Das ist ja wohl die Höhe!

In unserer Region mit den vielen schönen Schlössern ist immer etwas los. So auch im November. Ein Rückblick.

Falls Ihnen langweilig sein sollte, haben wir eine Beschäftigung für Sie: Geben Sie doch einfach mal das Wort "Bahnsteighöhe" in die Suchmaschine ihres Internets ein. Oder - mancher mag es ja lieber altmodisch: Gehen Sie doch einfach mal in die Bibliothek Ihres Vertrauens und suchen dort alles, was Sie zum Begriff "Bahnsteighöhe" finden können. Wir versprechen Ihnen schon jetzt ungeahntes Lesevergnügen, das Sie bis zum Jahreswechsel und darüber hinaus fesseln wird. Denn: Das Problem der Bahnsteighöhen ist keines, was der Mensch an sich mal so eben mit einer logischen Herangehensweise in den Griff bekommen könnte. Nein - das Problem der Bahnsteighöhen ist eines, das den Menschen an sich und die von ihm erdachten Behörden und Entscheidungsfinder noch lange beschäftigen wird. Auch und vor allem in unserer schönen Region.

Hier nämlich haben die Bahnsteige ganz unterschiedliche Höhen. In Oederan etwa wurde der Bahnhof (also zumindest die Bahnsteige) vor gar nicht allzu langer Zeit neu gemacht. Resultat: Der Unterschied zwischen Gleis (das ist das, auf dem die Züge fahren) und Bahnsteigkante (das ist die, von der man bitte zurücktreten muss, wenn der Zug dann doch irgendwann kommt) beträgt hier 55 Zentimeter. Was Sinn macht, denn so ist ein einfacher Einstieg in den Zug, der zwar nur noch stündlich, aber immerhin auch tatsächlich in Oederan hält, möglich. "Barrierefrei" lautet der gesetzmäßig verwendbare Begriff dafür, dass Zug und Bahnsteig die gleiche Höhe haben. Ist dem nicht so, ertönt über die Lautsprecher im Zug und am Bahnsteig die Durchsage, dass der Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante zu beachten ist. In Flöha kennen Bahnreisende diese Lautsprecherdurchsage sehr gut. Hier nämlich sind die Bahnsteige noch alt. Und damit niedriger als in Oederan. Bedeutet: Beim Verlassen oder Betreten des Zuges müssen die Passagiere im wahrsten Sinne des Wortes steigen. Beim Einsteigen nach oben, beim Aussteigen nach unten. Das ist nicht barrierefrei. Weshalb die Deutsche Bahn die zwei wichtigsten Bahnsteige in Flöha (die, an denen die Züge in Richtung Chemnitz beziehungsweise Dresden halten) umbauen will. Das Gute: Wenn die Bahn ihre Pläne umsetzt, müssen die Passagiere zukünftig nicht mehr beim Betreten des Zuges nach oben und beim Verlassen des Zuges nach unten steigen. Das Blöde: Wenn die Bahn ihre Pläne umsetzt, müssen die Passagiere zukünftig beim Betreten des Zuges nach unten und beim Verlassen des Zuges nach oben steigen.

Denn: Der Bahnsteig soll 76 Zentimeter hoch werden. Weil das die gesetzliche Norm ist, nach der Bahnsteige heutzutage generell gebaut werden müssen. Steht wohl so in der EBO, der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. 76 Zentimeter ist die Höhe, bei der die Passagiere barrierefrei aus einem und in einen Fernverkehrszug steigen können. Feiner Zug also von der Bahn, dass sie schon jetzt daran denkt, was mal ist, wenn ein ICE in Flöha stoppt. Blöd nur, dass genau das weder geplant, geschweige denn terminiert ist.

Nun könnte man ja sagen: Wenn eh kein Stopp des ICE geplant ist, könnte man den Bahnsteig doch einfach auf 55 Zentimeter Höhe bauen, damit die Züge, die jetzt und in absehbarer Zukunft auch tatsächlich am Bahnhof in Flöha halten, barrierefrei zu erreichen sind. Ja, das könnte man. Aber dann hätte man ja gar nicht mehr viel zu lesen, wenn mal im Internet "Bahnsteighöhe" als Suchbegriff eintippt.

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