Am Montag ist die letzte Sprechstunde

Der Augustusburger Hausarzt Thomas Klotz war vier Jahrzehnte für seine Patienten da. Jetzt freut sich der 66-Jährige auf die Zeit mit seinen Enkeln. Doch seine Patienten müssen sich keine Sorgen machen.

Augustusburg.

Zum Jahresende geht der Augustusburger Hausarzt Dr. med. Thomas Klotz in den Ruhestand. Viele seiner Patienten haben sich in den zurückliegenden Wochen bereits von ihm verabschiedet. Ab dem 1. Januar 2021 wird die Hausärztin Dr. Maria Helwig aus Börnichen dann das Praxisteam verstärken.

Thomas Klotz blickt auf eine 41-jährige Tätigkeit als Arzt zurück. "1979 habe ich im Krankenhaus in Frankenberg angefangen. Danach war ich in der Poliklinik in Flöha beschäftigt", erzählt der 66-Jährige. Im Juni 1990 eröffnete er dann seine eigene Arztpraxis in Augustusburg.

"Ich gehörte zu den ersten niedergelassenen Ärzten im Bezirk Chemnitz", so der Augustusburger. Den Antrag auf eine eigene Niederlassung hatte er bereits 1989 gestellt. "Das war eine abenteuerliche Zeit", erinnert er sich. So sollte er plötzlich mit einem ganz neuen System abrechnen. "Zu DDR-Zeiten musste kein Arzt so etwas machen. Plötzlich sollten wir nach einem Punktesystem abrechnen. Man konnte sich nirgendwo Rat holen, weil es einfach noch viel zu wenig niedergelassene Ärzte hier in der Gegend gab."

Zusammen mit seiner Frau Gisela, die seit Anfang an in seiner Praxis arbeitet, fuhr er deshalb zur Abrechnungsstelle nach Magdeburg, um sich dort zu erkundigen. "Dort saß ein älterer Herr, der uns leider auch nicht viel sagen konnte", erinnert sich Thomas Klotz über den etwas holprigen Start in die Selbstständigkeit. Die ersten zwei Jahre in Augustusburg praktizierte er im Haus der Schwiegereltern. Werner Senf, sein Schwiegervater, betrieb dort eine eigene Zahnarztpraxis. Beide teilten sich den Empfang und den Wartebereich. "Nach zwei Jahren haben wir dann auf dem Nachbargrundstück eine eigene Arztpraxis gebaut", erzählt Thomas Klotz. Mit seiner Schwester Dr. Sabine Uhlig praktizierte er dort bis zu deren Ruhestand im Jahr 2009. Dann gab es einen fliegenden Wechsel in der Praxis: Die älteste Tochter von Thomas Klotz, damals Susanne Klotz, heute Steinert, stiegt als Ärztin mit in seine Praxis ein.

Auch seine zweite Tochter Annekathrin Bruder hat einen medizinischen Beruf gewählt und arbeitet nun als Zahnärztin in ihrer eigenen Praxis in Flöha. "Ich habe beide nicht gezwungen, diesen Beruf zu erlernen. Sie haben es selbst so entschieden", sagt Thomas Klotz. Die beiden Klotz-Mädels, und daran erinnern sich gerne viele ältere Patienten, seien schon damals vor und nach der Schule fröhlich mit der Schultasche durch die Praxis ihres Vaters gelaufen und hätten so den Kontakt mit Patienten von klein auf erlernt.

"Seit diesem Sommer habe ich nur noch zwei Tage die Woche in der Praxis meiner Tochter gearbeitet", sagt der Mediziner. Am 21. Dezember wird er nachmittags seine letzte Sprechstunde halten. Dann geht es nach vier Jahrzehnten in den verdienten Ruhestand. Thomas Klotz freut sich auf die Zeit mit seiner Frau und den sechs Enkelkindern, die zwischen ein und acht Jahre alt sind und alle in der Nähe wohnen. Auch seine Hobbys Bergwandern und Lesen werden nicht zu kurz kommen. Seine langjährige Mitarbeiterin Karin Köhler, die mit 72 Jahren immer noch zwei Tage in der Woche in der Praxis tätig ist, verabschiedet sich Ende Dezember dieses Jahres ebenfalls nach fast 29 Jahren in den Ruhestand.

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