Vom Kern und den Nadeln: Wie schief ist unser aktuelles DDR-Bild?

30 Jahre nach der Wende meinte man, das Wesen der DDR erkannt zu haben. Doch nicht nur der neu entbrannte Streit über die Ursachen des aktuellen Rechtsrucks im Osten zeigt: Bei der wissenschaftlich-objektiven Sicht auf den zweiten deutschen Staat gibt es Nachholebedarf. Zwei Forscher aus zwei Generationen erklären nun in einer dreiteiligen Gesprächsreihe mit der "Freien Presse", was wir beim Blick auf das Land hinter der Mauer oft übersehen.

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11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    1
    Interessierte
    11.03.2020

    Sehr schief - wird das Bild der DDR dargestellt von einer fremden Nation , die gar nicht wußte , dass es eine DDR gibt / gab ; und von 20% DDR-Bürgern , die die DDR gehaßt haben , aber am Häufigsten in den Medien sitzen ..
    Und wer eine andere Meinung hat , der hat Unrecht und wird in die rote Ecke gestellt und als zurückgeblieben dargestellt ….

  • 3
    2
    Lesemuffel
    11.03.2020

    Gut, dass die FP beiden Wissenschaftlern die Möglichkeit eingeräumt hat, sachlich und wissenschaftlich fundiert, über die Ex-DDR zu schreiben. Ganz ohne Schaum vor dem Mund und ohne Hass oder Verklärung - sachlich eben.

  • 2
    6
    franzudo2013
    11.03.2020

    Geehrter Hankman, Differenzierung und vergleichende Betrachtung ist wünschenswert und hilfreich. Mir kommt es nur sehr spanisch vor, dass im Kontext Thüringen mittlerweile der 3.Beitrag zu den positiven Seiten der DDR platziert wird.
    Wo war der Tiefgang und die wissenschaftliche Betrachtung in den letzten Jahren? Wo ist die tiefergehende Information in der freien Presse sonst? Viel Krawall und schwarz-weiß und wenig Gespür für Differenz.

  • 8
    1
    Hankman
    10.03.2020

    @acals: Ich glaube, hier geht es nicht darum, Verbrechen zu rechtfertigen oder zu relativieren. Die beiden Historiker plädieren dafür, sich der DDR mehr wissenschaftlich zu nähern und sie so komplex wie möglich zu betrachten. Und die DDR bestand eben nicht nur aus Gängelei, Unterdrückung und Verbrechen, die gab es fraglos (wobei ich aus der DDR nicht viele Fälle von "staatlich verordnetem Mord" kenne, vielleicht reden wir hier über verschiedene Systeme oder Länder, eventuell über die SU der 1930er-Jahre).

    Ja, es ging bisher vor allem um Täter-Opfer-Stasi, diese Auseinandersetzung war wichtig und richtig. Und sie ist auch noch nicht abgeschlossen. Aber man darf eben nicht dabei stehenbleiben. Man darf nicht das ganze Land auf diesen Aspekt reduzieren, will man die DDR wirklich verstehen und aus ihrer Geschichte lernen.

    Leider ist auch mein Eindruck, dass die historische Betrachtung der DDR bisher allzu oft darauf gerichtet war, diese zu delegitimieren (was ja nicht schwer ist), damit künftig niemand auf dumme Gedanken kommt. Und manchmal ging es einfach nur ganz praktisch darum, in der aktuellen politischen Auseinandersetzung linke Kräfte zurückzudrängen. Wenn man aber so den (aus der DDR allzu bekannten) ideologischen Holzhammer schwingt und die Leute für zu blöd hält, eine gewisse Denkleistung zu erbringen und eine differenzierte Geschichtsbetrachtung zu verstehen, geht die Sache manchmal arg nach hinten los. Dann entsteht eine trotzige, undifferenzierte Verklärung der Geschichte, weil man in deren holzschnittartiger Darstellung die eigenen Erinnerungen und Gedanken, gute wie schlechte, nicht wiederfinden kann. Dann machen Mythen die Runde, dann wendet man sich ab und zieht sich in die Schmollecke zurück.

