Terence Hills geschlossener Kreis

Der Schauspieler über seine Erinnerungen an Sachsen, die Sinnsuche in seinem neuen Film, Fitness und seine Freundschaft zu Bud Spencer

Neben Stan Laurel und Oliver Hardy zählt das Schauspieler-Duo Bud Spencer und Terence Hill zu den erfolgreichsten und beliebtesten Film-Couples in der Geschichte der bewegten Bilder. Zwei Jahre nach dem Tod seines Freundes hat Terence Hill noch einmal auf dem Regiestuhl Platz genommen und widmet dem Verstorbenen ein Roadmovie, das mit Reminiszenzen an die gemeinsame Zeit gespickt ist. Darin spielt der 79-Jährige einen gealterten Motorradfahrer auf Sinnsuche, der eine väterliche Freundschaft zu einer problembeladenen, jungen Frau aufbaut. André Wesche hat mit Terence Hill gesprochen - übrigens auf Deutsch.

Freie Presse: Mr. Hill, was können Sie über Ihre deutschen Wurzeln verraten?

Terence Hill: Deutsch ist meine Muttersprache. Ich habe bis zu meinem sechsten Lebensjahr ausschließlich Deutsch gesprochen. Wir haben in Lommatzsch gelebt. Dort hatte ich viele Spielkameraden. Später bin ich in Italien in die Schule gegangen. Dort wurde nur Italienisch gesprochen. Meine deutsche Mutter ist leider jung gestorben und ich habe viel von meiner deutschen Sprache vergessen. Ich müsste schon drei oder vier Jahre hier verbringen, um es wieder zurückzuholen. Ich war dann dreißig Jahre in Amerika und habe nur Englisch geredet. Und jetzt spreche ich keine Sprache wirklich gut.

Wie gut erinnern Sie sich an Ihre Zeit in Lommatzsch?

Sehr gut. Ich glaube, dass es letztendlich die Kindheitserlebnisse sind, die für das ganze Leben bleiben. Die Umstände, unter denen man aufwächst, beeinflussen einen Menschen sehr stark. Als spielendes Kind war ich so zufrieden wie später nie wieder. Ich habe viele Freunde gefunden und trotz der Kriegszeiten ging es sehr lebhaft zu.

Lommatzsch liegt unweit von Dresden. Haben Sie etwas von den Bombennächten mitbekommen?

Ja. Ich möchte eigentlich nicht darüber sprechen. Nur so viel. Der ganze Himmel war rot gefärbt, man konnte das sehen. Und wir sind in den Keller gegangen. Mein Vater war Chemiker in einer großen Fabrik. Er ist für eine Woche nicht nach Hause gekommen. Dann hat meine Mutter gesagt: "Jetzt hole ich ihn!". Sie hat sich auf das Fahrrad geschwungen und ist von Lommatzsch nach Dresden gefahren. Tatsächlich hat sie ihn im Wald gefunden. Er hatte einen Spiegel an einem Baum befestigt und war gerade dabei, sich zu rasieren. Er sagte, dass er die Fabrik beschützen muss. Mein Onkel hat ihn schließlich dazu überredet, wegzugehen. Ich habe viele Erinnerungen. Vielleicht werde ich später mal ein Buch schreiben. Das kann ein paar Jahre dauern. Ich will nicht einfach schnell etwas dahinschreiben. Es geht mir nicht darum, Geld zu verdienen. Ein Buch muss für eine Meinung stehen.

Warum sind Sie nach Italien zurückgekehrt?

Mein Vater war ja Italiener. Meine Mutter stammte aus Lommatzsch und hat in Dresden Kunst studiert. Sie war eine talentierte Malerin. Mein Vater hat in Italien eine Arbeit gefunden. Deshalb sind wir wieder dorthin gegangen.

In Deutschland haben Sie Ihr vermutlich treuestes Publikum gefunden. Führen Sie das auf Ihre deutschen Wurzeln zurück?

