Unvergessene Geschichte eines Menschen

Vor 90 Jahren wurde die jüdische Autorin Anne Frank geboren

Amsterdam.

Wer diese erregenden Aufzeichnungen gelesen hat und vielleicht die schmale Treppe in dem Amsterdamer Hinterhaus hinaufgestiegen ist, wird den Namen Anne Frank, dieses Schicksal und die Tagebücher, die das jüdische Mädchen geschrieben hat, nie vergessen. In 60 Sprachen, in mehr als 25 Millionen Exemplaren existieren diese Niederschriften über die Schrecken des Holocaust, sie sind ein Fenster in eine Zeit, die nie vergessen sein darf.

Die Fakten sind bekannt. Fast überall auf der Welt kennt man die Amsterdamer Prinsengracht 263, wo Anne Frank zwei Jahre vor den Judenjägern versteckt wurde, ehe sie verraten und über Auschwitz ins Lager Bergen-Belsen verschleppt wurde. Dort starb Anne Frank im Winter 1945, wenige Wochen vor der Befreiung. Geblieben sind die Tagebücher, die sie in dem "Achterhuis" schrieb. In einer Kassette wurde das rot karierte Tagebuch aufbewahrt, mitsamt der Kontobücher aus dem Büro des Vaters, in welchen sie weiterschrieb und dazwischen also die 312 bunten Seidenblätter, bedeckt mit ihrer kindlich schönen Handschrift. Die Blätter wurden erst gefunden, als Anne schon auf dem Weg nach Auschwitz war. Man hat sie versteckt und behütet, bis sie nach dem Ende des Krieges gelesen und veröffentlicht wurden. Anne Frank hatte neben dem direkten Tagebuchtext auch eine Bearbeitung vorbereitet, die mittlerweile als Romanentwurf verbreitet wurde. Aber der Text ist bereits seit 1986 zugänglich, und die Gesamtausgabe im Fischer-Verlag bietet mit Kommentierungen und Fotos die verschiedenen Versionen dieses Tagebuches.

Wer das Buch in die Hand nimmt, spürt: Diese Geschichte eines jüdischen Mädchens hat nichts von ihrer Kraft verloren. Und so beginnt diese Niederschrift am 12. Juli 1942: "Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch nie bei jemandem gekonnt habe, und ich hoffe, es wird mir eine große Stütze sein". Was wäre aus ihr geworden? Sie hatte den Wunsch, eine Journalistin oder Schriftstellerin zu werden; ein Romananfang und Geschichten machen dies sichtbar. Aber dies ist auch die Geschichte eines Kindes, das zur jungen Frau heranwächst, ihrer Sehnsüchte und Kümmernisse. Die scheinbar ganz alltäglichen Bedenken junger Menschen, die dabei sichtbar werden, entstehen in einer unnormalen Situation, zwei Jahre in einem winzigen Verschlag eines Hinterhauses: "Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich stets an das Gute im Menschen glaube. Es ist mir nun einmal nicht möglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen."

So wurde das Tagebuch unvergessenes Zeugnis der Vergangenheit, und es blieb zugleich Hoffnung. Daran sollten wir uns erinnern, an diesem heutigen Tag, da Anne Frank vor 90 Jahren geboren wurde.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...