Mark Forster in Schwarzenberg - Wie eine männliche Helene Fischer

Der Sänger kann es einfach: Am Samstag begeisterte er auf der Waldbühne mit Hits und Liebe.

Schwarzenberg.

"Manchmal war mir so langweilig, dass ich den ganzen Tag mit dem Rad durch die Pampa gefahren bin", erzählt Mark Forster aus seiner Jugend im pfälzischen Winnweiler. Man kennt das: Die Landschaft zieht an einem vorbei, man beginnt am Tag zu träumen. Vielleicht könnte er später ja beruflich irgendwas mit Musik machen?

Wir spulen die Zeit ein Vierteljahrhundert nach vorne: So viel Trubel erlebt die erzgebirgische Provinz nur selten - und das nur wegen Mark Forsters viertem Album "Liebe" und der gleichnamigen Tour. Schwarzenberg wird von einer Blechlawine überrollt, Ordner dirigieren die Autos auf die immer knapper werdenden Parkplätze. Mehr als 12.000 Besucher pilgern den Berg hinauf in Richtung Waldbühne. "Leute, das ist der Beweis, jeder Traum kann wahr werden!", sagt der 35-Jährige und ist inzwischen groß geworden. Riesengroß!

Das schwarz-grüne Käppi sitzt, jeder Ton landet punktgenau. Der Meister springt wie ein Flummi über die Bühne und ist in hervorragender Laune. "Flash mich noch mal, als wär's das erste Mal!" Viele kleine Besucher an der Waldbühne Schwarzenberg dürften am Samstag ihre Konzert-Premiere gefeiert haben. Natürlich mit Mutti und Opa im Schlepptau: Bei Bratwurst, Bier und Brezel zieht Forster das typische Familienpublikum zwischen 8 und 88 Jahren. Diesen Kerl kennt und mag man einfach: Seine Auftritte als singender Sympath in TV-Shows wie "Sing meinen Song" oder "The Voice Kids" sind zahlreich, beinahe überstrapaziert, und doch machen sie ihn zum omnipräsenten Gesicht des deutschen Pop. Eine männliche Helene Fischer vielleicht, dabei trotzdem der knuffige Typ von nebenan, denn der Kostümwechsel beschränkt sich bei ihm nur auf weiße und schwarze T-Shirts.

Seinen Promi-Bonus nutzt er, um Kumpel Sido per Videoanruf wenigstens virtuell auf die Bühne zu holen. Dass das Telefonat offenkundig aus der Video-Konserve kommt: geschenkt. Denn der Song "Danke Danke" des bärtigen Dream-Teams klingt nach Oldschool und macht enorm Laune. Anno 2014 brachte Sidos Gast-Rap bei "Au Revoir" den endgültigen Durchbruch für Forster. Dann folgten Hits wie die Ballade "Kogong", die er heute ganz akustisch-zart zum Besten gibt. Und seinem Vater widmet er seinen gefühlvollen Song "Genau wie du" - während er sich am quietschbunt beklebten Klavier selbst begleitet. Man nimmt's ihm einfach ab: Dieser Sänger ist nicht nur ein gepushtes Medien-Phänomen, sondern zu Recht eine elaborierte Hitmaschine - allen Vorwürfen zum Trotz, dass ein ganzes Geschwader Song-Ghostwriter für ihn arbeiten würde.

Wenn er dann noch den "Karton" vom gleichnamigen ersten Album (2012) aufmacht, geizt der selbsterklärte Konfetti-Liebhaber auch nicht mit dem Einsatz entsprechender Kanonen. Der zum martialischen Kopfnicker umgebaute Song lässt die Bühne beben und die Fans wild umherspringen. Passend dazu stellt er die Band inklusive Bläser und Background-Ladies wie Gladiatoren in einem Wrestling-Ring vor.

Das Publikum quittiert den tollen Sound mit einer Handgeste, die eingefleischte Fans kennen: Wie ein Mund schnappen die Finger auf und zu. Ein Zeichen für Küsschen und die Liebe eben. Das ist in Zeiten von Musik-Apps wie "TikTok" eine Sprache, die vor allem Teenager bestens verstehen. Zu guter Letzt funktioniert in der Zugabe "Chöre" aber das gute, alte "Oooh" zum Mitsingen noch immer hervorragend.

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