Bald möglich: Einmal auf Wolke Sieben schweben

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Das Baumhaushotel an der Talsperre Kriebstein ist bald um eine Attraktion reicher. Denn auf dem Areal entsteht ein neuer Bau. Futuristisch, innovativ und einmalig kommt er daher - auch dank Forschern aus Chemnitz.

Erlau/Kriebstein.

Da hängt sie nun in acht Metern Höhe, zwischen drei geschätzt 15 Meter hohen und knapp 120 Jahre alten Buchen. Diese weiße Kugel, die bald auf sechseinhalb Quadratmetern ein Heim für eine Nacht oder mehr bietet und für die Gäste des Baumhaushotels "Kriebelland" an der Talsperre Kriebstein ein Abenteuer verspricht. Von außen futuristisch zwar, aber irgendwie unscheinbar. Doch der Eindruck täuscht: Das Objekt ist überaus innovativ. Die Bauweise komplex, das Material besonders.

Wie sollte es auch anders sein bei einem Projekt, bei dem neben Forschern der TU Chemnitz ein Team von Spezialisten für textile Architektur an Bord ist. Mit der Bücherwolke, wie sie der Betreiber des Baumhaushotels Steffen Mäding nennt, werden drei bis fünf Zentimeter dicke Spezialmembranen getestet. "Wie lichtdurchlässig sind die Verbünde aus verschiedenen Membranen? Wie viel Feuchtigkeit nimmt das Dämmmaterial auf? Welche Schalleigenschaften weist es auf?", zählt Franziska Schulze Fragen auf, die die Wissenschaftler des Forschungsbereichs "Leichtbau im Bauwesen" neben weiteren in Kriebstein klären wollen.

Das Projekt mit dem Titel "Insulation Textil" läuft bereits seit Oktober 2018. Im August 2019 stieß die 25-jährige Erlauerin, die in Hof ein duales Studium für Maschinenbau und Mechatronik abschloss und in Chemnitz ihren Master draufsattelt, dazu. Seither begleitet sie das Vorhaben mit ihrem Kollegen Enrico Rudolph wissenschaftlich. Mit Stev Bringmann, einem 46-jährigen Architekten aus Berlin, und Karsten Daedler, einem Spezialisten für die Verarbeitung von Planen aus Winsen bei Hamburg, haben beide ausgewiesene Experten und Praktiker an ihrer Seite.

Bis die ersten Gäste die schwebende Wolke mit einem Durchmesser von rund vier Metern im Bücherbaumhaus in Beschlag nehmen können, dauert es. Nachdem am Freitag die restlichen Folien auf die Schichtholzträger gespannt wurden und am Samstag die Kugel montiert wurde, muss noch die Dämmung eingeblasen werden. Das soll im Juni passieren. Blähglas, Perlit und Aerogel werden verwendet. Letztgenanntes stammt, wie Schulze erklärt, aus der Raumfahrt und ist teuer. "Rund 3000 Euro kostet ein Kubikmeter Material aus Siliciumdioxid." Danach geht es an den Innenausbau. Eine große Liegefläche mit einklappbaren Tisch soll hinein, laut Bringmann, "eine wandelbare Konstruktion, um den Platz auszunutzen". Dabei haben die Macher immer ein Ziel vor Augen: eine wärmegedämmte Membran zu entwickeln, die Energieverluste in der textilen Architektur verringert und dazu lichtdurchlässig ist. "Wir haben sechs Teilflächen. So können wir nicht nur eine Variante testen, sondern mehrere Dinge sehen und beobachten", erklärt Bringmann. Aus diesem Grund sind die sechs Zwischenräume zwischen drei und fünf Zentimeter stark und mit verschiedenen Materialien gedämmt. Geprüft werden zudem, wie Franziska Schulze ergänzt, Statik, Thermodynamik und Akustik.

Zu der neuesten Attraktion kam Betreiber Mäding eher zufällig. Das Telefon klingelte im April 2020, eine Zeit, in der Corona seit einem Monat hier erst leise wütete. Ob er sich vorstellen könne, bei einem Forschungsprojekt mitzumachen, fragte ihn Franziska Schulze. Der 54-Jährige konnte. "Wir wollten eigentlich ein großes Bürogebäude in Berlin mit einer solchen Membran bespannen. Das Projekt hat sich allerdings zerschlagen", erläutert Architekt Bringmann, der überzeugt ist, dass "das Baumaterial eine Nische finden wird". Allein schon deshalb, weil große Fläche überspannt werden können und das Material so wenig Masse hat.

Zumindest in Kriebstein werden Gäste ab Sommer die regenfeste, winddichte und lichtdurchlässige Bücherwolke schätzen lernen.

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