Peter Hacks' Drama "Der Frieden": Aus der Reserve

Peter Hacks' Drama "Der Frieden" gefällt in der Version des Mittelsächsischen Theaters nicht jedem: Das Stück bleibt eine Herausforderung.

Freiberg.

Frieden - was für ein Wort. Von einer Wichtigkeit, die besonders heftig Menschen ermessen können, die diesen Frieden gerade nicht haben, die Krieg, Gewalt und Hass ausgesetzt sind oder einst erlebten. Eine Hommage an den Frieden hat das Mittelsächsische Theater jetzt mit der Komödie "Der Frieden" von Peter Hacks in einer Inszenierung von Ralf-Peter Schulze auf die Bühne gebracht.

Dafür geht es ins alte Griechenland. Einer, der die Nase von ewigem Gemetzel, Machtgerangel und Zerstörung voll hat und den Frieden mit Wein, Weib und Gesang wieder auf Erden bringen will, ist der Winzer Trygaios. Mit einem stinkenden Mistkäfer fliegt er in den Olymp. Dort will er von Zeus erfahren, was der zu tun gedenkt. Doch die Götter haben sich in ruhige Gefilde zurückgezogen, der Kriegslärm nervt sie. Trygaios verhandelt mit dem bestechlichen Hermes und holt sich drei Göttinnen an seine Seite: die des Friedens, der Ernte und des Festefeierns. Eine Geschichte voller Tiefsinn und Anspielungen auf heutige Verhältnisse beginnt.

Aristophanes schrieb die Basis dafür vor Christus, und Peter Hacks (1928 bis 2003) überarbeitete sie 1962. Der Zweite Weltkrieg lag da nur knapp zwei Jahrzehnte zurück. Hacks ist einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Seine Werke sah man im Osten als auch im Westen Deutschlands. Mit "Der Frieden" feierte er 1963 am Deutschen Theater in einer Inszenierung von Benno Besson seinen ersten großen Theatererfolg. 45 Minuten lang gab es damals finalen Applaus. Kritikern gefiel und gefällt am Stück vor allem der Mangel an "Bierernst" bei einem sehr ernsten Thema.

Martin Ennulat brilliert in Freiberg als Trygaios, der dem kriegsmüden Volk aus dem Herzen spricht. Franka Anne Kahl lässt es kalt den Rücken herunterrieseln, wenn sie mit leiser Stimme als Friedensgöttin Eirene ihre Monologe hält. Das Stück, mit fantasiereichen Kostümen und gewollt karger Bühnengestaltung, kommt modern und unaufdringlich daher. Auch ein bisschen grob und unanständig. Das ist Aristophanes geschuldet, macht es aber auch sympathisch. Ohne Schnörkel stellt die mehr als sehenswerte Inszenierung klar: Frieden ist, was die menschliche Natur ausmacht.

Das Publikum wird gefordert, was nicht jedem gefiel. Während am Dienstag zur Nachmittagsvorstellung die meisten älteren Zuschauer etwas reserviert reagierten, zeigte sich eine Gruppe Jugendlicher begeistert, etwa Gymnasiasten vom Literaturkurs der Klasse 12 des Freiberger Berufsschulzentrums. "Die Aufführung war sehr gut", so Marie Wolf. "Besonders schön fand ich, wie das Thema umgesetzt wurde." Darauf sollte immer wieder aufmerksam gemacht werden, weil Frieden eben nicht selbstverständlich ist, wie all die Konflikte dieser Welt zeigen.

Nächste Aufführungen "Der Frieden" ist am Theater Freiberg am 24. Mai und am 6. Juni zu sehen. Karten: 03731 358234.

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