Versuchsfeld für eine Branche

Die neue sächsische Musikmesse "Musicpark" ist am Freitag auf dem Leipziger Messegelände verhalten gestartet. Die Organisatoren konnten jedoch das Potenzial eines stimmigen Konzeptes demonstrieren: Die Frage ist nun, was die Musikbranche mit dieser Luft nach oben anstellt.

Leipzig.

Von Vergleichen mit der einst weltgrößten Branchenschau der Musikinstrumentenhersteller hatten sich die Macher des neuen "Musicpark" Leipzig im Vorfeld natürlich distanziert. Trotzdem waren Unterschiede und Parallelen zur Internationalen Musikmesse in Frankfurt (Main) eines der großen Themen unter den Ausstellern am Freitag, nachdem die erste große sächsische Schau zum Thema ihre Tore öffnete.

Den Tenor dabei brachte der Gitarrist Mattias Eklundh bei einem seiner Workshops im etwas flapsigen Nebensatz auf den Punkt: "Seems like someone's trying to mess with the dying Frankfurt-Messe", grinste der langhaarige Schwede zwischen seinen fingerbrecherischen Griffbrett-Eskapaden vor eher spärlich gefüllten Zuschauersitzen: "Sieht aus, als würde sich hier jemand mit der sterbenden Messe in Frankfurt anlegen." Trotz des mageren Besucherzuspruchs am ersten Tag, der die beiden großen Hallen an der neuen Messe nicht eben überfüllt aussehen ließ - offizielle Zahlen wollte die Messe gestern gar nicht erst herausgeben -, überwog der Optimismus bei dieser Initialzündung, denn der Frankfurter Platzhirsch hatte in den letzten Jahren mit diversen Fehlentscheidungen einen regelrechten Exodus namhafter Hersteller zu verzeichnen, der Bedarf nach einer funktionierenden Messe ist daher gegeben, und was in Leipzig nach dem Öffnen der Tore zu sehen war, zeugt von einem guten Konzept. Vor allem, weil der "Musicpark" konsequent auf Endkunden und nicht auf Händler ausgelegt ist: Wer sich für Musikinstrumente und vor allem das Musikmachen interessiert, von Klassik bis Rock, wird hier ohne Umwege angesprochen. Dabei soll nicht nur nach Herzenslust ausprobiert werden, es gibt auch Anleitung dazu. Als Laie beispielsweise einfach so zu versuchen, in ein Saxophon zu pusten, bringt statt Ergebnissen bestenfalls Frust - mit fachkundiger Anleitung in kleinen Gruppen dagegen wie beim "Musicpark" hat man bereits nach einer halben Stunde ein paar Töne gespielt und spürt dieses erhebende Gefühl: "Hey, cool, das geht ja wirklich!"

So revolutionär, wie der "Musicpark" im Vorfeld angekündigt wurde, zeigte such die Messe nicht - im Prinzip sind nur alle guten Ideen, die für solchen Branchenschauen im letzten Jahrzehnt ausgebrütet wurden, an einer Stelle versammelt und in die richtige Reihenfolge gebracht, sodass man als Besucher einen optimalen Einstieg in die Musikwelt finden kann: Es gibt einen abgeschlossenen Veranstaltungsraum in nennenswerter Clubgröße nicht nur für Rock, sondern auch für ein klassisches Orchester. In vielen Seiten- gelassen werden Workshops, Vorträge und Diskussionen angeboten. Als "Sweat, Blood and Tear"-Boxen angepriesene Schallkabinen bieten Platz für kleinere Darbietungen, dabei sind unter anderem Stars wie Midge Ure am Start. Die Macher achten auf Angebote für alle Altersgruppen und sämtliche Instrumentengattungen. Für diese gibt es dann "Rooms of Doom" - schallisolierte Räume, in denen man Schlagzeuge oder Gitarrenverstärker auch mal ans Limit fahren kann, ohne den Gesamtgeräuschpegel, der auf einer Musikmesse ja immer ein Thema ist, in den Haupthallen zu strapazieren. Organisiert war das alles nach Aussagen verschiedener Aussteller ausgezeichnet, besser als in Frankfurt. Man habe, so war oft zu hören, erst einmal nicht viel erwartet und sei dann sehr positiv überrascht worden. Dass der "Musicpark" trotzdem nicht mit einem Paukenschlag die Szene betreten konnte, lag in der Natur der Sache: Den allermeisten Ständen merkte man eine gewisse Vorsicht an - immerhin konnte ja keiner der rund 200 Aussteller wissen, worauf er sich da letztlich einlässt. Kaum ein Hersteller dreht da gleich das große Rad, viele Präsentationen wirken wie Versuchsstände: Mal sehen, ob was geht. Auch bei der Zahl der sächsischen Hersteller, mit denen sich die Messe vor allem im traditionellen Musikumfeld von Leipzig und Dresden verankern will, gibt es Wachstumspotenzial: Einige hiesige Weltmarken wie Warwick oder Bechstein sind nicht dabei.

Für Besucher hat das zur Folge, dass die Messe erst einmal keinen sonderlich umfangreichen Überblick gibt - was dann wieder viele angelegte Konzepte noch nicht ganz aufgehen lässt. Beispiel "Room of Doom": Für Gitarrenverstärker macht sowas Sinn, wenn man als Musiker mal eine ganze Reihe auch seltenerer Modelle bis zur Volllast "aufwurzeln" kann. Aktuell bietet der "Musicpark" da aber eher Standard-Sachen, die man schon kennt, und noch zu wenig Exotik oder Vielfalt. Und: Natürlich lebt so eine Messe von einer gewissen brodelnden Atmosphäre - die nunmal nur mit einer Menge Gleichgesinnter entsteht. Aber da hilft nach dem Einpflanzen des Bäumchens ja erst einmal nur: gießen und abwarten. "Wir sind mit dem ersten Tag sehr zufrieden", sagte daher Projektdirektorin Stephanie Scholz: "Wir haben eine Event für die ganze Familie geschaffen, vom Kleinkind bis zum Rentner waren bei den Besuchern alle vertreten. Unser Ansatz von ,Erleben, mitmachen, ausprobieren' funktioniert. Und der stärkster Tag einer Messe ist immer der Samstag." Der "Musicpark" ist noch bis Sonntag geöffnet.

www.musicpark.de

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