Debatte um Amazon-Standort: Stadträten droht Sonderschicht

Der US-Konzern will in Dittersbach bauen lassen. Strittig diskutierten die Frankenberger Stadträte allerdings Lärm und Flächenversiegelung.

Frankenberg.

Den Frankenberger Stadträten droht eine Sondersitzung noch vor Weihnachten. Bei der regulären Tagung am Mittwochabend hat das Stadtparlament eine Beschlussvorlage zu Bauerleichterungen für das geplante Amazon-Verteilzentrum in eine Sondersitzung des Hauses verwiesen.

Der US-Konzern will im Gewerbegebiet Ost im Ortsteil Dittersbach bauen lassen und von dort ab dem Weihnachtsgeschäft 2020 in einem Radius von bis zu 100 Kilometern um Frankenberg Kunden beliefern. Für den AfD-Geschäftsordnungsantrag zur neuerlichen Beratung stimmten zwölf Räte, zehn waren dagegen. CDU-Fraktionschef Andreas Schramm attestierte der Beschlussvorlage der Verwaltung "strukturelle Fehler". Insbesondere die Versiegelung des Gewerbegrundstücks erwies sich als strittig. Auch die drohende Lärmbelästigung und der von Amazon gewünschte Wegfall der Fassadenbegrünung waren Gegenstand von Debatten.

Amazon bleibt zwar in den Nachtstunden mit 32 bis 42 Dezibel unter den in Gewerbegebieten üblichen 45 Dezibel. Damit liegt das Unternehmen aber auch teils über den Festsetzungen des aktuellen Bebauungsplanes. "Weil eine Anpassung des B-Planes aber durchaus länger als ein Jahr dauert, wurden Befreiungen von den Festsetzungen des aktuellen Planes beantragt", erklärte Bauamtsleiter Michael Thiel den Hintergrund der Beschlussvorlage.

Amazon peilt eine Inbetriebnahme des Verteilzentrums zum Weihnachtsgeschäft 2020 an. Eine langwierige Planung käme dem Unternehmen da in die Quere. "Freie Presse" hat den Konzern zur Rolle des neuen Verteilzentrums in seinem wachsenden Logistiknetz, zum von Frankenberg aus abgedeckten Gebiet und zu den Zahlen ankommender Lkw und abfahrender Kleintransporter angefragt. Auskünfte dazu standen bisher aus.

Dafür hat das Landratsamt Mittelsachsen erklärt, dass es sich bei der Prüfung der Befreiungen um ein noch offenes Verfahren handele. "Maßgebend für die Ansiedlung des Logistikbetriebes sind die Festsetzungen des Bebauungsplanes", sagte Landkreissprecher André Kaiser. Dazu gehört auch, wie laut es zugehen darf. Können die Lärmkontingente nicht eingehalten werden, kommen Befreiungen ins Spiel. "Die Prüfung ist eine Ermessensentscheidung der Baubehörde im Landratsamt", so Kaiser.

Dass die neuen Nachbarn zu viel Lärm machen könnten, darüber diskutieren Frankenberger derzeit im sozialen Netzwerk Facebook. "Hauptsache, die, die so was genehmigen, leben in einem ruhigen Wohngebiet", schrieb eine Nutzerin. "Alles nur wegen der Gewerbesteuer. An die Anwohner wird nicht gedacht."

Ein anderer Nutzer meinte: "Wer Arbeitsplätze will, muss das andere mögen. Obwohl: Man hätte ja auch einfach ein Stück Rossauer Wald roden können", so sein offenbar nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag. "Am besten mittendrin. Wegen Schallschutz." Ein dritter Nutzer, mutmaßlich von außerhalb, sah die Sache so: "Ich finde es gut, dass sich ein so großes Unternehmen ansiedelt. 300 Arbeitsplätze entstehen nur selten auf einen Schlag. Ihr habt eine Bundesstraße und Autobahn vor der Haustür, viel schlimmer wird es nicht werden."

Für Verwirrung hatte ein Fehler in der Beschlussvorlage für den Stadtrat gesorgt. Dort war die Rede von Kleintransportern, "3099 am Tag und 132 in der Nacht", die die von Lkw (36 am Tag und 70 in der Nacht) angelieferten Waren an die Kunden bringen sollen. "Diese Anzahl ist nicht korrekt", räumte Thiel ein. An normalen Tagen würden 300 Kleintransporter ankommen und wieder abfahren, an einzelnen Spitzentagen im Weihnachtsgeschäft circa 750. Pro Tag liefern 30 Lkw an, zu Spitzenzeiten die doppelte Anzahl.

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