AfD sitzt nun in vier Räten

Die Christdemokraten büßen bei den Kommunalwahlen in den meisten Orten an Stimmen ein. Die Alternative für Deutschland arbeitet jetzt auch in Niederwiesa, Eppendorf und Oederan in den Räten.

Flöha.

In durchweg allen Städten und Gemeinden der Region hat es am gestrigen Sonntag eine höhere Beteiligung an der Europa- und der Kommunalwahl als vor fünf Jahren gegeben. Spitzenreiter ist die Stadt Oederan. Dort lag die Wahlbeteiligung bei 68,8 Prozent (2014 waren es 55,9 Prozent). Nicht selten standen die Wähler Schlange vor dem Wahllokal. "Ich musste nicht anstehen, andere schon", sagte Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) am Abend. Sein Eindruck: In den Ortsteilen seien mehr zur Wahl gegangen als in der Kernstadt. In Görbersdorf etwa lag die Wahlbeteiligung knapp unter 84 Prozent.

Augustusburg: Auffällig zugelegt hat die Wählergemeinschaft Augustusburg (WG), stärkste Fraktion im Stadtrat. Die Wählergemeinschaft kann nun neun Sitze (2014: sieben Sitze) für sich beanspruchen. 349Stimmen verloren haben die Christdemokraten. Gewaltig der Erdrutsch bei der Europawahl, bei der 28,5 Prozent der Wähler der AfD ihre Stimme gaben, gefolgt von den Christdemokraten (25,8 Prozent) und Die Linke (10,5 Prozent). Augustusburgs Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) postete gegen 22 Uhr dazu im sozialen Netzwerk Facebook: "Ich bin schockiert."


Eppendorf: Einen Erdrutsch gab es für die Christdemokraten auch in Eppendorf. Nur noch 26 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuz bei der CDU. Bei der Kommunalwahl 2014 hatte die Partei noch 62,7 Prozent auf sich vereinen können - war mit Abstand stärkste Kraft im Gemeinderat. Wie viele Sitze sie im neuen Gremium beanspruchen können (2014: 9 Sitze), stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Berechnung des Statistischen Landesamtes lag noch nicht vor. Die AfD holte aus dem Stand 16,1 Prozent. Zu den Gewinnern gehörten auch die Freien Wähler, die 35,2 Prozent der Stimmen holten. Als SPD-Mitglied freute sich Bürgermeister Axel Röthling, dass die Sozialdemokraten, dem vorläufigen Ergebnis nach, ihre zwei Sitze behalten würden. Als Bürgermeister müsse er das Wahlergebnis hinnehmen und damit arbeiten - "und das meine ich ganz wertungsfrei", sagte Röthling. Ob es für die Gemeinde gut oder schlecht ist, wisse man in fünf Jahren.

Flöha: Die Alternative für Deutschland legt nach 2014 erneut bei der Stadtratswahl in Flöha zu. 27,9 Prozent der Wahlbeteiligten gaben den EU-Skeptikern ihre Stimme. 2014 hatte die AfD auf Anhieb 15 Prozent der Stimmen geholt. Das heißt, die Fraktion kann die Anzahl ihrer Sitze auf sechs Sitze verdoppeln. Stärkste Fraktion bleiben die Christdemokraten, die jedoch zwei Sitze (bisher 11 Sitze) abgeben müssen. "Dass es ein Rennen zwischen CDU und AfD geben würde, war abzusehen", sagte Stadtwahlleiter Philipp Grundig. Die Wahlergebnisse lagen 22.59 Uhr vor, darauf waren die Flöhaer stolz. Bis nach Mitternacht musste für den Kreistag ausgezählt werden.

Leubsdorf: Ihren Stand konnten die Christdemokraten in Leubsdorf verteidigen. Weil Die Linke und die SPD keine Kandidaten mehr stellten, verteilten sich die Stimmen auf CDU und die Unabhängige Wählervereinigung Leubsdorf. Letztere gingen mit drei Kandidaten ins Rennen, die nun alle einen Sitz im Gemeinderat beanspruchen. Bürgermeister Dirk Fröhlich (CDU) hatte dafür am Sonntagabend eine einfache Erklärung: "Bei uns im Gemeinderat spielt die große Politik keine Rolle. Da geht es um die Sache." Die Gemeinde war in der Flöhaer Region auch die einzige, bei der die AfD (27,5 Prozent der Stimmen) bei der Europawahl den Christdemokraten (32,9) nicht den Rang ablief. Die Leubsdorfer meldeten kurz vor 24Uhr Vollzug beim Auszählen.

