Das Ehrenamt als Ehrensache für andere

Die "Freie Presse" sucht den Mittelsachsen des Jahres 2020. Heute: Claudia Stowasser hält die Gewerbetreibenden in Oederan zusammen und Wolfgang Butze unterstützt die Volkssolidarität in Freiberg.

Claudia Stowasser ist in diesen von Corona bestimmten Zeiten so etwas wie ein Anker für Händler und Gewerbetreibende: Claudia Stowasser von der Oederaner Händlerinitiative. Die Inhaberin des Unternehmens Grafik Print Service Nothnagel hat es geschafft, ein Netzwerk für Gewerbetreibende, Handwerker und Selbstständige zu knüpfen - jene also, die besonders unter den Corona-Beschränkungen leiden. In den zurückliegenden Adventstagen, die von strengen Hygiene-Maßnahmen bestimmt waren, half sie mit, dass die gut 30 örtlichen Unternehmer zusammenhielten, so wie bereits im Frühjahr.

"Im März 2020 bekamen wir sozusagen über Nacht zu spüren, dass wir alle für derartige Einschränkungen nicht gewappnet waren, es schon bei einfachsten Dingen, wie etwa den Notfall-Telefonnummern und Internetkontakten haperte. Wir kannten einander zwar, aber vom jeweiligen Handelsangebot des anderen wussten wir zu wenig", resümiert Claudia Stowasser. "Wie sollten uns die Kunden trotz geschlossener Türen die Treue halten, wenn sie uns nicht erreichen konnten und wir ihnen keine Alternative boten, wie etwa die eines Lieferdienstes?", fragt die gebürtige Gahlenzerin rückblickend. Als Mitglied der Interessenvereinigung Stadtmarketing ergriff sie daraufhin zusammen mit anderen Mitstreitern die Initiative.

So veranlasste die 47-Jährige zum Beispiel den Druck von Informationsblättern mit Kontaktdaten und die Verteilung von Werbeflyern örtlicher Geschäftsinhaber. "Den altbewährten Spruch: ,Merk drei Worte - kauf im Orte' wollten wir beleben. Von dieser Idee getragen, organisierten wir beispielsweise zwei spezielle Verkaufsaktionstage, initiierten mit beteiligten Händlern einen Rätselspaß-Rundgang mit Gewinngeschenken. Unser Ziel dabei immer: Die Einheimischen für unsere Angebote zu interessieren", erklärt Claudia Stowasser. Eine wichtige Initiativen war auch der Aufbau von Chatgruppen auf digitalen Plattformen. "In Zusammenarbeit mit Marco Metzler vom Stadtmarketing Oederan versorgen wir beispielsweise so unsere Händler mit den aktuellen Informationen zum Thema Corona, geben Hintergrundinformationen weiter oder beantworten Fragen", berichtet sie weiter.

Nicht nur aufgrund ihres Engagement für die Händlerinitiative hat sich Claudia Stowasser den Respekt der Mitbürger verdient. Seit 2017 zählt die Mittelsächsin auch zu den Unterstützern der Elterninitiative krebskranker Kinder Chemnitz. Diese schlimme Situation kenne sie aus der eigenen Familie. "Es ist es mir deshalb ein Bedürfnis, dieses in unserer Region von Ralf Quandt vorangebrachte Projekt mit zu fördern", sagt die Mutter zweier Söhne. Längst ist sie so auch als Organisatorin von Spendeninitiativen bekannt, steht regelmäßig zu Stadtfesten oder anderen Großveranstaltungen mit am Marktstand der karitativen Vereinigung, um von deren Tätigkeit zu berichten und um Zuwendungen zu bitten. "Irgendwie kann ich nicht anders, ich möchte mich im nachbarschaftlichen Miteinander einbringen und um ein gewisses Maß sozialen Engagements bemühen", betont sie. Dazu zählt übrigens auch das Ehrenamt der Schatzmeisterin im Elternverein der Kita "Buddelflink" Oederan.

Wolfgang Butze betreut seit 64 Jahren Wolfgang Butze ältere und hilfsbedürftige Menschen. Dass er mit 85 Jahren dafür eine Auszeichnung vom Freistaat Sachsen erhält, hätte er nicht erwartet. "Es war eine große Überraschung, und ich habe mich gefreut, dass meine Arbeit anerkannt wird", sagt der Freiberger.

Angela Gronwaldt, Vorstand der Volkssolidarität Freiberg, hat dem Paritätischen Wohlfahrtsverband des Landesverbandes im August Wolfgang Butze für die Ehrung ehrenamtlich engagierter Bürger durch Staatsministerin Petra Köpping (SPD) vorgeschlagen. Er selbst wusste davon nichts. Umso größer war die Freude, als er aus der Zeitung von der Auszeichnung erfuhr.

1956 begann er, ältere und hilfebedürftige Menschen unter dem Dach der Volkssolidarität zu betreuen. 1971 zog er nach Freiberg und hatte bis 1990 den Vorsitz der Ortsgruppe Oberer Wasserberg der Volkssolidarität inne. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Schulung und Einteilung der 42 Helfer seiner Ortsgruppe und die Reisebegleitung von Seniorenfahrten. Je nach Planung und Veranstaltungen bringt Butze jetzt noch zehn bis 20 Stunden jede Woche für sein Engagement bei der Volkssolidarität auf. Er hilft Älteren, beteiligt sich an der Planung und Durchführung von Ausfahrten sowie am Freiberger Familientag.

Angela Gronwaldt von der Volkssolidarität ist sich bei der Nominierung Butzes sicher: "In dieser langjährigen, überaus aktiven ehrenamtlichen Arbeit von Herrn Butze steht stets im Vordergrund, Menschen in die Gemeinschaft zusammenzuführen und durch eigenes Vorbild an Nachbarschaftshilfe und Mitgliederwerbung zu zeigen, dass das Motto der Volkssolidarität 'Miteinander-Füreinander' mehr Lebensqualität und Lebensfreude bringen kann", heißt es im Vorschlag für die Ehrung. "Wenn es jemand verdient hat, dann dieser Mann." Diesen Vorschlag hat der Freistaat angenommen und neben 63 anderen Sachsen auch Wolfgang Butze gewürdigt. Ursprünglich war für den 5. Dezember eine feierliche Ehrung im Landtag in Dresden geplant. Sie fiel jedoch wegen der Corona-Beschränkungen aus.

Ein Ende seiner Mitgliedschaft in der Volkssolidarität sieht Wolfgang Butze indes nicht. "Austreten werde ich nicht, ich bleibe Mitglied bis zum Tod", sagt er. Seit 27 Jahren ist er zudem Vorsitzender des Stadtausschusses der Stadt Freiberg und unterstützt die Planung der Seniorenarbeit in der Stadt. "Es gab viele Spannungen, aber allgemein bin ich zufrieden mit dem vergangenen Jahr", resümiert Wolfgang Butze. "Ich freue mich sehr, dass unser Verein so gut läuft und dass wir alles auf die Reihe bekommen haben." Im nächsten Jahr hofft er auf eine Entspannung der Corona-Situation und dass die Volkssolidarität wieder Veranstaltungen durchführen kann. "Die Planung der nächsten Weihnachtsfeier hat schon begonnen. Mal schauen, ob wir die durchführen können."

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