René Pollesch soll Berliner Volksbühne übernehmen

Die Volksbühne hat schwierige Zeiten hinter sich. Nach der Ära von Frank Castorf gab es viel Ärger mit der Nachfolge. Nun soll einer seiner früheren Regisseure als Intendant zurückkehren.

Berlin. Kein großes Berliner Theater hat so schwierige Zeiten hinter sich wie die Volksbühne. Am Mittwoch hat Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) nun eine Lösung präsentiert: René Pollesch wird Intendant des Hauses, wie er am Mittag auf einer extra einberufenen Pressekonferenz verkündete. Der Theaterregisseur und Autor wird die Leitung der Volksbühne demnach zur Saison 2021/22 übernehmen.

Seit Monaten war nach einer neuen Leitung für die Berliner Volksbühne gesucht worden, nachdem die Nachfolge-Regelung für den vom Publikum verehrten Intendanten Frank Castorf, der das Haus ein Vierteljahrhundert geleitet hatte, gescheitert war: Im August 2017 hatte der belgische Kurator Chris Dercon das Haus übernommen - doch dem Museumsexperten, der zuvor keine Bühne, sondern die Tate Gallery of Modern Art in London geleitet hatte, schlug viel Protest aus der Berliner Kulturszene entgegen: Die Vorwürfe gegen den mit einer gehörigen Hypothek gestarteten

Intendanten reichten von Ahnungslosigkeit bis zu teurem Missmanagement. Dercon, dem es nicht gelang, das Publikum schnell genug auf seine Seite zu ziehen, gab den Posten im Frühjahr 2018 unter dem steigenden Druck wieder auf.
Bis zum Sommer 2021 leitet nun der eigentlich als Geschäftsführer vorgesehene Klaus Dörr das Theater, dann kommt Pollesch zum Zug. Mit ihm kehrt ein alter Bekannter an die Volksbühne zurück - und damit in der Hoffnung von Publikum wie
Senat Ruhe am Haus ein: Der 56-Jährige arbeitete lange unter Castorf und leitete auch eine Nebenbühne der Volksbühne, den Prater. Pollesch arbeitete in Stuttgart, Hamburg, Wien oder auch Frankfurt. In Berlin inszenierte er am Deutschen Theater zuletzt "Cry Baby" mit Sophie Rois und "Black Maria". Die Volksbühne mit dem "Räuberrad"-Logo vor dem Gebäude ist eines des wichtigsten Theater Berlins - und der Bundesrepublik. Unter Castorf hatte das Theater bei einigen Fans Kultstatus, andere wünschten sich dagegen eine Erneuerung. Im September 2017 hatte ein Künstlerkollektiv mit dem Titel "Staub zu Glitzer" das Haus mehrere Tage besetzt. (dpa mit tim)

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