Sachsens verlorenes Rokoko auf Schloss Hubertusburg

Die Regentschaft Friedrich August II. gilt als Blütezeit. Privat war der Kurfürst-König mit einer Kaisertochter glücklich und am liebsten auf Schloss Hubertusburg - im sächsischen Rokoko.

Wermsdorf/Dresden (dpa) - Zwei Ausstellungen machen Europas größtes Jagdschloss Hubertusburg in Wermsdorf (Nordsachsen) für gut vier Monate wieder zur Lieblingsresidenz von Kurfürst-König Friedrich August II. und seiner Familie. Kostbarkeiten aus Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und eine computergestützte Inszenierung imaginieren vom 28. April bis zum 6. Oktober eine besondere Epoche.

«Es ist eine Zeitreise ins verlorene sächsische Rokoko», sagt der Direktor von Rüstkammer und Grünem Gewölbe in Dresden, Dirk Syndram. Erzählt wird die Geschichte einer dynastisch geknüpften und glücklichen Beziehung und einer Blütezeit in Musik, Kunst und Kultur für Sachsen von der «Hochzeit des Jahrhunderts» bis zum jähen Ende - dem Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763).

Moderne Computertechnik macht zudem Hubertusburg hautnah in alter Pracht erlebbar. Die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten erwecken erstmals zugängliche Räume zur alten Pracht. Zudem wird das rauschende Fest nachempfunden, mit dem der legendäre Kurfürst August der Starke (1670-1733) vor 300 Jahren die Vermählung seines Sohnes mit Kaisertochter Maria Josepha von Österreich einen Monat lang in Dresden feierte, wie die Schlösserverwaltung ankündigt. Das Programm umfasste Festumzüge, Opernaufführungen, Maskeraden «und alles, was die spätbarocke Festkultur zu bieten hatte», erzählt Syndram.

Teile des Gebäudes werden dank Videoinstallationen auch so aussehen, wie sie das Paar einst erdacht und eingerichtet hatte. August der Starke hatte Hubertusburg von 1721 an für das jagdbegeisterte Paar bauen lassen. Davon sollen in der Schau Kupferstiche und Gemälde ebenso zeugen wie vom höfischen Leben mit Parforcejagd und Repräsentation.

Aus dem Bestand der SKD werden edelsteinbesetzte Hirschfänger und Prunkgewehre, Porzellan oder Schilde, die bei einem Wasserballett im Zwinger getragen wurden, gezeigt. Ein Highlight ist das Verlobungsgeschenk aus dem Grünen Gewölbe: ein diamantbesetzter Anhänger mit dem Bildnis des Kronprinzen.

Kostümentwürfe und Musikinstrumente lassen die auf Hubertusburg florierende Opernkultur wieder aufleben, Kunstwerke zeugen vom Mäzenatentum des Königspaares. Friedrich August II. von Sachsen war ab 1733 als August III. auch König von Polen und Großherzog von Litauen. Er erweiterte die riesige Anlage ab 1736 auch um ein Opernhaus. Von 1752 an bot das nach der Hubertussage benannte Schloss rund 80 Kilometer nordwestlich von Dresden der kinderreichen Königsfamilie und zahlreichen Gästen Platz.

«Der ganze Hof zog stets ins sächsische Versailles um», sagte Syndram. Meist im Herbst wurde es zur temporären Residenz, mit Festen und musikalischen Aufführungen. «Das Rokoko verbindet man immer mit Süddeutschland.» Weniger bekannt sei, dass es in Sachsen ein «ausgesprochen schönes klassisches, am französischen orientiertes Rokoko» gab. «Es ist eine verlorene Kunst- und Kulturepoche.»

Die Glanzzeit endete jäh mit dem Siebenjährigen Krieg, 1761 wurde Hubertusburg von preußischen Truppen geplündert - bis auf die Kapelle. In einem Seitenflügel besiegelten Sachsen, Österreich und Preußen 1763 den Hubertusburger Frieden. Danach war das Schloss Lazarett, Gefängnis und Psychiatrie. Seit 1993 steht der Zehntausende Quadratmeter große Komplex meist leer. Für eine erste große Schau zum Hubertusburger Frieden in Regie der SKD waren 2013 sechs Räume der Beletage nutzbar gemacht worden - für fast eine Million Euro.

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