Mit der Dampflok auf die Überholspur

Landesausstellung in Zwickau, Festivals und Messen in Chemnitz, Neueröffnung der Energiefabrik Knappenrode: Die Höhepunkte im Jahr der Industriekultur 2020 bieten kaum Überraschungen.

Chemnitz/Leipzig.

Industriekultur gibt es auch zwischen Bankentürmen und Äppelwoi. Salvatore Granatella heißt der Mann, der sich im Auftrag der Kulturregion Frankfurt- Rhein-Main um das Thema kümmert. Jahr für Jahr koordiniert er dort bis zu 400 Veranstaltungen. Was der Kulturmanager gestern bei der Netzwerktagung zur Sächsischen Industriekultur in Leipzig zu sagen hatte, ging den Zuhörern runter wie das sprichwörtliche Öl.

Zusammengekommen war man, um die Höhepunkte des Jahres der Industriekultur in Sachsen, das der Freistaat für 2020 ausgerufen hat, vorzustellen. Im Jahr der 4. Sächsischen Landesausstellung werden unter diesem Titel industriekulturelle Projekte und Aktionen in ganz Sachsen stattfinden.

"Ich denke, Sie haben in Deutschland mit das meiste Potenzial", versicherte Granatella. "Sie haben die Grundlagen, Sie haben die Orte, die sehr spannend sind, Sie haben die authentische Arbeitswelt. Ich finde, Sie sind auf der Überholspur und haben das Potenzial, Nordrhein-Westfalen als führendes Bundesland abzulösen."

Wäre Sachsens Noch-Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) zu diesem Zeitpunkt noch anwesend gewesen, hätte auch sie diese Worte mit Freude gehört. Ist es doch ihr wieder und wieder erklärtes Ziel, der Industriekultur im Freistaat aus dem "Schattendasein" zu verhelfen. Acht Wochen vor Beginn des Festjahres zeigte sie sich zuversichtlich. "Das Interesse ist sehr groß", sagte sie mit Blick darauf, dass sich rund 100 Teilnehmer zum Treffen angemeldet hatten. Sie freue sich über die Vernetzung. Auch nach Ende des Festjahres soll die Industriekultur nicht in der Versenkung verschwinden. Die Akteure hoffen auf eine Stärkung des Selbstbildes der Sachsen. "Die Rückbesinnung darauf, was geleistet wurde, zeigt, wozu wir im Stande sind", so Ralph Burghart, Kulturbürgermeister in Chemnitz.

Bei den angekündigten Höhepunkten für 2020 besinnen sich die Organisatoren vor allem auf Veranstaltungen, die längst einen festen Platz im Kulturkalender eroberten. So die Tage der Industriekultur in Chemnitz wie in Leipzig, so die Ibug, die Industriebrachen mit urbaner Kunst neues Leben einhaucht, so die Erfinder-Messe Maker Fare, ebenfalls in Chemnitz. Dazu kommen die Wiedereröffnung der Energiefabrik Knappenrode bei Hoyerswerda sowie die Eröffnung des neuen Museums "Zeit-Werk-Statt" in der Blumenhalle der eben beendeten Landesgartenschau Frankenberg. Kern des Industriekulturjahres wird die Landesausstellung Zwickau sein, begleitet von sechs Schauplätzen, die sich Spezialthemen widmen. So das Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf der Eisenbahn, so die Reiche Zeche Freiberg dem Bergbau.

Wie viele Programmpunkte insgesamt das Festjahr umfasst, können die Organisatoren von der Kulturstiftung Sachsen noch nicht abschätzen. Mitmachen kann prinzipiell jeder; ein Portal, Veranstaltungen zu melden, wurde eben freigeschaltet. Für Projekte in der zweiten Jahreshälfte 2020 stehen selbst Fördergelder noch in Aussicht.

www.industriekultur-in-sachsen.de

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