Man hält mein Schauspiel für fröhlich, frech und lebhaft und erklärt das mit meinem italienischen Vater. Er muss doch sehr temperamentvoll gewesen sein! Das war aber nicht so. Er hat nie gesprochen und immer nur gelesen. Meine Mutter war es, die so lebhaft war. Und das habe ich in meinem Blut. Sie war es auch, die wollte, dass ich Schauspieler werde. Dafür hat sie alles getan, auch wenn wir kein Geld hatten. Notfalls hat sie etwas von einer Freundin geliehen. Mit zwölf Jahren hatte ich dann zum ersten Mal Reitunterricht. Vielleicht hat sie ja schon geahnt, dass ich später mal Cowboyfilme mit Bud Spencer machen würde? Ich weiß nicht. Aber alles hat irgendwie geklappt. Der Wunsch meiner Mutter ist in Erfüllung gegangen, auch wenn sie es leider nicht mehr miterlebt hat.

Sie haben Ihren neuen Film Bud Spencer gewidmet. War das von Anfang an geplant?

Bud hat noch gelebt, als wir in der Gegend von Almeria einen geeigneten Drehort für den Film gesucht haben. Mir schwebte ein Platz vor, der so stark im Gedächtnis des Zuschauers haften bleibt wie das Haus auf dem Berg in "Psycho". Mein Kameramann hat schließlich diesen einen Ort vorgeschlagen. Er gefiel mir auch, aber ich wollte noch nach Alternativen schauen. In diesem Moment klingelte mein Handy. Buds Sohn war dran und sagte: "Mein Vater ist von uns gegangen." Ich war ganz, ganz traurig. Und dann plötzlich auch voller Freude. Ich wusste, dass dieser Platz der richtige sein würde. Wir haben in der Wüste zwei verfallene Westernhäuser gebaut, mit denen wir drehen konnten. Dann fiel mir ein, dass es dieselbe Wüste war, in der ich zum ersten Mal Bud Spencer getroffen habe. Carlo Pedersoli. Da schloss sich ein Kreis. Da war es das Mindeste, ihm diesen Film zu widmen.

In Almeria haben Sie auch Ihre Frau Lori kennengelernt?

Wir haben uns in Rom kennengelernt, aber nach einer Woche sind wir nach Almeria gegangen. Sie war mein amerikanischer Sprachcoach. Als wir nach zwei Monaten zurückgekommen sind, haben wir sofort geheiratet. Was man eigentlich nicht tut. Es war ein Experiment, das gut gegangen ist. Wir sind jetzt länger als fünfzig Jahre zusammen.

Gibt es eine Lieblingserinnerung an Bud Spencer?

Da gibt es so viele. Wir hatten einmal eine Kostümfrau, die auch sehr gut kochen konnte, Ida. Nach ihr hat er immer schon um 11 Uhr gerufen, weil er Mittagessen wollte. Ich habe immer mit ihm in seinem Trailer gegessen. Manchmal hat er mir vorgeworfen, dass ich mehr essen würde als er. Aber nur er würde dick werden, während ich immer ganz schlank bleiben würde. Damals war alles noch ganz bescheiden. Manchmal haben wir uns ein Bett geteilt. Das war eine gute Zeit. Sehr einfach.

Wie schwierig ist es, mit 79 noch Prügelszenen mit deutlich jüngeren Gegnern zu drehen?

Ach, das ist ganz leicht. Sie sehen es ja im Film.

Haben Sie bei Dreharbeiten auch mal wirklich eingesteckt?

Ja. Ich habe manchmal wirklich zugeschlagen oder wurde tatsächlich getroffen. Man kommt sich bei solchen Stunts ja gefährlich nahe. Bei den Dreharbeiten zu "Zwei wie Pech und Schwefel" sollte jemand mit einer Holzbank auf mich losgehen. Ich würde mich ducken und die Bank an einer Wand zerschellen. Normalerweise benutzt man dafür spezielle Möbel aus sehr leichtem Holz, die schnell kaputt gehen. Der Regisseur meinte aber, wir sollten richtige Bänke verwenden. Keiner von uns hatte etwas dagegen. Ich habe mich also abgeduckt und als ich wieder hochkam, knallte mir die Bank auf den Kopf. Ich bin stark blutend ins Krankenhaus gekommen und wurde mit fünf Stichen genäht. So etwas passiert. Nur Bud Spencer nicht. Vielleicht hatten die anderen ja Angst. Das war ganz amüsant. Er war sehr kurzsichtig, aber beim Dreh nahm er die Brille ab. Sein Gegner stand ihm gegenüber und er fragte: "Wo bist Du?"