    Ich hatte gehofft, der Satz "Das verstehen unsere Menschen nicht" und das Denken, das dahintersteht, seien mit der DDR untergegangen. Sie sind es leider nicht. Deshalb: Ja, gern mehr Forschung, gern ganz detailliert und differenziert, ohne ideologische Vorgaben, einfach im Zusammenhang ergründen und beschreiben, was war und warum. Kaum ein Land, kaum eine Epoche ist nur gut oder nur schlecht. Wer rausgeht auf die Straße, sieht viele Farben, nach Sonnenuntergang sind es noch viele Grautöne. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.

  • 5
    1
    ChWtr
    10.03.2020

    Stalin & Hitler sind ganz und gar nicht ok. - ob mit oder ohne Brille. Spitzbart Ulbricht & Nuschel Honecker auch nicht - hier jedoch mit anderer Qualität und Quantität (...)

  • 2
    10
    acals
    10.03.2020

    Im Kontext der Zeit war dann alternativ auch Stalin einerseits, bzw. Hitler andererseits doch ganz ok, oder nicht? Kommt auf die Brille an, die man sich aufsetzt.
    Staatlich verordneter Mord bleibt was er ist - da hilft auch das hilflose Gestammel ueber Zeitgeist wenig.

    Welcher Staat erlaubt es sich dann Gesinnung ueber Leistung zu stellen? Mit 10. Klasse Durchschnitt von 2.3 zum Abi - waehrend gleichzeitig junge Mitbuerger mit 1.3 und besser die Segnungen des real existierenden Produktionsalltags erleben durften.

    usw usf

    Im uebrigen: Da die DDR den Weltrekord im Aufstellen von Spitzeln pro Einwohnern aufgestellt hat - in welchen Kontext wollte man das einordnen? Das ist kontextfrei, denn ob Lieschen Mueller denn nun ein paar Brote mehr und ein wenig Quark weniger eingekauft hat - interessierte kontextbezogen anderswo nichtmal die hochgeschaetzte Putzfrau. ...

    es ist gefaehrlich nah an massenverdummung so rumzufaseln, und es ist abscheulich polemisch im nachgang zu versuchen verbrechen zu rechtfertigen, zumal fuer solche fuer die sich noch nie ein Legislativer entschuldigt hat

  • 8
    2
    Freigeist14
    10.03.2020

    So ein Beitrag ist natürlich starker Tobak für Sieger der Geschichte ,die bisher sich auf Experten wie Rainer Eppelmann oder Arnold Vaatz verlassen haben .

  • 1
    9
    ChWtr
    10.03.2020

    Maik Weichert's Dissertation würde ich umschreiben in "Die künstlerische Verfassung in der DDR" - die war nämlich bemerkenswert - wenn auch stromlinienförmig. Wer nicht so wollte, wurde entweder gefügig gemacht, eingesperrt oder ausgebürgert.

    Alles andere war Dreck und Elend! Und Unrecht - in einem Unrechtsstaat! Bautzen war überall, Diktatur auch.

  • 7
    6
    Freigeist14
    10.03.2020

    Eine wissenschaftliche Aufarbeitung ohne verordnete Brille der Deutungshoheit der "Bundeszentrale für politische Bildung " ist keine Relativierung . Die DDR im Kontext der Nachkriegsgeschichte und Ost/West-Auseinandersetzung einzuordnen um das gemeinsame Deutschland heute zu gestalten , kann nur heilsam sein .

  • 6
    13
    Distelblüte
    10.03.2020

    "Natürlich gab es in der DDR Rechtsextremismus, und natürlich war der offiziell gedeckelt."
    Lesenswert dazu auch das Interview mit Bernd Wagner, ehemaligem Kriminalpolizisten der DDR, späterem Kriminalbeamten und Gründer der Neonazi-Aussteiger-Organisation EXIT:
    https://taz.de/Exit-Gruender-ueber-Neonazis-in-der-DDR/!5665867/

  • 7
    19
    franzudo2013
    10.03.2020

    Die Relativierung geht weiter. Es gibt genügend Beispiele für Arbeiter, die in den Bau gegangen sind, weil sie über Ulbricht gewettert haben oder einen politischen Witz erzählt haben.
    Was soll dem geneigten FP - Leser hier suggeriert werden?
    Die groesste DDR der Welt war sicher skurril und hatte ihre Nischen, aber die ultima ratio der Kommunisten war die Zerstörung des einzelnen Menschen bis zum Mord.