Kammer-Musical "Die letzten fünf Jahre": Solo für zwei Verliebte

Das Kammer-Musical "Die letzten fünf Jahre" erzählt am Theater Plauen-Zwickau den Verlauf einer Romanze auf sehr eigentümliche Weise. Genau das aber macht auch einen Teil seines Reizes aus.

Zwickau.

Es gibt verschiedene Arten, das Wachsen und Vergehen einer Liebe, einer Partnerschaft auf der Bühne zu erzählen. Abgesehen davon, dass auf die szenische Darstellung dessen, was dem Happy End folgt, meist verzichtet wird, ist da das klassische Anfang-bis-Ende-Konzept wohl am gängigsten. Vom Ende kommen und mit Rückblenden arbeiten, bietet sich auch an. So gesehen, geht der US-Komponist und Autor Jason Robert Brown mit seinem 2001 in Chicago uraufgeführten Musical "Die letzten fünf Jahre" einen neuen Weg. Er lässt den Weg vom zarten Anfang bis zum bitteren Ende der Liebe zwischen Catherine und Jamie abwechselnd aus zwei solistischen Perspektiven erzählen: Catherine beginnt beim Ende, der Trennung, Jamie beim Anfang, dem ersten Date, ein halbes Jahrzehnt zuvor. Eine Herausforderung nicht nur fürs Publikum, sondern auch fürs Inszenierungsteam.

Nadine Aßmann, profilierte, aber leider scheidende Schauspielerin im Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau mit Inszenierungserfahrung, hat sich des Stoffes angenommen und die umjubelte Premiere des 100-Minuten-Werks am Donnerstag im Alten Gasometer in Zwickau mit Sebastian Seitz und Ira Theofanidis als Gast auf die Bühne gebracht. Dabei durchbricht die 31-jährige Bremerin die Urkonzeption Browns behutsam. Sie lässt die Szenen der beiden Protagonisten so gestalten, dass der jeweils stumme Part dem aktiven zumindest als mimisch und körperlich agierender Anspielpartner dient. Schauspielerisch und gesanglich bewegen sich Ira Theofanidis in der Rolle der Musicalsängerin, die sich von einem drittklassigen Engagement zum nächsten hangelt, und Sebastian Seitz als gerade erste Erfolge feiernder Buchautor absolut auf Augenhöhe. Nadine Aßmann führt sie so ausdrucksstark und stimmig, wie die Paarung auch äußerlich- erscheint. Wie er, (in einer Szene buchstäblich) den Kopf in den Wolken, vor Kraft kaum laufen kann, während sie mit seinen Erfolgen nicht mitkommt, versucht, sich mit der Rolle als dekoratives Anhängsel ("Ich bin ein Teil davon") zu bescheiden, aber praktisch in seinem Schatten verwelkt, das ist große Bühnenkunst. Da sie für ihre Gagen bisweilen durch die Provinz tingeln muss, hat er auch Affären und ist bald überdrüssig des Treueschwurs zur Hochzeit - der einzigen Szene, in der beide gesanglich interagieren.

14 gerahmte Fotos der beiden aus den fünf Jahren, chronologisch von links nach rechts über die sehr variable Bühne von Oliver Opara gehängt und jeweils zu Szenenbeginn kurz per Spot beleuchtet, bieten dem Zuschauer zeitliche Orientierung in diesem Wechselbad. Das Kammerspiel setzt sich im Instrumentarium fort. Unter Leitung von Mark Johnston am Klavier spielen ein Geiger, zwei Cellisten, ein Bassist (alternierend am E-Bass) und ein E-Gitarrist unaufdringlich, konzentriert und ausgewogen. Die Musik prägt stilistische Vielfalt zwischen Swing, Gospel, Folkrock, auszumachen sind auch Anklänge an Schubertsches Liedgut und jiddische Einflüsse: Jamie ist jüdisch, Catherine nicht. Aber nur er thematisiert vor imaginären Dritten diesen Unterschied zum Anfang der Romanze. Beide Darsteller gehen voll in ihrer Rolle auf, und wer da glaubt, Musical sei leichter zu singen als Oper, wird hier eines Besseren belehrt: Der Tenor und die Sopranistin bewältigen einen Kraftakt, der höchsten Respekt verdient: Sehenswert! Auch weil es in vielerlei Hinsicht ein Musical abseits des Mainstreams ist.

Weitere Aufführungen von "Die letzten fünf Jahre" im Alten Gasometer Zwickau am Freitag, 19.30 Uhr, am Samstag, 15 Uhr sowie am 5., 6. und 10. Juni, 19.30 Uhr. Kartentelefon 03741 274114647. theater-plauen-zwickau.de

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