsetzung von "Mamma Mia!", seine Wahlheimat USA und die Malerei als immer wichtigerem Teil seines Lebens

Die Karriere des irischen Schauspielers Pierce Brosnan kennt drei Höhepunkte. Bekannt wurde der Sohn eines Tischlers als Titelheld der Krimiserie "Remington Steele" (1982 bis 1987). Zwischenzeitlich längst zum Kinostar avanciert, übernahm Brosnan in den 90ern die Rolle des James Bond, den er in vier Filmen verkörperte. 2008 erweiterte der heute 65-Jährige sein Repertoire um das mit Abba-Songs verfilmte Musical "Mamma Mia!", das sich zum zweiterfolgreichsten Genrewerk aller Zeiten nach "Die Schöne und das Biest" aufschwang. Auch in der in diesem Sommer in die Kinos gekommenen Fortsetzung "Mamma Mia! Here we go again" ist Pierce Brosnan dabei. André Wesche traf ihn in Hamburg zum Gespräch über den Film, seine Malerei und seine Heimat in Irland und den USA.

Freie Presse: Mr. Brosnan, wie hatten Sie die Nachricht aufgenommen, dass es einen zweiten Teil von "Mamma Mia!" geben würde?

Pierce Brosnan: Ich war hin und weg. Man hat mich in den letzten zehn Jahren immer wieder gefragt, wann es den nächsten "Mamma Mia!"-Film geben würde. Der erste Teil war so fröhlich und hat die Herzen der Menschen wirklich berührt. Deshalb war ich begeistert, als das Angebot kam. Eines Tages lag das Drehbuch auf der Eingangstreppe. Es war so fundiert und in sich schlüssig, einfach wunderbar. Ich traf Ol Parker, den Regisseur. Er ist ein charmanter Typ, der viel Menschlichkeit und Geduld ausstrahlt. Er hat ein absolut einnehmendes Wesen. Mehr hat es nicht gebraucht.

Sie singen diesmal nicht so häufig wie im Original. War das ein zusätzlicher Pluspunkt?

Darüber war ich ziemlich glücklich. Die Welt muss diese Erfahrung nicht noch einmal sammeln. Wie auch immer: Es hat mir Spaß gemacht. Man hat mich ja auch nicht für mein Gesinge engagiert; ich habe das komische Potenzial erkannt.

"S.O.S" erklingt diesmal in einer zurückgenommenen Version, die sehr gut funktioniert.

Vielen Dank. Ich empfinde das auch so. Als wir das Stück a cappella - endlich ist mir das Wort eingefallen, ich wollte immer "Acapulco" sagen! - aufgenommen haben, meinte Benny Andersson von Abba anschließend, ich hätte wie Bruce Springsteen geklungen. Ich sagte: Wow! Gib mir einen Oscar, Bruce Springsteen ist mein Held!

Kannten Sie Cher schon vorher, die im Film eine kleine Rolle spielt?

Nein. Wir haben in Malibu in derselben Nachbarschaft gewohnt, aber ich habe sie nie gesehen. Ich bin immer an ihrem Haus vorbeigefahren. Ihre Besetzung war ein Knaller. Ich war voller Erwartungen und Vorfreude. Als sie an den Drehort kam, flüsterten alle nur "Cher kommt! Cher ist hier!". Es war eine Freude, ihr zuzuschauen. Sie ist so sicher und selbstbewusst, trotzdem geht auch eine Zerbrechlichkeit von ihr aus. Es ist einschüchternd, in einen Raum voller Schauspieler zu kommen, die sich alle schon seit langer Zeit kennen. Aber diese Gemeinschaft ist sehr freundlich und warmherzig, sie vereint viele Gaben und Talente. Darüber hinaus sind es gute Leute, keine Egos, keine Schreihälse und Großsprecher. All das hat den Tag dieser Begegnung zu etwas Magischem gemacht.

Vermissen Sie Irland?

Das tue ich tatsächlich. Ein Teil von mir wünschte, ich hätte vor Jahren dort etwas gekauft. Ich habe neulich einen Film dort gedreht. Ich habe zu meiner Frau Keely gesagt: Ich war ein Narr, dass ich zu Zeiten von "Bond" nicht etwas in Irland gekauft habe. Sie hatte gesagt, wir sollten das tun. Aber damals war ich der Meinung, dass ich niemals zurückkehren will.