Niederwiesa: Mit einer neuen Kräfteverteilung im Gemeinderat wird sich auch Niederwiesa in den nächsten fünf Jahren auseinandersetzen müssen: Die Afd trat erstmals an und holte 11,4 Prozent der Stimmen. Auch der einzige Kandidat der Wählervereinigung IG Niederwiesa verbuchte neun Prozent. Zu den Gewinnern gehören auch die Grünen, die ihr Ergebnis mehr als verdoppelten.

Oederan: Die höchste Wahlbeteiligung der Region hatte Oederan: 68,8 Prozent, 2014 waren es 55,9 Prozent. Erstmals konnte die AfD in den Stadtrat einziehen. Die Partei, die mit sieben Kandidaten ins Rennen gegangen war, holte aus dem Stand 23,3 Prozent der Stimmen. "Ich hoffe, dass wir weiterhin sachbezogen arbeiten", sagte dazu Stadträtin Katrin Stapf (Freie Wähler) während der öffentlichen Auszählung. Die Freien Wähler waren optimistisch in die Wahl gegangen und bauten ihren Stimmenanteil aus: von 39,5 (2014) auf 44,7 Prozent. Die CDU büßte 12,6 Prozentpunkte ein.

Wahlergebnisse der Kreistagswahl
Wahlergebnisse der Stadt- und Gemeinderatswahl
Wahlergebnisse der Ortschaftsratswahl
alles zur Europawahl


Grünhainichen

CDU-20,4%3

Fr. BI Waldkirchen-26,9%5

Fr. WV Borstendorf-21,3%3

SG Rotat. Borstend.-13,6%2

WV Kultur u. Sport-17,9%3


Kommentar: Schlappe für die CDU

Von Politikverdrossenheit ist bei den Stadt- und Gemeindewahlen 2019 nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Menschen mischen sich ein. Warum die Christdemokraten ausgerechnet in ihrer bisherigen Hochburg Eppendorf solche eine Schlappe einstecken mussten, werden sie analysieren müssen. Gewinner des Wahlmarathons ist die AfD. Bei der Europawahl führt sie in fast allen Kommunen . Nach Flöha zieht sie nun in drei weitere Stadt- bzw. Gemeinderäte ein.


Flöha

CDU43,4 %37,8 %9

Die LINKE18,6 %16,5 %4

AfD15,0 %27,9 %6

SPD12,4 %8,2 %1

FDP6,1 %9,6 %2

Grüne2,0 %-

FW Misa2,6 %-


Eppendorf

CDU62,7 %26,0 %

SPD13,6 %16,8 %

FDP3,7 %-

Die LINKE7,2 %4,0 %

Freie Wähler12,8 %35,2 %

AfD- 16,1 %

Grüne- 1,8 %


Augustusburg

CDU23,0 %14,2 %2

WG39,6 %55,2 %9

Dein August.26,4 %22,5 %4

Die LINKE8,8 %8,1 %1

SPD2,2 %-


Oederan

CDU35,6 %23,0 %

Freie Wähl.39,4 %44,7 %

Die LINKE13,8 %9,0 %

SPD2,5 %-

BI Frankenst.8,7 %-

AfD-23,3 %


Niederwiesa

BI47,0 %41,0 %

CDU16,6 %6,7 %

Die LINKE8,2 %-

BLB20,8 %23,1 %

SPD2,7 %2,2 %

Grüne2,9 %6,5 %

NPD1,7 %-

AfD-11,4 %

WV IG Niederw.-9,0 %


Leubsdorf

CDU75,3 %80,5 %13

UWL10,4 %19,5 %3

Die LINKE7,3 %-

SPD7,1 %-

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