Kein Dialog in Sachen Kunst

Am Dienstag sollte in Leipzig über die Freiheit von Kunst und Meinung diskutiert werden. Es wurde nichts daraus.

Leipzig.

Die Querelen um die Jahresausstellung Leipziger Künstler gehen weiter. Das Museum der bildenden Künste Leipzig hat die für den gestrigen Dienstag angesetzte Podiumsdiskussion in seinen Räumen abgesagt, bei der es um das Thema Kunst und Meinungsfreiheit des Künstlers hätte gehen sollen.

Zuvor hatte der Leipziger Maler Axel Krause, der wegen seiner Nähe zu AfD und Identitärer Bewegung sowie Äußerungen auf Facebook von der Teilnahme an der Jahresausstellung ausgeschlossen worden war, seine Teilnahme an der Diskussion abgesagt, Kurz nach dem Ausschluss Krauses von der Jahresausstellung war vergangene Woche die ganze Kunstschau abgesagt worden und der Vorstand des veranstaltenden Vereins zurückgetreten. Wenige Tage später entschied der Interims-Vorstand, die Ausstellung finde nun doch statt - ohne Krause. Nach gestrigem Stand bis Redaktionsschluss um 13 Uhr soll sie am heutigen Mittwoch eröffnet werden.

Wie MDR Kultur am Dienstag berichtete, gab es offenbar Unstimmigkeiten wegen der Besetzung des Podiums. Krause hatte in den frühen Morgenstunden des Pfingstmontag zunächst erklärt, er werde nicht an der Diskussion teilnehmen, da das MdbK trotz vorheriger Zusage den Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz nicht ebenfalls offiziell eingeladen hätte. Als Reaktion auf die Absage Krauses sagte Alfred Weidinger, Leiter des Museums der bildenden Künste (MdbK), die Veranstaltung werde nun nicht mehr stattfinden.

Nachdem mehrfach die Besetzung der Diskussionsrunde geändert worden war, hätte sich Krause laut Zitat der Leipziger Internetzeitung ohne Maaz wie auf einem Tribunal gefühlt, bei dem alle gegen ihn gewesen wären. Nach letztem Stand hätten an der Diskussion neben Krause und Maaz der Journalist Jens Kassner, Galeristin Arne Linde, "Zeit"-Journalist Wolfgang Ulrich und MdbK-Chef Alfred Weidinger teilnehmen sollen. Die Moderation sollte MDR-Kulturredakteur Thomas Bille obliegen.

Nach seiner Absage veröffentlichte Krause am Montagmittag auf seiner Facebook-Seite öffentlich sein für die Diskussionsrunde vorbereitetes Eingangsstatement. Darin sieht er sich "nicht als Hauptperson in diesem Konflikt" , sondern als "die Figur, um die alles kreiselt". Es gehe bei der ganzen Diskussion nicht um Kunst, "denn meine Bilder waren kein Anstoß der Kritik. Nein, diese passierten die Jury mit positiver Beurteilung und hätten, ginge es nach demokratischen Regeln, in der Ausstellung hängen müssen".

Unterdessen hat sich auch die offizielle Politik in die Diskussion eingeschaltet. Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) hält laut einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" die Ausladung Krauses für falsch: "Es geht nicht, dass Menschen wegen ihrer politischen Haltung stigmatisiert und gesellschaftlich ausgeschlossen werden", sagte sie. Meine man es ernst mit der Kunstfreiheit, müsse man auch Künstler gleich behandeln, die dem politisch rechten Spektrum nahestehen, sagte Stange weiter. "Die politische Haltung eines Künstlers zu ergründen, wäre Gesinnungsschnüffelei", erklärte sie und betonte: "Meinen wir es ernst in unserer Gesellschaft mit der Meinungsfreiheit, dann muss man manchmal auch Dinge ertragen, die schwer zu ertragen sind - solange sie nicht die Grundwerte unseres Grundgesetzes verletzen."

Zum Umgang mit der AfD riet die Ministerin zum sachlichen Streit mit Argumenten. Man müsse die Partei und ihre Anhänger zu ihrem kulturpolitischen Verständnis und zu ihrem Verhältnis zu Kunst- und Meinungsfreiheit befragen und klären, was ihre Ankündigung bedeute, Soziokultur zu kürzen oder ganz aus dem kulturellen Leben zu streichen, so die Ministerin.