Es stand auch zu lesen, dass Sie wegen Trump die USA verlassen wollten. Stimmt das?

Wegen Trump würde ich gern eine Menge Dinge tun. Aber ich liebe Amerika! Es ist mein Zuhause. Ich liebe das Land und die Menschen dort. Es schnürt mir die Kehle zu, auch nur über jemanden zu reden, der aus dem Land des Reality-TVs kommt. Das übersteigt mein Fassungsvermögen.

Welche ist Ihre irischste Eigenschaft?

Ich weiß nicht recht. Es ist schwer zu definieren, was das bedeutet. Ja, meine Seele ist irisch. Keltisch. Aber auch englisch und amerikanisch. Ich mag alle drei Flaggen, Länder, Menschen. Vielleicht ist es mein Gesang? Ich bin definitiv ein Ire. Ich liebe die Mystik des Landes, seine Lyrik und seine Poesie. Dort wurde ich geboren und dort bin ich aufgewachsen. Tatsächlich habe ich vor ein paar Monaten damit begonnen, meine Memoiren zu schreiben. Wann, wenn nicht jetzt?

Wie kam es zu dieser Idee?

Ein Freund von mir ist ein Autor, er heißt Mark Bailey. Er schreibt ein Buch über irische Emigranten und bat mich, einen Beitrag zu leisten. Ich schreibe über Rex Ingram, einen Regisseur der Stummfilmära. Ein Ire, der als der Spielberg seiner Zeit galt. Von ihm stammt der Film "Die vier Reiter der Apokalypse". Als ich mein Essay verfasste, fragte mich meine Frau, wann ich denn mal ein gemeinsames Buch mit Mark schreiben werde. Also sitze ich nun mit meinem guten Freund zusammen und wir erzählen Geschichten, so wie wir beide jetzt. Er schreibt alles auf, ich lese es dann und schmücke es aus. Mal sehen, was daraus wird.

Auf Facebook posten Sie regelmäßig Bilder von Ihnen und Ihrer Frau. Wie lautet Ihr Rezept für eine glückliche Beziehung?

Wir mögen uns einfach und kommen gut miteinander aus. Sie ist eine schöne und gutherzige Frau. Stark und brillant. Keely ist ein wahres Geschenk. Sie trat in mein Leben, als ich nicht mehr wusste, wohin mein Weg mich führen würde. Wir haben uns ein neues, gemeinsames Leben mit zwei wunderschönen Jungs aufgebaut. Sie bereitet uns ein Zuhause zum Wohlfühlen, sie ist eine talentierte Autorin und eine couragierte Umweltschützerin. In ihr vereinigen sich ein starker Wille, Schönheit und Verletzlichkeit. Ihre Palette kennt viele Farben.

Versetzt Sie die Arbeit am Buch mitunter in eine melancholische Stimmung?

Oh, ich mag die Melancholie, ich finde sie großartig! Im Studio habe ich den Komponisten Max Richter getroffen. Ich mag seine Musik sehr und spiele sie auch selbst. Sie ist sehr traurig, aber irgendwie macht sie mich glücklich. Natürlich reflektiert man beim Schreiben vieles, das Heute, das Gestern. Man blickt in die Zukunft und ist dankbar für das Leben. In dieser Recherche liegt eine gewisse Melancholie, aber auch große Freude.

Gibt es eine Lieblingsphase in Ihrer Filmkarriere?

Nach Amerika zu gehen, bleibt unauslöschlich in meinem Herzen verankert. Für mich begann ein neues Leben. Ich fühlte mich frei. Alles war möglich. Man hegte keine Vorurteile gegenüber dem Iren.

Haben Sie noch Träume oder Wünsche, die Zukunft betreffend?

Oh ja. Ich wünsche mir eine Ausstellung meiner Gemälde. Die Malerei wird immer wichtiger für mich. Und ich möchte endlich herausfinden, ob meine Bilder halbwegs gut und von Bedeutung sind. Keely kuratiert die 153 Stücke. Ich möchte die besten 25 oder 30 auswählen und ein Buch herausbringen.

Ihr Bob-Dylan-Porträt hat jedenfalls ein erkleckliches Sümmchen für einen guten Zweck eingebracht.

