Wolf Biermann: Populismus kotzt mich an

Berlin (dpa) - Demokratie ist für den deutsch-deutschen Liedermacher Wolf Biermann auch 30 Jahre nach dem Mauerfall «eine anstrengende und zugleich wunderbare Lebensform der Gesellschaft». Deswegen sei sie seit der Antike immer wieder gefährdet, sagte Biermann der dpa in Berlin vor Veröffentlichung seines Novellenbandes «Barbara». Populismus etwa von Pegida oder Linken kotze ihn an. «Sie schlagen Kapital daraus, dass viele Menschen enttäuscht sind in dem falschen Hoffen, die Demokratie sei eine Idylle.»

Der 1976 aus der DDR ausgebürgerte Biermann verwies auf seine deutsch-deutsche Geschichte. «Ich habe in beiden Systemen gelebt und bin nicht nur als Tourist mal vorbeigekommen, um ein bisschen am Sozialismus zu lecken oder am Kapitalismus.»

Die Unzufriedenheit in Teilen der ostdeutschen Bevölkerung kann Biermann verstehen. «Es wäre ein Wunder, wenn es nicht so wäre», sagte der in Hamburg lebende 82-Jährige, «große gesellschaftliche Umbrüche gehen nicht so flott und nicht so flach.» Doch: «Die allermeisten DDR-Menschen sind heilfroh, dass sie in der Freiheit endlich mal neue Probleme haben und nicht mehr die alten.»

Deutschland sei es noch niemals so gut wie jetzt gegangen. Doch Wohlstand und Demokratie würden schlecht geredet. «Was im Moment vor sich geht, empfinde ich als politische Hysterie. Ja, es gibt Probleme, wie immer im lebendigen Leben, aber deshalb darf man nicht unsere Lage und unser Land schlecht reden», sagte Biermann.

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5Kommentare
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  • 2
    2
    Interessierte
    16.03.2019

    Was man unter Opportunismus findet , ist noch viel schlimmer ...

  • 12
    0
    Freigeist14
    14.03.2019

    Man könnte jetzt ausholen und die vielen peinlichen Ausfälle Biermanns schildern . Aber dieser Klampfen -Barde giert nur nach Aufmerksamkeit und Bedeutung ,die er oft genug verspielt hat . Als nützlicher ***** hat er sich im Bundestag 2014 vor den Karren spannen lassen .

  • 3
    3
    Interessierte
    14.03.2019

    von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen
    ( das machen aber die Politiker in der richtigen politischen Richtung auch ....

  • 11
    0
    Tauchsieder
    14.03.2019

    Ein viel zu überschätzter Mensch, wie hier schon richtigerweise erwähnt wurde. In der DDR war er vielen nicht bekannt und nach seiner Abschiebung in die BRD vermissten ihn auch nicht viele. Dort verschwand er dann in der Versenkung.
    Man könnte ihn auch nach seiner Meinung zu einem Fahrraddiebstahl in China fragen, oder was er von der "Frau des Jahres" in Schweden hält.

  • 13
    1
    Deluxe
    14.03.2019

    «Sie schlagen Kapital daraus, dass viele Menschen enttäuscht sind in dem falschen Hoffen, die Demokratie sei eine Idylle.»

    Tja - und bei Herrn Biermann ist es eben anders'rum.
    Der schlägt noch heute Kapital daraus, dass viele Menschen enttäuscht waren in dem falschen Hoffen, der Sozialismus hätte eine Idylle sein können - oder zumindest sehr viel besser als er wirklich war. Biermann lebt m.M.n. bis heute zu großen Teilen davon, daß er in der DDR "dagegen" war und 1976 ausgebürgert wurde. Das war nicht in Ordnung - gar keine Frage. Und das hätte die DDR auch nicht nötig gehabt. Von Biermanns Sorte hätte dieser Staat nicht nur einen vertragen, sondern ganz viele.
    Bloß - er soll sich nicht zum Vorkämpfer für Demokratie machen. Ein solcher ist er nicht. Seine Popularität verdankt er zum großen Teil immer noch dem Jahr 1976 - er ist nie als besonders engagierter Kämpfer für unsere heutige Demokratie in Erscheinung getreten.

    Wer einen musikalischen Auftritt im Bundestag anläßlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls nutzt, um gegen eine demokratisch gewählte Fraktion dieses Hauses zu wettern bis der Hausherr (Bundestagspräsident Lammert) ihn ermahnt, bei dem kann ich keinen besonderen Respekt vor der Demokratie erkennen.



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