Polizeiruf-Kolumne: Abgang für Lenski

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Eine Betrachtung zum "Polizeiruf" von Maurice Querner

Man darf sich schon manchmal fragen, wie attraktiv oder unattraktiv eigentlich die Hauptrollen für den "Polizeiruf 110" und den "Tatort" wirklich sind. Einerseits gibt es da Ulrike Folkerts oder Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, Dietmar Bär oder Klaus J. Behrend. Da kommen zusammen locker 130 Jahre TV-Geschichte zusammen. Schauspieler, die uns gefühlt schon eine Ewigkeit begleiten, mit denen wir im Grunde bereits sehr lange per Du sind, die mit uns gemeinsam in Würde altern und die man sofort anrufen würde, wenn man eine Leiche im Keller fände. Das sind beinahe gute Freunde, mindestens aber gute Bekannte.

Auf der anderen Seite häufen sich zuletzt doch die Abgänge von Deutschlands Top-TV-Kriminalisten. Wir mussten Matthias Matschke, Christian Ulmen und Aylin Tezel verabschieden - und nun macht sich auch Maria Simon vom Acker, die im "Polizeiruf 110" aus Frankfurt/Oder immerhin auch schon seit gut zehn Jahren mit Bravour die Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski gegeben hat. Ein bisschen konnte man dies ahnen. In ihrer Mutterrolle zeigte sie sich öfters einmal überfordert und mit ihrem Kollegen Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) wurde sie nie richtig warm. Ihr Verhältnis zueinander könnte man als absolut professionell, aber auch leicht unterkühlt bezeichnen.

Wenngleich wir Maria Simon, die ihre Olga Lenski außerordentlich unprätentiös und dennoch sehr eindrücklich verkörperte, vermissen werden, hat ein Abgang üblicherweise die Folge, dass sich die Macher im letzten Krimi noch einmal besonders ins Zeug legen. Und das ist bei "Monstermutter" durchaus der Fall. Der Titel ist ein wenig unglücklich gewählt, denn ihrem Kind will "Lou" nichts Böses: Der Straftäterin wurde vom Jugendamt das Sorgerecht entzogen, wenn auch aus gutem Grund - und nun will sie ihre kleine Tochter unbedingt bei sich haben und mit ihr in den Süden fliehen.

Normalerweise würde man als Zuschauer gern mit einer Frau, die um ihr Kind kämpft, in irgendeiner Form sympathisieren und sich solidarischer Gefühle eingestehen, selbst wenn sie eine Kriminelle ist. Umso mehr, da sie in ihrer Kindheit eben kein schönes Leben hatte und zwangsläufig auf die schiefe Bahn geraten musste. Luzia Oppermann spielt diese Lou beängstigend gut. Doch ihre Straftäterin agiert drehbuchbedingt so irrational und so brutal durchgeknallt, dass man für diese Figur nicht nur nicht die geringste Empathie aufbringen möchte, sondern auch das Interesse an ihr verliert. Das ist leider auch das große Manko dieses an sich sehr schnörkellos und spannend inszenierten Krimis, dessen spektakulärer Ausgang im Vorfeld diesmal der größten Geheimhaltung unterlag. So viel stand aber von Anfang an fest: Mindestens Kriminalhauptkommissar Adam Raczek wird den Showdown überleben. Er wird einen Fall allein lösen und im übernächsten Fall einen neuen Partner bekommen: einen Mann! 

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