Amt drosselt Tempo vor 40 Einrichtungen

Um Kinder, Senioren und Kranke zu schützen, darf die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt werden. Das findet Beifall.

Flöha.

Oberschöna, Kriebstein, Erlau und in Kürze auch Erdmannsdorf - vor immer mehr Grundschulen in Mittelsachsen gilt Tempo 30. Die Reduzierung der Geschwindigkeit hat sich aus Sicht von Verkehrsexperten bewährt. Möglich macht das seit Dezember 2016 eine Änderung der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung, wonach beispielsweise auch vor Kindertagesstätten und Pflegeheimen das vorgeschriebene Tempo auf 30 Stundenkilometer reduziert werden kann. Das Landratsamt habe neue Verkehrszeichen bislang vor etwa 40 Einrichtungen angeordnet, informiert Pressesprecher André Kaiser:

Seit der Änderung der Vorschrift seien etwa 30 derartige Anliegen von Städten und Gemeinden in Mittelsachsen an die Kreisbehörde herangetragen worden, so Kaiser weiter. "Alle bisher gestellten Anträge der Kommunen wurden von uns positiv entschieden." Darüber hinaus wurde auch dort, wo noch kein Antrag vorliege, gegebenenfalls bei der Verkehrsschau ein Tempolimit geprüft. Beim Vor-Ort-Termin mit Polizei, Straßenbaulastträger, Straßenmeisterei und Kommune könnten auch Entscheidungen getroffen werden.

Allerdings sei mit der Änderung kein Automatismus verbunden, betont der Kreissprecher. So seien die Bereiche genau definiert, in denen Tempo 30 angeordnet werden darf: Vor Kindergärten, -krippen und -horten sowie vor allgemeinbildenden Schulen, Förderschulen für geistig oder körperlich behinderte Menschen, Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern. "Es ist immer eine Einzelfallprüfung erforderlich", so Kaiser. Dabei spielten der Bring- und Abholverkehr, Radfahrer, Querungshilfen und mehr eine Rolle.

Der Auto Club Europa (ACE) hat laut Jörg Petzold die Anordnung von mehr Tempo-30-Strecken vor Schulen schon lange gefordert. "Wir begrüßen deshalb, dass dies seit 2016 leichter möglich ist", erklärt der Pressesprecher des ACE Kreisclubs Sachsen-Süd: "Schwächere Verkehrsteilnehmer brauchen besonderen Schutz."

Zuvor hätten die Behörden eher zu den Verkehrszeichen "Achtung Kinder" oder "Allgemeine Gefahrenstelle" mit dem Zusatz Schulweg gegriffen, weil die vom Kraftfahrer eine ständige Bremsbereitschaft fordern. Das sei aber die Theorie, erklärt Petzold, in der Praxis lösten diese Schilder gar keine Reaktion beim Autofahrer aus, während das Tempolimit meist eine Geschwindigkeitsverringerung zur Folge habe. Die Neuregelung habe sich bewährt, so der Sprecher, sollte aber nicht inflationär angewendet werden.


Verkehrssicherheit wächst

Tempo 30 (im Bild die Karl-Kegel-Straße in Freiberg) kann auch auf Hauptverkehrsstraßen aus Gründen des Lärmschutzes, der Verkehrssicherheit und der Luftreinhaltung angeordnet werden. Einer Analyse des Umweltbundesamtes zufolge verbessert Tempo 30 überwiegend Umweltqualität, Sicherheit und Verkehrsfluss. Anwohnerinnen und Anwohner nähmen die Entlastung wahr. Foto: Eckardt Mildner/Archiv


Grundregel: Rechts vor links

Eine Tempo-30-Zone (im Bild die Nordstraße in Seifersbach) dient der Verkehrsberuhigung und wird häufig in Wohngebieten angeordnet. Sie umfasst mehrere Straßen beziehungsweise Einmündungen. Grundsätzlich gilt die Vorfahrtsregel "rechts vor links"; in Einzelfällen kann aber auch das Zeichen 301 (Vorfahrt an der nächsten Kreuzung oder Einmündung) zum Einsatz kommen. (jan) Foto: Falk Bernhardt/Archiv

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1Kommentare
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  • 1
    0
    sachsenjunge
    16.07.2018

    Auf jeden Fall eine sehr gute Lösung zum Schutz der Kinder. Auf der B180 vor der Oberschule in Flöha ist die neue Beschilderung allerdings etwas merkwürdig. Stadtauswärts, also von der B173 kommend, steht das Schild vor der Ein- und Ausfahrt zum Edeka-Parkplatz und wird beim abbiegen nach rechts aus dieser auf die B180 nicht wiederholt. Fahrzeuge mit ein paar PS mehr sind hier schnell auf über 30 beschleunigt. Als Grundstücksausfahrt dürfte sie wohl auch nicht mehr eingestuft werden können. Noch eindeutiger wird es dann in der Gegenrichtung. Hier wurde das Schild noch vor dem Abzweig zur Heinrich-Heine-Straße angebracht und wird nach diesem ebenfalls nicht erneuert. Zwar wurde nun auf dem nachfolgenden Teilstück noch eine Tafel mit Anzeige der Geschwindigkeit angebracht, was ja aber nicht mit einem Verkehrszeichen gleich zu setzen ist. Verlässt man sich hier etwas auf diese Regelung: "Auch wenn man erst später in die Straße einbiegt und das Tempolimit nicht wiederholt wird, kann der Fahrer belangt werden. Gerade von ortsansässigen Fahrern wird angenommen trotzdem Kenntnis über die geltende Höchstgeschwindigkeit zu haben."? Da stellt sich mir dann doch schon wieder die Frage, ob es hier ausschließlich um die Sicherheit der Kinder oder doch auch um eine zukünftige Einnahme für die Stadtkasse mit teuren Fotos handelt?



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