2020 bringt Pilzsammlern Freude

Spaziergänge im Wald lohnen sich derzeit auch kulinarisch. Nur sollte man genau hinschauen, was in der Pfanne landet.

Freiberg/Flöha/Geringswalde.

Zwei Kilo Birkenpilze am Radweg zwischen Waldheim und Rochlitz: das war die reiche Beute von Michael Möbius. "Da haben wir drei Tage dran gegessen", sagt der Geringswalder und schmunzelt. Es komme auf die Wachstumsschübe an, denen das im Waldboden liegende Myzel-Geflecht unterliege und das dann die Fruchtkörper hervorbringe. Einen dieser Schübe habe er am Radweg gerade günstig abgepasst. Der 56-Jährige kennt die einschlägigen Stellen, an denen es sich lohnt, mit dem Spankorb loszuziehen. Seit etwa 13 Jahren fungiert Möbius als amtlich bestellter Pilzberater. Seine Fachkenntnis wird ganzjährig gebraucht. "Denn Pilze wachsen nun mal nicht nur im Sommer und Herbst."

So hatte ihn ein Sammler im Winterhalbjahr kontaktiert. "Der Mann war sich nicht sicher, ob Austernseitlinge, die er gefunden hatte, für den Verzehr geeignet sind", berichtet Möbius. Die Art ließe sich bedenkenlos zu einem herzhaften Pilzgericht verarbeiten, die Seitlinge gebe es auch als Zuchtform.

Andere Sammler wieder tun sich mit dem Flockenstieligen Hexenröhrling etwas schwer. "Hier schreckt vielleicht nur der etwas bizarre Name ab, denn tatsächlich handelt es sich um einen guten essbaren Speisepilz, aus dem sich schmackhafte Gerichte zaubern lassen." Dabei weise diese Art eine Besonderheit auf. "Am Anschnitt etwa am Hut bildet sich sofort eine Blauzeichnung aus, bei der ein Enzym mit Sauerstoff reagiert", erklärt Möbius. Verwechseln könnten weniger bewanderte Sammler den Hexenpilz eventuell mit dem Maronen-Röhrling oder einem Steinpilz. "Was aber auch nicht tragisch wäre, da auch diese Arten für den Verzehr geeignet sind." Gefahr droht jedoch beim giftigen "Doppelgänger", der als Satanspilz bekannt ist und dem Hexenpilz ähnlich sieht. Möbius beruhigt. "Hier in unserer Region ist dessen Vorkommen sehr unwahrscheinlich, denn der Satanspilz verlangt kalkhaltige Böden."

Für dieses Jahr prognostiziert der Pilzberater eine ergiebige Saison. "Die erste Hälfte fiel weniger trocken aus als in den beiden Jahren zuvor. Diese Konstellation könnte eine ordentliche Schwemme versprechen." Möbius weiß, dass Pilze längere Trockenperioden ausgleichen, indem sie bei ausreichender Feuchtigkeit umso stärker fruchten, wie der Berater im vergangenen Herbst beobachtet hatte. "Zugleich wandern durch die allmähliche Erwärmung und im Zuge des Klimawandels von Süden her hier Arten ein, die es früher bei uns nicht gab."

So müssen sich Michael Möbius und seine Beraterkollegen ständig auf dem Laufenden halten. Eine Weiterbildung im Dreijahresrhythmus ist ohnehin Pflicht, um wiederbestellt zu werden. Organisiert werden die Treffen etwa vom Verein "Pilzberater Südwestsachsen". Der Verein wurde 2014 neu gegründet und umfasst den Vogtlandkreis, Landkreis Zwickau, Erzgebirgskreis und Mittelsachsen. Deren Mitglieder führen neben Pilzberatung auch Pilzlehrwanderungen und Ausstellungen und Vorträge durch.

Wer den Verdacht hat, sich vergiftet zu haben, sollte laut Verein den Giftnotruf wählen: 0361 730730 oder einen Arzt aufsuchen, zudem auch Reste der Mahlzeit, Putzreste sowie Erbrochenes sicherstellen.


Pilzberater geben wertvolles Fachwissen weiter

Bobritzsch: Antje Heymann, Eschenweg 4, Telefon: 037325 23899

Flöha: Sebastian Friese, Pufendorfstraße 8, Telefon: 0173 8382885;

Jörg Oehme, Fritz-Heckert-Straße 30, Telefon 03726 4869 oder 0174 4012230; Hiltgunde Seidel, Augustusburger Straße 54, Telefon: 03726 722037, 0176 63141137

Frauenstein: Marko Feldmann, Bergstraße 46, Telefon: 037326 86769, 0171 5748667

Freiberg: Peggy Strobelt, Thomas-Müntzer-Straße 1, Telefon: 03731 4795139, 0177 5667275; Christiane Walther, Paul-Müller-Straße 23, Telefon: 03731 245392, Mobil: 0172 3432849

Grünhainichen: Horst Mildner, Försterbauerweg 8, OT Borstendorf, 037294 90295; Jörg Hunger, Eppendorfer Straße 4, OT Borstendorf, 037294 96918, 0152 03148241,

E-Mail: joerg.hunger@web.de

Halsbrücke: Gunnar Kaden, Straße der Jugend 38, Telefon: 03731 211721;

Jochem Schaller, Am Bergschlösschen 13, Telefon: 035209 21141, 0157 83577364

Leisnig: Dieter Kunadt, Nr. 70, Telefon: 034321 13720, 0162 9351338

Lichtenau: Wolfgang Friese, Berg- weg 2, Telefon: 037208 3310, 0172 3529703

Mittweida: Matthias Eberhardt, Auenweg 5, Telefon: 03727 930665, 0174 3816702; Anneli Winter, Birkenweg 1, 09648 Mittweida, Telefon: 03727 611321

Rechenberg-Bienenmühle: Helga Plath, Bergstraße 30, Telefon: 037327 7403

Roßwein: Stefan Lorenz, Dorfweg 1, Tel.: 03431 613865, 0152 08593052

Oberschöna: Jens Berger, Wegefarther Straße 17, Telefon: 0179 6116013

Striegistal: Sieglinde Köhler, Richard-Witzsch-Straße 119, Telefon: 037207 3415, 0172 7988864

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