600. Ja-Wort in der Villa am Fluss

Heiraten im Flöhaer Ortsteil Gückelsberg liegt im Trend - das hat in den vergangenen Jahren viele Besucher angelockt. Diese allerdings sehen nicht gerade die schönste Seite der Stadt, was sich jetzt etwas bessern soll.

Flöha.

Manch einem Autofahrer wird die keine Tafel schon aufgefallen sein. An der Dresdner Straße in Flöha steht sie, in Richtung Freiberg kurz nach dem Tal mit der Fußgängerampel. Auf der Tafel ist ein Herz zu sehen, darin stehen zwei Namen; und diese wechseln in regelmäßigen Abständen. Kein Wunder - es heiraten ja auch nicht immer die gleichen Menschen. Am vergangenen Wochenende nun gab es bereits das 600. Ja-Wort in der Villa Gückelsberg, zu der das Schild alle Gäste führen soll. Der Flöhaer Björn-Erik Bock und seine Carolin trauten sich und wurden damit zum Jubiläumspaar.

"Wir haben uns für die Villa Gückelsberg entschieden, weil wir eine Hochzeit in der Natur wollten. Das geht hier besonders gut", sagte Braut Carolin, die barfuß und mit Blumen im Haar vor die Standesbeamtin schritt - auch die Trauung selbst fand unter freiem Himmel im Garten der Villa am Ufer der Flöha statt. Die Gäste der Zeremonie kamen aus ganz Deutschland, reisten unter anderem aus München und Hamburg an. "Und es hat allen sehr gut gefallen. Es war ein rundum gelungener Tag", sagt die Braut, die aus Oederan stammt.


Mit Tausenden Gästen aus aller Welt, die seit 2008 zu den 600 Trauungen angereist sind, ist die Villa Gückelsberg zu einem Touristenmagneten der Stadt Flöha geworden - sagt Chefin Sylva-Michèle Sternkopf. "Wir hatten schon ganz außergewöhnliche Paare hier, nicht selten wurde es richtig international", sagt die Unternehmerin, deren Villa außerdem ein Übersetzungs- und Marketingbüro, ein Küchenatelier und einen Ausstellungsraum für Kunsthandwerk beherbergt. Sie erinnert sich gern an eine Trauung, bei der ein Deutscher einer Japanerin das Ja-Wort gab. Beide hatten sich in Neuseeland kennengelernt. "Dort hatten wir eine Pferdekutsche dabei, von der die japanischen Gäste derart begeistert waren, dass sie eine Runde nach der anderen im Garten der Villa gefahren sind", sagt Sylva-Michèle Sternkopf und lacht.

Die zentrale Lage in Deutschland und das besondere Ambiente in und um die Villa hätten in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass immer mehr Brautpaare von weiter her nach Flöha kommen - erst recht, nachdem seit 2014 auch unter freiem Himmel geheiratet werden darf, sagt Sternkopf. "Als wir vor elf Jahren die ersten Hochzeiten angeboten haben, hatten wir etwa 30 Stück pro Jahr, jetzt sind es 100", so die Unternehmerin, die eng mit dem Standesamt der Stadt Flöha zusammenarbeitet.

Etwas bedauerlich sei allerdings der Zustand der näheren Umgebung, so Sternkopf weiter. Denn die Zufahrtsstraße zur Villa, also die, an der die eingangs erwähnte Tafel steht, führt vorbei an der Ruine der Baumwollspinnerei Gückelsberg. Allein die Überreste der Gebäude sind dabei kein schöner Anblick, auch die Straße selbst ist komplett zugewuchert. Flöhas Bürgermeister Volker Holuscha hat jedoch wenig Möglichkeiten, das seit langem bekannte Problem zu lösen. "Das Gelände ist in Privatbesitz, wir kommen nur schwer an den Eigentümer heran", sagt er. Was den Zustand der Straße angeht, soll sich aber schnell etwas tun. "Wir haben den Besitzer aufgefordert, das Gestrüpp zu beseitigen. Tut er das nicht, machen wir das. Und dann wird es teuer", so der Rathauschef.

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