Achtung: Brücke hat bereits erstes Loch

Die Vollsperrung der Kirchenbrücke hat am Montag reibungslos funktioniert. Das Problem sind nicht die Autofahrer, sondern Fußgänger.

Flöha.

Seit Montag ist Flöha eine geteilte Stadt. Mit der Sperrung der Kirchenbrücke ist der direkte Weg vom Schulberg zur Alten Baumwolle abgeschnitten. Die Umleitung für Autofahrer führt über die Ortsumfahrung und kostet etwa sieben Minuten zusätzliche Zeit. Fußgänger müssen über die Auenstegbrücke ein paar Meter flussabwärts der Flöha ausweichen.

Abgesehen von zwei Autofahrern, die am Montagfrüh trotz Sperrschild und vor den Augen der Polizei über die Brücke gefahren sind, habe alles reibungslos funktioniert, sagte die Leiterin der Verkehrsbehörde im Flöhaer Rathaus, Katrin Jope, am Nachmittag. Polizeiangaben zufolge konnte einer der Autofahrer zum Umkehren bewegt werden. Der andere fuhr weiter, wurde gestoppt und musste 20 Euro Verwarnungsgeld bezahlen.

Wie angekündigt, wurden ab 8 Uhr die Absperrungen aufgebaut, gegen 9 Uhr war die Kirchenbrücke dicht, und sie wird es voraussichtlich bis Dezember 2020 bleiben. Anders als ursprünglich geplant, wurde bereits gestern das erste Brückensegment entfernt. Stanimir Enew aus der Bauverwaltung, der seitens der Stadt für das Großprojekt zuständig ist, blickte deshalb besorgt zu jenen Fußgängern, die trotz Sperrung noch über die Brücke schlenderten. "Die Geländer sind jetzt weg, die erste Platte auch. Es ist jetzt lebensgefährlich hier drüber zu laufen", warnte er.

Regiobus-Betriebsleiter Frank Lindner sagte am Montagnachmittag, dass die Umleitungsfahrpläne funktionieren. Die Busse, die nicht am Förderschulzentrum halten, fahren jetzt vom Bahnhof aus zur Lessingstraße und über die Rudolf-Breitscheid-Straße und die Talstraße zur Haltestelle am Anger. Von dort laufen die Schüler des Pufendorfgymnasiums über die Auenstegbrücke zur Schule. Wie aus dem Gymnasium und aus der Grundschule gestern verlautete, gab es keine nennenswerten Verspätungen.

Die Talstraße ist jetzt in beide Fahrtrichtungen befahrbar. "Das kann natürlich nur funktionieren, wenn das Halteverbot befolgt wird", sagte Katrin Jope. Ein Schwerpunkt sei dabei die Kreuzung Lessingstraße/Rudolf-Breitscheid-Straße, die für Omnibusse eine Nadelöhr ist. "Sollten dort Fahrzeuge im Kreuzungsbereich stehen, wird es für die Busse problematisch. Das müssen wir beobachten", so die Leiterin der Verkehrsbehörde.

Die 1879 errichtete Kirchenbrücke wird durch einen Neubau mit schlankerem Mittelpfeiler ersetzt. Damit wird im Falle eines Hochwassers mehr Durchfluss garantiert. Der Brückenneubau kostet voraussichtlich 2,7 Millionen Euro und wird damit rund eine Million Euro teurer als geplant. Neben den Fördermitteln bekommt die Stadt einen Baukostenzuschuss vom Freistaat in Höhe von 666.500 Euro, weil die Brückeninstandsetzung nach dem Hochwasser 2002 nicht fertiggestellt wurde.


Kommentar: Umweg ist zumutbar

Der Neubau der Kirchenbrücke ist für Flöha ein einschneidendes Ereignis. Nicht nur, weil die Mehrkosten ein finanzielles Risiko für die Stadt bedeuten, sondern vor allem, weil die Stadt mit der Vollsperrung der Augustusburger Straße praktisch geteilt ist. Und einmal mehr zeigt sich, wie wichtig die Umgehungsstraße als Bypass für Flöha ist.

Die Einschränkungen, die Anwohner und Autofahrer sowie Fußgänger oder Geschäftsinhaber mehr als ein Jahr lang ertragen müssen, sind ärgerlich, aber zumutbar. Die Fußwegumleitung über die Auenstegbrücke ist gut ausgebaut. Vielleicht ist es der Stadt sogar noch möglich, während der dunklen Monate für Licht entlang des Umweges zu sorgen.

Die neue Brücke wird der letzte Baustein für den Hochwasserschutz in Flöha sein. Wenngleich sie keine Garantie für allzeit trockene Füße sein kann. Die Stadtverwaltung hat zugesagt, regelmäßig über den Baufortschritt und über Einschränkungen zu informieren sowie den Dialog mit den Bürgern zu pflegen. Das ist richtig und eine Voraussetzungen dafür, dass möglicher Ärger nicht zum großen Unmut anwächst.

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