Der Männel-Doktor aus Oederan

Seit der Kindheit hilft Jürgen Siegert im Klein-Erzgebirge. Die Arbeit im Verein ist nicht einfacher geworden. Doch aufgeben ist ihm fremd.

Oederan.

Die Saison im Klein-Erzgebirge ist zu Ende. Mehrere Tage lang hat der Verein aufgeräumt. Die 200 Mini-Modelle, fast 2000 Männeln, Figuren und Tiere aus Holz einzusammeln, einzupacken und einzulagern, das hat früher zwei oder drei Stunden gedauert, sagt Jürgen Siegert. Früher, als es noch mehr Mitglieder waren.

Es ist ein Sinnbild für die Lage eines Vereins, der versucht, mit einem Wechsel an der Spitze eine große Vergangenheit ins Morgen zu retten. Es ist schwer, genug Leute zu finden, die Wiesen vom Herbstlaub befreien oder kaputten Männeln die Holzarme wieder ankleben. Die tausende Kerzen für die "Nacht im Klein-Erzgebirge" im ganzen Park verteilen.

Jürgen Siegert hat mittlerweile den Job als Männel-Doktor, weil es sonst kaum einer mehr macht, sagt er. Früher reparierten alle Vereinsmitglieder hier und da einen Bergmann. Im Flur der behaglichen kleinen Wohnung, in der Familie Siegert lebt, sind die Kisten mit kaputten Männeln gelagert. Etwa 200 Stunden im Jahr verbringt Jürgen Siegert damit, sagt er. Abends sitzt er mit seiner Frau am Küchentisch, er macht das Holz, sie malt neue Farbe auf die Bergmänner und Engel und bastelt Deko für die Miniaturen. Sie tun es mit Liebe aus Heimatverbundenheit. Wie schlecht einige über ihren Park sprechen, sorgt für Wut, Trauer, Trotz.

Jürgen Siegert ist ein besonnener Mann. Er denkt nach, bevor er redet. Er spricht mit ruhiger Stimme. Jürgen Siegert ärgert so schnell nichts, könnte man meinen. Doch als er in einer nicht-repräsentativen Umfrage der "Freien Presse" das Klein-Erzgebirge seiner Ansicht nach vor allem als Problem dargestellt sah, hat ihn das geärgert. So sehr, dass er sich hinsetzte und einen wütenden Brief verfasste. Der 39-Jährige sieht den Miniaturenpark als Segen für die Stadt. Als etwas, für das die Menschen dankbar sein sollten. Denn: "Ohne das Klein-Erzgebirge hätten wir niemals so viele Tagestouristen", ist sich der Oederaner sicher. Der Miniaturpark ist überregional bekannt, die Stadt schmückt sich mit seinem Namen. Danach, wie viel Geld aus dem Rathaus im Spital oder der Stadtbibliothek stecken, frage keiner, sagt Siegert. Wenn es ums Klein-Erzgebirge gehe, werde jeder Cent umgedreht.

Und dann diese Umfrage. Nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer schätzte das Fortbestehen des Parks als wichtig ein. "Warum wird überhaupt die Frage nach dem Erhalt dieser überregional einzigartigen Sehenswürdigkeit gestellt?", fragt der Vater zweier Töchter. Das sei ein Schlag ins Gesicht aller, die seit über 83 Jahren ihre Arbeit getan haben für ihre Heimatstadt.

"Die Leute sagen, die Preise sind zu teuer. Wir müssen doch irgendwie wirtschaften." Seit Jahren trotze der Verein den Gesetzen der Marktwirtschaft. Sogar aus Tschechien reisten die Touristen an, um durch das 17.000 Quadratmeter große Areal zu schlendern. Jürgen Siegerts Wunsch an die Oederaner: "Macht mit bei uns! Wenn jemand bei uns im Herbst auch nur eine Stunde Laub recht, muss er bestimmt keinen Eintritt zahlen. Aber es kommt ja keiner."

Stattdessen heiße es von allerorten, der Verein solle moderner werden. "Wir sind offen für alle Ideen", sagt Jürgen Siegert. Der Führungswechsel an der Spitze könnte ein Zeichen in diese Richtung sein: Chef Horst Drichelt übergibt an Sohn Stephan. Jürgen Siegert: "Wir bleiben ja trotzdem dieselbe Gemeinschaft." Dieselben 25 Engagierten. "Das eigene Leben wird auch nicht einfacher", berichtet er. Jürgen Siegert hat Kinder, arbeitet im Schichtdienst. Er hält inne, denkt kurz nach. Dann sagt er in seiner ruhigen Art: "Aber aus dem Klein-Erzgebirge kriegt mich keiner weg."

www.klein-erzgebirge.de


Mehr Sonne als im Vormonat, aber immer noch trüb genug

Temperaturen: Bei einer mittleren Temperatur von 3,2 Grad Celsius fiel der November mit einer Abweichung von minus 0,2 Grad geringfügig zu kalt aus. Nach Tagen gerechnet waren es elf, die zu warm, und 19, die zu kalt waren. Am kältesten war es bei minus sieben Grad am Morgen und minus zwei Grad über Mittag am 29. Novem-

ber, am wärmsten mit jeweils 15 Grad am 18. und 23. November.

Sonne und Wolken: Anders als im außergewöhnlich trüben Vormonat schien die Sonne im November bedeutend häufiger. Mit 84 Stunden wurden 34 mehr als im vergangenem Oktober registriert und immerhin noch 22 Stunden mehr als im Novemberdurchschnitt. Dank mehrerer langsam durchziehender Hochdruckgebiete waren längere, dichte Wolkenabschnitte seltener als sonst in einem November. Trotzdem war der Anteil trüber Tage gegenüber heiterer Tage novembergemäß 17:3; an zehn Tagen war es heiter bis wolkig.

Niederschläge: Dieser vergangene November war ein merklich zu trockener Monat. An 14 Tagen während 83 Stunden fielen nur 44,8 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Normal sind es an 17 Tagen bei 128 Stunden Dauer 70,2 Liter.

Windverhältnisse: Mit 16 stark windigen Tagen und einem Sturmtag gegenüber den novembergemäßen 18:5 war der zurückliegende Monat einer der windärmeren Spätherbstmonate.

Nebel: Wie um diese Jahreszeit ganz normal nahm die Nebelhäufigkeit in diesem Monat wieder deutlich zu: An sechs Tagen im November kam es insgesamt zu 33Stunden mit Sichtweiten unter 1000 Meter und damit zu Nebel; an vier Tagen gab es auch dichten Nebel mit Sichtweiten unter 100 Meter.

Winterliche Parameter: In den meisten aller November seit 1960 lag an mehreren Tagen im Monat bereits Schnee, und zwar an 38 von den 50Novembermonaten im Zeitraum 1961 bis 2010. In diesem November schneite es nur an vier Tagen, an zwei Tagen blieb dieser liegen. Bei einer maximalen Höhe von nur zwei Zentimetern war Wintersport kein Thema.

Fazit: Das Wetter im vergangenem Monat war bis auf geringe Abweichungen typisch novembergemäß, eher spätherbstlich als schon frühwinterlich und physisch wie auch mental gut zu verarbeiten. (mt)

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