Tatort-Kolumne: Jütte ist Kult

Eine Betrachtung zum ARD-Sonntagskrimi von Maurice Querner

Jütte (Roland Riebeling) ist Kult. Der Ermittlungsbeamte assistiert seinen Kölner Kollegen, den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Das aber eben alles andere als ambitioniert. Immer ein bisschen naiv dreinschauend, ist er die Ruhe in Person - ein kleines Nickerchen muss schon mal drin sein - und er nervt damit ein ums andere Mal seine Kollegen. Diesmal scheint sein selbst gebasteltes Lichtduschen-Ungetüm seine volle Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Am Ende des Tages ist es aber immer wieder ausgerechnet dieser Jütte, der Ballauf und Schenk ein Detail präsentiert, das ihnen bei ihren Ermittlungen entscheidend weiterhilft.

Die kleinen humorigen Einlagen, Schenks Vorliebe für fette US-Oldtimer und seine hartnäckige Befragung eines neugierigen Nachbarn, der angeblich immer von nichts weiß und dann doch erstaunlich viel zu berichten hat, waren freilich die einzigen Momente im "Tatort"-Krimi "Niemals ohne mich", die dem Zuschauer ein Schmunzeln entlocken konnten. Monika Fellner, Mitarbeiterin des Jugendamtes, wird erschlagen aufgefunden, nicht weit entfernt von ihrer Wohnung. Sie trat mit missionarischem Eifer unterhaltssäumigen Eltern auf die Füße und machte sich damit viele Feinde. Fellner stritt sogar mit ihrer Kollegin Ingrid Kugelmaier - sie drückt eher mal ein Auge zu -, von der sie dieselbe Härte erwartete. Und so gab es von Anfang an eine Anzahl von Verdächtigen mit starken Motiven für den aufzuklärenden Mord. Die Rätselfreunde unter den Krimifans waren also gefordert.

Das Ganze hat einen deprimierend realen Hintergrund: Nur ein Viertel aller unterhaltspflichtigen Väter oder Mütter bezahlen regelmäßig den gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt für ihre Kinder. Hier werden großflächig Stellvertreterkriege auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen.

Seit 1997 ermitteln Ballauf und Schenk am Rhein und liefern solide bis sehr gute Krimikost. "Niemals ohne mich" lässt sich da zweifellos in letztere Kategorie einordnen. Mit der Inszenierung des Buchs von Jürgen Werner, der für den "Tatort", aber auch schon für die Reihe "Das Traumschiff" geschrieben hat, wurde die "Tatort"-Debütantin Nina Wolfrum beauftragt. Die Dramen um zerstörte Familien, gescheiterte Liebesbeziehungen und Kinder, die dabei die eigentlichen Verlierer sind, webte sie gekonnt in die Ermittlungsstory ein. Gerade für die Kinder fand die Regisseurin starke Bilder der stillen Momente, die eindringlich den Schmerz und die Zerrissenheit spürbar machten. Denn es ist vor allem die Welt der Kinder, die aus den Fugen gerät. Die Krimihandlung vergaß Wolfrum dabei aber nie - die Tätersuche war spannend und das grimmige Schlussbild jagte dem Zuschauer unerwartet noch einen kräftigen Schauer über den Rücken.


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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    Zeitungss
    23.03.2020

    @Osgar: Nein, es ist kein Problem. Was die Betriebskosten beim ÖD angeht und deren Beschaffung, schon eher. Diese, nicht nur meine Feststellung, werden Sie mir doch wenigstens zugestehen, oder leben Sie in einer anderen Welt ? Noch ist D. kein Steuer- und Abgabenparadies, im Gegenteil.

  • 3
    3
    osgar
    23.03.2020

    Mein Gott, wo ist das Problem?
    Prahl und Liefers machen einen auf Comedy, Krug und Bauer haben gesungen.
    Beim Kölner Tatort fährt Bär jedesmal eine andere (Schrott)Karre.
    Aber man kann hier schön sehen wie Fiktion von einigen wenigen als Tatsache gesehen wird.

  • 2
    5
    Zeitungss
    23.03.2020

    @Tauchsieder: Beim ÖD spielen Betriebskosten eh keine Rolle, der Nachschub ist und wird gesichert, wo liegt also das Problem ? Eine gewisse Vorbildwirkung kann man nicht übersehen.

  • 4
    6
    Tauchsieder
    23.03.2020

    Gibt es bei der "Kölner Polizei" keine Kontrolle der Betriebskosten?
    Autos, geschätzt ca. 20 Liter Spritverbrauch, Abgaswerte wahrscheinlich unterirdisch, Flächenverbrauch gigantisch und so etwas lässt man auf die Menschheit zu. Sicherlich fällt dies unter den Begriff - Künstlerische Freiheit -.

  • 3
    2
    antje
    22.03.2020

    Sehr berührend, der Schluss allerdings war nicht notwendig