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6Kommentare
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    3
    Blackadder
    12.06.2019

    @Freigeist: ich darf Ihnen den Wikipedia -Artikel zu Herrn Steimle ans Herz lesen, in dem er u.a. heißt:

    "Wenige Tage später war er neben Thilo Sarrazin, Uwe Tellkamp, Vera Lengsfeld, Eva Herman, Henryk M. Broder, Matthias Matussek und anderen Erstunterzeichner der „Gemeinsamen Erklärung 2018“, die Deutschland durch „illegale Masseneinwanderung beschädigt“ sah und sich mit den Teilnehmern eines „Frauenmarsches“ aus dem Umfeld der Alternative für Deutschland solidarisierte.[29]"

    "Im Juni 2018 gab Steimle der Wochenzeitung Junge Freiheit ein kontrovers diskutiertes Interview, in dem er behauptete: „Die Wahrheit ist eben, dass wir keine eigene Politik haben, weil wir ein besetztes Land sind“. Deutschland sei kein souveräner Staat, sondern „Besatzungsgebiet der USA“. Steimle führte weiterhin aus, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht staatsfern sei. „Inzwischen weiß jeder, dass etwa Atlantikbrücke-Mitglied Claus Kleber der Karl-Eduard von Schnitzler der BRD ist, zusammen mit seiner Marionetta Slomka“. Diese aus der Reichsbürgerbewegung stammenden Verschwörungstheorien wurden von Steimles Stammsender Mitteldeutscher Rundfunk öffentlich zurückgewiesen. "

    Das können Sie gerne so verstehen, wie Sie wollen, für mich ist er hier der AfD eindeutig näher als der Linkspartei, auch wenn er das selbst leugnet.

  • 3
    1
    Freigeist14
    12.06.2019

    Blackadder@ auch wenn sich Uwe Steimle in schwieriges Terrain herablässt , bleiben Sie bei der Wahrheit ! : Er trug ein T-Shirt mit dem Schriftzug "Kraft durch Freunde " . Das darf Satire und auch Verballhornung der NS - Phrase . Mir ist Herr Steimle auch oft zu zweideutig . Aber Ihre gewünschte Verbannung aus dem sonst recht trögen mdr- Programm passt zur Deutungshoheit vermeintlicher Toleranz-Verteidiger .

  • 1
    3
    Blackadder
    12.06.2019

    @OlafF: Dann soll er sich doch gleich zur AfD bekennen, inhaltlich ist er schon lange da angekommen.

  • 3
    2
    OlafF
    12.06.2019

    .Blackadder@ vom MDR hofiert? … möchten Sie gern noch die letzten kritischen Künstler aus dem MDR-Programm entfernen oder lieber gemeinsam mit den "Sternchen" OB-Wahl in Görlitz beeinflussen. Versuchen Sie es . Mal sehen ob es weiterhin klappt. Die AFD wird sich freuen...

  • 1
    4
    Blackadder
    12.06.2019

    Da Herr Steimle gerade in den sozialen Netzwerken mit eine T-Shirt mit der Aufschrift "Kraft durch Freude" in altdeutschen Runen zu sehen ist, kann er kaum als Beispiel für "gegen den Strom schwimmen" genannt werden, warum ihn der MDR nach zahllosen Ausfällen immer noch hofiert, ist mir ein Rätsel.

    Im Endeffekt will doch die AfD mit Ihrem Wahlprogramm ganz genau das erreichen, was sie hier anprangern: politisch missliebig Kunst und Kultur unterdrücken. Wie viele Theater haben schon Post von der AfD bekommen, weil sie ihr missliebige Stücke gespielt haben?

    "AfD will Theater sanktionieren"
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturpolitik-in-sachsen-anhalt-afd-will-theater.1001.de.html?dram:article_id=406574

    Wie vielen Jugendzentren will sie das Geld kürzen, weil sie politisch missliebig sind?

    "180 Berliner Träger kritisieren Anfragen der AfD"
    https://www.berliner-woche.de/mitte/c-politik/180-berliner-traeger-kritisieren-anfragen-der-afd_a178430

    Was hier in Leipzig gelaufen ist, ist sicher sehr unglücklich gewesen und auch die Diskussion um die Diskussionsrunde liest sich für mich sehr nach Kindergarten, aber im Endeffekt ist das ein Vogelschiss gegenüber dem, was die AfD plant bzw. schon dabei ist umzusetzen in Stadträten etc.

  • 3
    2
    OlafF
    12.06.2019

    Interessanter Artikel, möchte nur gern ergänzen, wenn es auch für manche schwer zu ertragen ist (... dieser Tage in einem Regierungsprogramm zu lesen) :
    Wir wenden uns gegen ein einseitig politisch orientiertes, erzieherisches Musik- und Sprechtheater, wie es derzeit auf sächsischen Bühnen praktiziert wird...
    Nun frage ich mich, wo soll die andere Seite der politischen und kulturellen Bildung so plötzlich herkommen, aus der Wüste?
    Sachsens kulturelle Meinungsvielfalt beschränkt sich doch derzeit auf Stammtische, Küchentische und den Teil der Kommentare die durch die Medien veröffentlicht werden. Ansonsten ist doch Sachsen in der Kulturszene recht einseitig geprägt, wie sich in diesem Artikel bestätigt.
    Frau Ministerin ist plötzlich bemüht sich zu fragen, wie man damit umgehen soll. Woher soll also die Meinungsvielfalt in der Kulturszene so plötzlich daherkommen? Selbst Volks-Satirikern, wie Uwe Steimle wird, sobald diese zu sehr gegen den Strom schwimmen gern das Wasser abgegraben.



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