Das war verrückt! Tatsächlich war es Keelys Dokumentation "Poisoning Paradise", die alles ins Rollen brachte. Sie wurde damit zum Filmfestival nach Cannes eingeladen und wir sagten, okay, lass' uns hingehen! Man fragte mich, ob ich ein Bild zur Versteigerung mitbringen könnte. In meinem Studio stand gerade das Bild von Bob Dylan und wir haben es eingereicht. Tatsächlich ging das Gemälde auf dem Weg nach Cannes verloren und ich dachte: Gut so! Aber dann tauchte es wieder auf. Keely brachte das Eröffnungsangebot an, 30 Riesen. 31 hätten mich glücklich gemacht. Ich stellte das Bild vor und redete dann über Aids und die Notwendigkeit, die Vorurteile in Zusammenhang mit dieser Krankheit endlich abzubauen. Und dann bat ich um die Abgabe der Gebote. Der Zuschlag erfolgte bei 1,4 Millionen!

Es wurde gemunkelt, dass Ihnen der erste "Mamma Mia!"-Film ein Stück Freude zurückgegeben hat, was Ihre Karriere nach Bond anbetrifft. Ist da etwas dran?

Man steckt die Tiefschläge des Lebens weg und muss dann schnell weitermachen. Man muss aufstehen. Was "Mamma Mia!" angeht, ist da vielleicht etwas dran. Ich habe weder nach Bestätigung gesucht, noch wollte ich mich neu erfinden. Ich wollte einfach weiterarbeiten. Man muss die Arbeit finden. Manchmal hat man eine gute Auswahl und manchmal auch gar keine Wahl. Die Schauspielerei ist für mich ein wunderbares Hobby, mit dem man mich davonkommen lässt.

Vom Feuerschlucker über "Remington Steele" und "James Bond" bis zum Abba-Musical

Pierce Brendan Brosnan kamam 16. Mai 1953 in Drogheda in der Republik Irland als Sohn eines Tischlers zur Welt. Seine Eltern trennten sich, als er vier Jahre alt war. Die nächsten Jahre lebte er bei Großeltern und anderen Verwandten, bis er 1964 wieder zu seiner Mutter und deren neuen Mann nach Schottland kam. Mit 16 Jahren startete das künstlerische Talent eine Ausbildung als Maler am Central Saint Martins College of Art and Design. Um die gleiche Zeit faszinierte Brosnan die Darbietung eines Feuerschluckers so sehr, dass er diese Kunst erlernte und mehrere Jahre lang ausübte, zunächst als Straßenkünstler und später bei einem Zirkus.

Der Schauspielerei widmete sich Brosnan ab 1973 mit einem Studium am Drama Centre London. Der berühmte Dramatiker Tennessee Williams ("Endstation Sehnsucht", "Die Katze auf dem heißen Blechdach") entdeckte die Begabung des Studenten und besetzte ihn in mehreren Stücken. Es folgten erste Nebenrollen in Filmen, zum Beispiel in "Mord im Spiegel" mit Elizabeth Taylor.

Die US-Krimiserie "Remington Steele" machte Pierce Brosnan 1982 weltweit bekannt. Insgesamt entstanden vier Staffeln. Nach etlichen, nunmehr großen Kinorollen ("Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen") trug man dem Iren die ikonische Rolle des James Bond an, die er 1995 erstmals in "James Bond 007 - Goldeneye" bekleidete. Drei weitere, enorm erfolgreiche Geheimagenten-Filme folgten. Nach der Bond-Ära war Brosnan in Produktionen wie "Der Ghostwriter", "Percy Jackson - Diebe im Olymp" und dem mit Abba-Songs verfilmten Musical "Mamma Mia!" zu erleben.

Von 1980 bis 1991 war Pierce Brosnan mit Cassandra Harris verheiratet, die an Krebs starb. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn, außerdem adoptierte Brosnan zwei Kinder von Harris. Adoptivtochter Charlotte Emily starb 2013 ebenfalls an Krebs.

2001 heiratete der Darsteller die Journalistin und Filmemacherin Keely Shaye Smith, mit der er zwei weitere Kinder hat. Pierce Brosnan lebt auf Hawaii und in Malibu und ist in Besitz der amerikanischen Staatsbürgerschaft.

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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