In Plauen geht die Rock 'n' Roll-Post so richtig ab

Was am Broadway funktioniert, tut es auch auf der Bühne im Plauener Stadtpark. Nach dem Sommertheaterstück "Love Me Tender" gab es Beifallsstürme. Zu Recht?

Plauen.

Aus 50er-Jahre-Mief wird Fifty-Glamour - so geschehen am Wochenende im Plauener Parktheater. Dort ging "Love Me Tender" von Joe DiPietro, das Sommer-Musical des Theaters Plauen-Zwickau, über die schon etwas in die Jahre gekommene Bühne. Die eingängigen, mehr oder weniger bekannten Elvis-Titel und der Auftrittsort sind beinahe vom gleichen Baujahr. Aber das ist ein anderes Thema.

Zunächst steht diese mittelgroße Stadt im Mittelpunkt. Könnte Plauen sein oder sonst ein Ort irgendwo in Südwest- oder Mittelsachsen. Nicht viel los in dem Kaff. Die Leute langweilen sich zu Tode, besonders die jüngeren Einwohner. Sie treffen sich im einzigen Diner weit und breit. Dort gibt es zwar eine Jukebox, doch die ist kaputt. Egal, laute Musik ist ohnehin verboten - ebenso enge Hosen und öffentliches Küssen. Wie saft- und kraftlos die Menschen sind.

Die Melodie ihres Lebens, sie klingt schräg - egal, wie oft die Leute den Staub aus den Rillen der Platte pusten. Die Nadel kratzt übers Vinyl, bleibt stecken. Sie springt. Springt. Und springt. Gähn! Endlich kommt einer und trägt eine neue schwarze Scheibe unterm Arm. Er repariert die Musikmaschine nur durch Handauflegen. Und siehe da: Die Rock 'n' Roll-Post geht so richtig ab.

Der Inhalt des Musicals, in musikalischer Bearbeitung von Stephen Oremus, kreist freilich um mehr als Antriebs- und Hoffnungslosigkeit. Dreh- und Angelpunkt nämlich ist die Liebe und zwar im Sinne von Shakespeare, mit allen Tollheiten, mit aller Wirrnis. Die literarische Vorlage stammt ja auch vom Dramen-König. Es handelt sich um die Komödie "Was ihr wollt".

Von Regisseur Patrick Schimanski und seinem Team wurde der Stoff aus dem Jahr 1601 in die Neuzeit transferiert, wenn auch nicht immer ganz logisch nachvollziehbar. Denn am Ende heiraten gleich vier Paare, jedoch nicht immer den Partner, dem sie kurz zuvor noch ihr Herz geschenkt hatten. Unter den Hochzeitern sind der rebellische Chad (Leonard Lange) und die sich emanzipierende Natalie (Julia Hell) allerdings nicht. Dafür aber mindestens zwei völlig unerwartete Partien. Sie setzen sich schließlich mit ihrem Jawort über gesellschaftliche Verbote hinweg und überwinden, ähnlich wie die Montagues (Romeo) und die Capulets (Julia), Grenzen. "Love Me Tender" mit seinem ästhetischen Bühnenbild (Charlotte Labenz) hat eindeutig ein Happyend.

Herausragend waren beim Stück die Auftritte von Publikumsliebling Ute Menzel. Mit dem Song "Devil In Disguise" (Wolf im Schafspelz) lag die Amüsierlatte hoch, aber das vielköpfige Ensemble - Ballett und Statisten als Zombies - meisterte den Sprung mit Bravour. Die Szene war eine von zahlreichen richtig witzigen in der Choreografie von Annett Göhre. Die im Stehen dargebrachten Ovationen nach dem dreistündigen sommerleichten Musical gab es also tatsächlich völlig zu Recht. Respekt auch an die fünfköpfige Band unter Leitung von Frank Obermair.

Nächste Aufführungen: am Mittwoch, Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr, ist "Love Me Tender" nochmals in Plauen zu erleben. Auf das Gelände gelangen Besucher ab 18.30 Uhr. Dort gibt es ein Programm mit Musik und Kulinarischem der Rock 'n 'Roll-Ära. Tickets an der Theaterkasse oder hier:

 

www.theater-plauen-zwickau.de

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