Sie sind 79, gehen optisch aber als Mittsechziger durch. Wie halten Sie sich fit?

Ich mache gar nichts. Es sind die Gene meines Vaters. Er war auch so.

Ist es wahr, dass Sie im umbrischen Amelia eine eigene Eisdiele betreiben?

Man hat mich gefragt, ob diese Gelateria meinen Namen tragen darf und ich habe zugestimmt. Tatsächlich hat es dazu beigetragen, dass jetzt mehr Leute den Weg in den Ort finden, dessen Stadtmauer wahrscheinlich im 6. Jahrhundert vor Christi entstanden ist. Ich selbst esse eigentlich fast keine Eiscreme, obwohl ich sie sehr mag. Zuviel Zucker! Auf Zucker achte ich, obwohl ich ihn sehr gern esse.

Haben Sie schon Pläne für Ihren 80. Geburtstag?

Ich weiß noch nicht, ob es klappt, aber ich möchte gern nach Island gehen, um dort zu laufen. Ein Freund war dort und hat gesagt, dass es wunderbar war. Auch im Winter. Man muss sich immer beeilen, so etwas zu machen, bevor zu viele Leute auf den Geschmack kommen und dorthin gehen.

Terence Hill - der Mann mit den blauen Augen und sächsischen Wurzeln

Der Schauspieler wurde am 29. März 1939 als Mario Girotti in Venedig geboren. Sein Vater Girolamo Girotti war Italiener, Mutter Hildegard Thieme stammte aus Dresden. Weil das Familienoberhaupt eine Chemiker-Stelle bei einem deutschen Pharmazieunternehmen annahm, zog die Familie, zu der zwei weitere Söhne gehörten, 1943 nach Lommatzsch unweit von Dresden. Mario wurde deutschsprachig aufgezogen.

1947 nach Italien zurückgekehrt, machte er seinen Schulabschluss und studierte drei Jahre lang Schauspiel, ein Studium der Literatur brach er zugunsten einer Filmkarriere ab.

Wie sein späterer Freund und Kollege Bud Spencer war auch Girotti ein leidenschaftlicher Schwimmer, außerdem feierte er Erfolge als Ruderer. Mit zwölf Jahren stand der zukünftige Star erstmals für den Film "Holiday for Gangsters" vor der Kamera und wurde seitdem immer wieder engagiert. Luchino Visconti besetzte Mario 1963 in "Der Leopard", außerdem wurde er zum regelmäßigen Bestandteil der Karl-May-Filme wie "Winnetou 2" oder "Der Ölprinz".

Ab 1967 avancierte der blauäugige Sympathieträger zur Ikone der Italo-Western, etwa gleichzeitig nahm er den Künstlernamen Terence Hill an. Bereits 1959 war er in "Hannibal" gemeinsam mit Carlo Pedersoli alias Bud Spencer zu erleben. Von den sechziger Jahren bis in die frühen 1980-er dominierte das Duo mit zunehmend humorvollen Filmen wie "Hügel der blutigen Stiefel" oder "Das Krokodil und sein Nilpferd" das Genre. Terence Hill überzeugte aber auch solo, etwa in "Mein Name ist Nobody" (1973). Nach der Hill / Spencer-Ära führte der Mann mit dem US-Pass wiederholt Regie ("Keiner haut wie Don Camillo"). Er spielt weiter in Filmen und ist Star der beliebten Fernsehserie "Don Matteo" (2000-2016).

Hill ist seit 1967 mit Lori Zwicklbauer verheiratet, einer Amerikanerin mit bayerischen Wurzeln. Der gemeinsame Sohn Jess Hill arbeitet häufig an den Produktionen seines Vaters mit, Adoptivsohn Ross starb bei einem Autounfall.

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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